Berichte & Tageträumereien eines weisen, gerechten & bescheidenen Herrschers

    • Tagebuch

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      53. Eintrag

      Wo ist Graf von Plüsch?

      Seit fast zwei Monaten hat ihn keine Menschenseele mehr zu Gesicht bekommen, geschweige denn von neuen spannenden Abenteuern oder von des Grafen wohlüberlegten, qualifizierten Gedankengängen lesen können.

      Warum sollte der Graf denn uns, seine Fans, seine gut- und leichtgläubigen Anhänger, mit seinem Schweigen quälen wollen?
      Waren wir ihm nicht immer treu ergeben? Haben wir uns nicht sogar an manchen Abenden in höchste Lebensgefahr begeben, wenn wir gefährliche, streitsüchtige, altersschwache Rebhühner in den königlichen Gärten ausgesetzt hatten, nur um des Grafen rosa Adelsblut hin und wieder in Wallung zu bringen? Um seinen paranoiden, die Lebensgeister erquickenden Rebhuhn-Hass zu nähren?
      Unmöglich wird er uns im Stich gelassen haben. Das würde ihm absolut nicht ähnlich sehen!
      Nur weil er sich grundsätzlich gleichgültig gegenüber seinen Untertanen gibt, er weithin als zügelloser Menschenfeind und bekannter Zechpreller gilt, wird man doch unmöglich annehmen können, dass ihm unser Sehnen ebenso bedeutungslos wäre wie ihm das Sehnen seiner zahlreichen unrechtmäßig Inhaftierten nach Gerechtigkeit bedeutungslos ist.

      Für sein Schweigen findet sich nur eine logische Erklärung: Graf von Plüsch ist verschwunden!
      Wo also ist Graf von Plüsch?

      Hat ihn der Erdboden verschluckt? Aus neidgetränkter Rache der Welt für den überlegenen, humanistisch geprägten Geist des Grafen, oder dafür dass er sie immer wieder mit Füßen getreten hat?
      Ist Hutzel schuld?
      Oder hat das langsame Entschwinden seiner äußerst geschätzten, schwäbischen Dauerrivalin unseren sensiblen, emotional durchaus instabilen Herrscher in stumme Verzweiflung getrieben. Ist er angesichts dieser obscuren Entwicklung in die selbstgewählte Einsiedlerei geflüchtet, ohne auch nur einen Gedanken an seine pflichtschuldige Verantwortung gegenüber seinen Untertanen, seinen Beratern, seinen Allianzkollegen, den treuen Freunden, ja, ohne einen Gedanken an seine geliebte Prinzessin Madeleine von Schweden zu verwenden?

      Wo ist Graf von Plüsch?

      Hast du ihn gesehen, lieber Tagebuch-Leser?
      Nein?

      Das ist schade.

      Denn viel mehr Erkenntnisse als wir durch unsere eigenen Beobachtungen und Schlussfolgerungen zusammen tragen, lassen sich zur Zeit nicht gewinnen über des Grafen leibliches und seelisches Wohl.
      Niemand weiß etwas.
      Und niemand, der etwas weiß, spricht mit uns.
      Nehmen wir zum Beispiel die wohlgeformte, wenngleich etwas herrische Diplomatieberaterin * des Grafen. Seit sie in den letzten Tagen sukzessive die laufenden Amtsgeschäfte an sich gerissen hat, lenkt sie die Geschicke der Reiche mit eiserner Modelhand. Als hätte es den Grafen und seine weltweit einmalig effektive Misswirtschaft nie gegeben. Selbst die überlebensgroßen Konterfeis und die Spruchbänder ** zur Huldigung des Grafen von Plüsch hat sie mittlerweile abnehmen lassen, aus jedem Klassenzimmer, von jedem Marktplatz, aus jeder Hafeneinfahrt ***.
      Was sind das doch für populistische Manöver dieser tückischen, unweisen, ungerechten und unbescheidenen Diktatorin. Einfach so die Errungenschaften jahrhundertealter, bleierner Grafenherrschaft dem billigen Jubel und den stumpfsinnigen Sympathiebekundungen der Massen zu opfern.
      „Kein Wort“, wagt sie über den Verbleib des Grafen zu verlieren, trotz des weit verbreiteten Bedürfnisses nach Aufklärung. Die schweigende Mehrheit der Untertanen und nicht zuletzt wir Anhängern des Grafen, wir verlangen Weisheit, Gerechtigkeit und Bescheidenheit! Wir verlangen einen Anker des Stillstands in diesen stürmischen Zeiten. Wir wollen endlich wissen wo der Graf ist! Und wir lassen uns weder von der nie zuvor gekannten Lebensfreude bei des Grafen Untertanen beeindrucken noch lassen wir uns von der Erkenntnis einschüchtern, dass die „schweigende Mehrheit“ nur einen verschwindend geringen Teil der Bevölkerung ausmacht!

      Doch von dieser fiesen Tyrannin Heidi, von der wir fortan nur noch als „des Grafen ehemalige Diplomatieberaterin“ sprechen werden, erhalten wir keine Antwort.
      „Die Etablierung von Grundzügen eines halbwegs geregelten Rechtssystems“ hätte angeblich Vorrang „vor der Aufklärung des Verbleibs dieses Stelzbockes da“, schleudert sie uns Grafenfreunden ihre schimpflichen Lästereien entgegen! Uns mitten ins Gesicht!


      Dabei würde es so viele berichtenswerte Begebenheiten geben, von denen uns der werte Graf in seinen eigenen wirren Worten berichten könnte.

      Zum Beispiel wie er zum ersten Mal in seinem kostbaren Leben einen Marathon mitgelaufen war und ihn sogar in Weltrekordzeit gewonnen hatte ****.
      Oder wie er sich vor Kurzem erst eine Beule am Kopf zugezogen hatte nach dem Mittagsschlaf, weil er betrunken aus dem Bett gefallen war.
      Oder wie er gegenwärtig Punkte um Punkte in allen möglichen Herrscher-Bewertungsrankings scheffelt. Wie er nebenbei geschickt seinen Untertanen eine Zukunft voller Glückseligkeit und Wohlstand vorenthielt, indem er unablässig mit dem Ausbau von Lagerhäusern und dem Verkauf „seiner“ hart erarbeiteten Rohstoffe an ihm völlig fremde Tyrannen beschäftigt war.

      Unzählige Begebenheiten würde uns Graf von Plüsch berichten können.
      Und dabei wären die auffälligsten Ereignisse in seinen Reichen noch gar nicht erwähnt.
      Etwa die Auseinandersetzungen mit diesen fiesen Schlägern von Triax, die seinen Untertanen extrem hohe Verluste zufügten, ihnen Niederlage um Niederlage aufzwangen, und die nicht zuletzt dem Grafen von Plüsch seine wohlverdiente, dringend benötigte Ruhe für kreativen Müßiggang einschränkten.
      Seine gräfliche Exzellenz würde uns auch berichtet haben können wie er ganz ohne so simple, höchstens von extrem einfältigen Herrschern genutzten Vorrichtungen wie etwa einer Halde einen Palast auf Stufe 9 erweitert ließ.

      Vermutlich, so wie ich diesen verwegenen Abenteurer, diesen charmanten Schlawiner und notorischen Schwerenöter einschätze, würde uns Graf von Plüsch nicht einmal von diesen auffälligen Leistungen seinerseits berichten. Er würde sie höchstwahrscheinlich einfach unter den Tisch fallen lassen, wie er beispielsweise an dieser Stelle garantiert die fortdauernde Auseinandersetzung mit der „helvetischen Allianz der Schweizer Födi“ unter den Scheffel fallen lassen würde. In beneidenswerter Bescheidenheit. Weil er selbst nichts davon mitgekriegt. Oder weil sein visionärer Blick starr in die Zukunft gerichtet ist, anstatt sich unablässig im Klein-Klein der Gegenwart zu verlieren.

      „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“
      Sein Motto.
      Wie es früher auf vielen der allgegenwärtigen Spruchbänder stand.
      Auf Spruchbändern, die nun nicht mehr voller Weisheit prangen ...

      ....


      P.S.:
      Auch wenn der Verbleib des Grafen aktuell ungeklärt ist, soll an dieser Stelle die Tradition eines weisen Ratschlags für angehende ika-Herrscher fortgeführt werden:



      ------------
      * … Es ist eben niemand perfekt! Selbst Heidi nicht. Trotz ihres mustergültigen Geschäftssinns, ihrer vorbildlichen Befähigung zum Regieren und insbesondere ihrer perfekten Figur.
      Aber wer ohne Fehl’ ist, der werfe den ersten Stein, ihr Besserwisser!

      ** … „Eher hasten Kamele durch Schlüssellöcher, als dass wir Lebensqualität haben noch & nöcher!“
      ***

      **** … Man munkelt er hätte eine Abkürzung gekannt gehabt.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 54. Beitrag

      Teilweise Off-Topic wrote:


      Am 21. November 1811, an einem freundlichen Nachmittag am Ufer des Wannsees, fand Heinrich von Kleist sein tragisches Ende.
      „Heinrich von Wer?“, mag sich manch einer der Leser dieses „Tagebuchs“ von literarisch zweifelhaftem Wert fragen.

      Heinrich von Kleist!

      An dieser Stelle ist es angebracht für einen kurzen Moment die unzähligen Vorkommnisse in den Reichen unseres ebenso geliebten wie verschollenen Grafen von Plüsch ruhen zu lassen um sich etwas ausführlicher diesem von Kleist zuzuwenden.

      Dieser von Kleist, der vor gut 200 Jahren sein (un)rühmliches Ende fand, war Zeit seines Lebens ein Mensch und ein Schriftsteller. Das heißt er hat Bücher geschrieben: Dramen, Novellen, Erzählungen, Anekdoten, usw. Einige von diesen Werken waren überaus erfolgreich. Zum Beispiel das eine Stück mit dem Krug, der kaputt gegangen war und woraufhin dann alle voll aufgeregt waren bis sich dann letztlich, nach allerlei Irrungen und Wirrungen, doch irgendwie alles aufklären sollte. Oder dieses eine andere Werk von diesem Kleist, wo da so ein Mann war, der irgendwas gemacht hatte. Mit Pferden. Und Raubzügen. Und allerlei Unheil. Über Recht und Unrecht. Mit ganz vielen langen Schachtelsätzen, die die reinste Zumutung beim Lesen sind!
      Außerdem hatte dieser von Kleist auch was mit Goethe zu tun.
      Ihn, ebenso wie diesen Goethe, deswegen als Schriftstellerkollegen unseres Grafen von Plüsch zu bezeichnen, würde wohl dennoch zu weit gehen. Schließlich hatte Kleist die Königsdisziplin literarischen Schaffens, nämlich das Verfassen eines ika-Tagebuchs, nachweislich niemals in Angriff genommen.
      „Schriftsteller“ ist eben nicht gleich Schriftsteller.
      Es gibt solche, bei denen man die Gänsefüßchen in der Berufsbezeichnung mitschreiben muss, und es gibt Schriftsteller der Kategorie des Grafen von Plüsch. Schriftsteller, die den Literaturnobelpreis (bisher) nur deshalb nicht bekommen haben dürften, weil der Begriff „Literatur“ für ihr begnadetes Schaffen einfach keine würdige Bezeichnung mehr darstellt (übrigens ebenso wenig wie die Begriffe „Schund“, „Selbstbeweihräucherungen eines selbstgefälligen Egomanen“ oder „Worte, die das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben sind“, als jene Begriffe, die von Kritikern seit dem Verschwinden des Grafen in einer Vielzahl der nicht weiter der allgemeinen Pressezensur unterworfenen Zeitschriften verwendet wurden).

      Doch zurück zu Heinrich von Kleist.
      Der hat den Literaturnobelpreis auch nie bekommen.
      Dafür allerdings wohl den Kleist-Preis . Das wäre zumindest nahe liegend. Nur das zu befürchten ist, er wird mit dem Preisgeld von 20.000 € nicht allzu viel hat anfangen können. Denn bis zum 21. November 1811 gab es noch keinen Euro als gemeinhin akzeptiertes Zahlungsmittel in Mitteleuropa. Und nach dem 21.11.1811 war er bis in die heutige Zeit, wie eingangs schon erwähnt, tot.

      Wäre er damals nicht auf so entsetzliche Weise gestorben, hätte dieser bedeutende Mann erst vorigen Monat seinen 234ten Geburtstag verleben können, es an diesem Tag mit Freunden, seiner Frau und seinen Ur-ur-usw.-Enkeln ordentlich krachen lassen können.
      Doch „Hätte“, „wäre“, „wenn“
      Wer nicht fragt, bleibt dumm.

      Was hätte von Kleist dabei nicht alles vollbringen können, wäre er an jenem trüben Novembernachmittag am Ufer des noch trüberen Wannsees nicht so unglücklich mit der Waffe umgegangen. Würde er doch nur diese unglückselige Neigung zum Sterben niemalsnie verspürt haben. Man mag es sich gar nicht ausmalen.
      Soviele weitere Bücher, die von ihm bis dahin geschrieben worden wären, darunter noch viel mehr Dramen, Novellen, Erzählungen, Anekdoten, usw. Womöglich hätte er sich gar, wenn ihn die Muße ordentlich verführt hätte, an einem ikariam-Tagebuch versucht.
      Er hätte die Eisenbahn erfinden können. Genauso wie das Penicillin. Oder den Rock’n’Roll.
      Sein 234ter Geburtstag im vorangegangenen Oktober. Er. Man stelle sich nur vor, er, im Kreise seiner Lieben mit zittriger Hand und haarlosen Haupt Anekdoten über Goethe erzählend und altersweise über sein Scheitern als ika-Tagebuchschreiber schmunzelnd.

      Man sieht.
      Es ist eine tragische Geschichte, die sich an diesem Tag zum zweihundertsten Mal jährt.


      P.S.:
      Torheit, du regierst die Welt, und dein Sitz ist ein schöner weiblicher Mund!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 55. Beitrag – Graf von Plüsch ist nicht totzukriegen

      Moin liebe Welt ,

      bevor ich, sollte die Zeit reichen, in meinem heutigen Bericht zu den unzähligen betrüblichen wie freudigen Vorkommnissen, den zahlreichen böswilligen Unterstellungen * & zu den sonstigen Belanglosigkeiten, mit denen ich an dieser Stelle so gern glänze, bevor ich also dazu komme, möchte ich folgendes loswerden:

      1.
      Du hast mir ein wenig gefehlt, liebe Welt. Sicherlich nicht annähernd so sehr wie ich dir gefehlt haben mag oder wie mir Ganaths & MadameOs lange Abwesenheit mein empfindsames Herzchen beschweren, sondern eher so ein kleines bißchen halt.

      2.
      [...]
      - [14.03., 23:21] Member 1: blöder koch... soviel zum thema, du willst mal nett sein... ^^
      [...]
      - [20.03., 21:19] Member 1: und du ein blöder koch... ^^
      [...]
      - [23.03., 23:29] Member 1: blöder koch... ^^
      - [23.03., 23:29] Member 1: nein, aber ernsthaft. du hattest gestern recht.
      [...]
      - [02.04., 20:40] Member 1: dann von mir, blöder koch
      [...]
      - [02.04., 22:02] Member 1: blöder koch, und hinterhältiger apo... ^^
      [...]
      - [07.04., 20:13] Member 1: und kalti bärtig und stinkt... hallo blöder koch... ^^
      [...]
      - [09.04., 23:15] Member 1: blöder koch... war ja nur einmal. passiert auch nicht wieder...
      [...]
      - [11.04., 18:08] Member 1: ach blöder koch, kein kabeljau, dafür rotbarsch. war lecker...
      [...]
      - [11.04., 18:47] Member 1: blöder koch... ^^
      [...]

      Dieser „Member 1“, der ungenannt bleiben möchte & bei dem es sich um niemand anderen als um Hutzel ** handelt, dieser "Member 1", der derart unablässig ein verdientes Mitglied seiner eigenen Allianz in aller Öffentlichkeit belästigt & herabwürdigt, dieser Hutzel ist seit einigen Wochen der „Anführer“ genannte Oberzwerg unseres geliebten, für seine Gutmütigkeit allseits bewunderten Schneewittchens.
      Niemand versteht wie es dazu kommen konnte. Offenbar mit subtiler Anwendung von Gewalt & Terror, mit wohlfeilen, schmeichelnden Worten & womöglich ein Stück weit auch weil niemand anderes das Amt haben wollte, hat er das Schneewittchen in seine Gewalt gebracht, hat die wohlgeformte Gestalt mit seinen gierigen Pranken geschnappt.
      Das es soweit kommen konnte …
      Angesichts der unerwarteten Wendungen, die das Schicksal manchmal für einen bereit hält, fehlen doch die Worte.
      Sprachlosigkeit.
      Das arme Schneewittchen. Der bedauernswerte blöde Koch.
      Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Irgendwann wird es wieder aufwärts gehen. Irgendwann wird sich die Gerechtigkeit durch setzen.
      Dem Rumpelstilzchen auf delta hat man schließlich schon aus nichtigeren Gründen ordentlich eins vor den Latz gegeben (>Link <). Und dabei hatte das Rumpelstilzchen auf der Kurzbeschreibung nur angedroht der Königin ihr Kind zu holen. Welch‘ gewaltiger Unterschied zu den ungesühnten, verwerflichen Taten dieses Hutzel-Unholds, der dem naiven Schneewittchen & den vielen lieben Zwergen sowie Cella diesen übeln Staatsstreich gespielt hat. (Vielleicht hätte sich aber auch Rumpelstilzchen ein Vorbild an der Kaltblütigkeit dieses Hutzels nehmen sollen & die Unternehmung nicht immer auf übermorgen verschieben sollen.)

      Sich hoffnungsvoll bis zum nächsten Eintrag verabschiedend,
      grüßt dich, liebe Welt,
      dein Kumpel Graf von Plüsch


      P.S.:
      Yeah!
      Mein Tagebuch ist zurück :freu:

      P.P.S.:
      Die Tradition kluger, hilfreicher Tipps für Anfänger des Herrscherwesens wird natürlich ebenso fortgesetzt:
      Ach, wenn doch heut' schon Freitag gewesen wär'!



      ---------------

      * … Das Kind ist nicht von mir! She's just a girl who claims that I am the one. / But the kid is not my son. / She says I am the one, but the kid is not my son.
      ** … Ja, der Hutzel! Der Hutzel, der mir auch zugestanden hat, diese Auszüge in der hier dargebrachten neutralen, rein der Information dienenden Form zu veröffentlichen.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 56. Beitrag – Graf von Plüsch macht sich Gedanken über das Gedicht von Günther Grass und äußert seine Ansichten zur Lage im Nahen Osten (samt eines Lösungsvorschlags für die verfahrene Situation da unten), doch zuerst bespricht er Hutzels Eintrag in dem Kommentarthread zum gräflichen „Tagebuch“

      Ave Welt

      Dieser Hutzel ist ein gerissener Kerl! Er scheint mehr auf dem Kasten zu haben als man ihm gemeinhin zutraut. Das ist vermutlich so ähnlich wie in dieser Geschichte über das Hühnchen, das nach Feierabend, wenn’s draußen dunkel ist, gern mal einen Korn trinkt.
      Jedenfalls hat dieser Hutzel offenbar Wind davon bekommen, dass ich mir in meinem letzten „Tagebuch“-Eintrag einige Gedanken über seine moralischen Unzulänglichkeiten gemacht hatte. Und das obwohl ich alle erdenklichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte um seine Persönlichkeitsrechte ebenso wie die Persönlichkeitsrechte Kaltmamsels, des beklagenswerten Opfers der Hutzelschen Verunglimpfungen, nicht zu beeinträchtigen, bzw. um mit der Veröffentlichung hochbrisanter Allianzinterna nicht aufzufliegen. Denn ein Anführer, der wüst seine Untergebenen beschimpft & knechtet, das macht nach außen hin einen desaströsen Eindruck, zerstört die bloße Fassade geschauspielerter Allianzharmonie & ersetzt sie durch die schreckliche Wahrheit von Unterdrückung, Korruption * & Machtmissbrauch.

      Was tut also dieser Hutzel daraufhin, nachdem er meine weisen, gerechten & bescheidenen Notizen über die Vorgänge innerhalb unseres Allianzgefüges hier im „Tagebuch“ entdeckt hatte?
      Er versucht zu rechtfertigen, das Nicht-zu-Rechtfertigende.
      Er versucht die Verantwortung für diese üblen Vorfälle auf diejenigen (darunter auch mich) abzuwälzen, die es aus Gruppenzwang, Faulheit & der Hoffnung jemanden die grundsätzliche Schuld an allem Negativen in die Schuhe schieben zu können, mitgetragen hatten, dass er überhaupt zum Anführer hatte werden können.
      Er versucht den Verfasser dieser erschütternden Enthüllung vor den Augen der Welt madig zu machen, indem er unterstellt Graf von Plüsch hätte Dreck am Stecken, würde Hetzparolen gegen ihn verbreiten **, hätte Anlass zu Selbstkritik.
      Ich wäre beinahe aus meinem Bett gefallen, als ich letzteres von einem blöden Untergebenen kurz vor Beginn der Sportschau vorgelesen bekam.
      Anlass zu Selbstkritik! Ich!
      Mein blöder Untergebener hat herzlich dafür büßen müssen, dass er mir eine derart unerfreuliche Botschaft, diese üble Nachrede, überbracht hatte.

      Was lernen wir aber aus dieser gesamten Begebenheit:
      Dieser Hutzel ist nicht nur ein gerissener Kerl, sondern ganz offensichtlich auch jemand, der es gewohnt ist mit harten Bandagen zu kämpfen & sich dabei auch für unlautere Schmutzkampagnen nicht zu schade ist.
      Ganz & gar nicht mein Fall, ein derartiges Vorgehen. Da hätte ich einfach zu viele Skrupel für.

      Liebes Grüßle, liebe Welt,
      dein Graf von Plüsch


      P.S.:
      Morgen ist auch noch ein Tag. Genauso wie übermorgen.
      Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und auch nicht fallen gelassen.
      Soll heißen:
      Für heute ist sie aus die Maus.
      Welt, zieh du die richt’gen Lehren draus.
      Zu Günther Grass und Nahem Osten,
      werd’ ich hier demnächst erst posten.


      P.P.S.:
      Der Tipp für lernwillige Anfänger des Herrschaftswesens erfolgt dagegen auch heute wieder:
      Beschäftige dich nicht mit der Zukunft! Schwelge lieber in der Vergangenheit.
      Das, was die Zukunft bringt, wird so viel aufregender & viel überraschender.



      ---------------
      * … Ich möchte ja nichts unterstellen, aber mein Eindruck, auch wenn ich ihn nicht durch Fakten belegen kann, ist, dass sich unser derzeitiger Anführer von der Rüstungsindustrie bestechen lässt. Was es seit einiger Zeit stets aufs Neue an gewaltigen Rüstungsaktivitäten beim Schneewittchen gibt, das lässt sich m.E. kaum anders als durch die Bestechlichkeit unseres Anführers erklären. Irgendso ein halbseidener Deal. Hutzel lässt dafür sorgen, dass wir unsere Einheiten & Kampfschiffe gegen die HaC verlieren, & er bekommt dafür von dunklen Hintermännern irgendwelche geldwerten Vorteile. Anders kann es gar nicht sein!
      ** … Welt, du fragst mich, ob ich gegenüber Hutzel Neid empfinde, weil er am letzten Wochenende u.a. Ganath, Silent & die amtierende Weinprinzessin des Rheingaus persönlich beim ika-Stammtisch begegnen konnte? – Nein! Das hat damit gar nichts zu tun!


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      ― Taylor Swift ―


    • 57. Beitrag – Gedichtecontest 2012

      Hallo Welt

      ist es nicht ein grausamer Zustand, in dem wir sterblichen Geschöpfe unser Dasein fristen? Tag für Tag. Woche für Woche. Betrachten wir zur Abwechslung für einen Augenblick einfach mal meine Person: Nicht nur, dass ich unter einem schweren chronischen Hutzel zu leiden habe, und das meine Untertanen, Angestellten & Herrscherkollegen mir nie den Respekt, die Wertschätzung & die Unterwürfigkeit entgegenbringen, die ich schon allein angesichts meiner glorreich-bescheidenen Existenz verdiene, nein, dazu kommt seit neuestem noch, dass ich den diesjährigen Gedichtecontest bei ikariam verpennt habe. Man hat mir nicht Bescheid gegeben. Niemand hat mir Bescheid gegeben. Niemand!
      Jetzt ist es natürlich zu spät. Der Einsendeschluß ist längst abgelaufen. Sogar das Ergebnis steht mittlerweile schon fest. Das sind zweifelsohne nicht die besten Voraussetzungen für mich um den Contest noch gewinnen zu können.
      Ich möchte es dennoch nicht unversucht lassen:

      Es war einmal ein Regenwurm,
      der sich traurig oft durchs Erdreich wand,
      und zwischen Graben und Wurmen fand,
      wie toll und aufregend es wär‘ ein Ritter zu sein.
      Ein Wunsch, zweifellos, etwas abseits der Nurm.

      Es war einmal ein Regenwurm,
      der träumte davon gegen Pandas zu ringen,
      Burgfräulein zu retten, Schwerter zu schwingen,
      und in glänzender Rüstung um Damen zu frei’n.
      Der träumte von einem Leben ganz unkonfurm.

      Es war einmal ein Regenwurm,
      der armlos nie ein Schwert würd‘ halten,
      der kriechend nie könnt‘ einen Kampf gestalten,
      für den es galt zu wurmen und zufrieden zu sein.
      Der einfach weitergrub wie jeder and’re Regenwurm.
      P.S.
      Stärke


      Wie du sicher erkennst, liebe Welt, hatte ich mir das Paket Panda ausgesucht.
      Der nächste Schritt wäre es, das Ergebnis des Contests anzufechten, den Panda & seine Jury-Crew von einer Klagewelle überrollen zu lassen.
      Meine Anwälte raten mir jedoch seit Tagen dringend von diesem Vorhaben ab. Sie meinen die Erfolgsaussicht würde bei Null liegen, nicht zuletzt weil der Contestpräsidenten-Panda gleichzeitig auch der Richter-Panda ist, der über meine Klagen das Urteil fällen würde.
      Das riecht also nach Arschkarte. Für mich.
      Weil mir niemand Bescheid gesagt hatte. Weil mir einfach niemand Bescheid gesagt hatte.

      Ich bin enttäuscht.
      Und ängstlich.

      Der Hüttellark , liebe Welt.
      Der Hüttellark.
      Mir geht seit einiger Zeit der Hüttellark nicht mehr aus dem Kopf.
      Der Hüttellark, der gnarzig schnurft, und der es besonders auf Herr & König abgesehen hat, sie gar zwunters rar packt.
      So einer macht doch auch vor Grafen nicht halt. Gerade vor Grafen nicht!

      Du weißt nicht was oder wer der Hüttellark ist, liebe Welt?
      Ich auch nicht.
      Niemand weiß das!
      Das ist ja gerade das perfide daran, du dumme Welt!
      Ein Gegner, den man kennt, der ist nicht halb so furchteinflößend wie die unbekannte Gefahr. So ein Hüttellark, der kann überall & nirgends sein. Der kann sich unter dem Bett verstecken, in der Tüte mit Kartoffelchips oder im Schrank hinter den schweren gold’nen, von mir nie benutzten Trainingsanzügen (die ich grundsätzlich nicht trage, weil ich mit dem Konzept des Trainings & des Schwitzens etwas auf Kriegsfuß stehe). Der Hüttellark kann gleich hinter der nächsten „Mandarinenmensch“-Installation * eines namhaften Künstlers ** hervorspringen, wenn man allein oder mit anderen zusammen durch seine gewaltige Sammlung nichtssagender, aber hübsch anzuschauender moderner Kunst schlendert. Oder er regnet einfach in Tröpfchenform vom Himmel herunter.
      Man weiß es nicht, Welt. Überall & nirgends. Bedrohlich & unsichtbar.
      Man weiß erst dann genaueres wenn’s zu spät ist, wenn er sich gnarzig an einen angeschnurft hat & einen zwunters rar packt.
      Eine schauerliche Vorstellung.

      Dieser Hüttellark.

      Grüßle liebe Welt,
      dein Graf von Plüsch


      P.S.:
      Trotz allem, den Tipp für diese Woche möchte ich dir nicht vorenthalten:
      Zum Winkel traf der Bratstorch ein,
      tripp-trappte troff bei Winkelschein,
      trapp-trippte um den Tropenstein,
      bis Grünstich turffte sein Mutterbein.



      ---------------
      * …Wie der Titel der Installation schon nahe legt, handelt es sich bei dem Objekt um die aus Dosenmandarinen geformte Statur eines riesenhaften Menschen. Was der Künstler damit ausdrücken wollte: keine Ahnung. Aber der Galerist meinte, Kunst aus Dosenmandarinen wäre das nächste große Ding. Ich habe gleich ein Dutzend von den Dingern gekauft! Dass sich der Hüttellark tatsächlich hinter dieser Installation verstecken würde um mir aufzulauern, glaube ich allerdings nicht. Das Objekt stinkt bestialisch die ganze Bude aus. Aber man weiß ja nie. Vor allem nicht bei einem Hüttellark.
      ** … Leider habe ich den Namen des Künstlers vergessen. Darin, mir Namen zu merken, bin ich nicht ganz so gut. Das ist m.E. aber auch verständlich. Schließlich hat man als Herrscher wichtigeres zu tun als sich Namen von namhaften Künstlern, Kollegen, Dienern, Eltern oder MadameObscures zu merken. Ich trage immerhin eine immense Verantwortung für das große Ganze, verdammt!


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      ― Taylor Swift ―

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    • 58. Beitrag

      Hallo liebe Welt

      ... manchmal.
      Manchmal, da fehlen einem echt die Worte ...

      ... :knirsch: ...



      Grüßle,
      dein Graf von Plüsch


      P.S.:
      Reden ist Silber,
      Schweigen ist Gold.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

    • 59. Eintrag
      Der Redaktionspraktikant – Studien in Scharlachrosa

      Zwischen dem 16tem und dem 18ten November diesen Jahres suchte eine drollige Vereinigung von Zwerginnen und Zwergen zu einer ihrer unregelmäßigen Zusammenkünfte die deutsche Hauptstadt heim. Trotz aktueller Zeitungskrise nahm auch der Redaktionspraktikant des zeta-Journals undercover an diesem Meeting teil.
      Dies ist Teil 1 seines erschütternden Berichts.

      Die Frage drängt sich sofort zu Beginn auf: Worin besteht das öffentliche Interesse an einem Schneewittchen-Treffen? Warum habe ich diese mühselige Reise auf mich genommen um darüber berichten zu können?

      Ein Blick zurück hilft bei Beantwortung der Frage. Dreimal hatte sich das Schneewittchen mitsamt seiner Zwerge aufgemacht einer Region Deutschlands die Aufwartung zu machen. Saarland, Darmstadt und Dresden hießen die Örtlichkeiten bisher.
      Überall hinterließen sie verbrannte Erde und ein furchtsames Schaudern der Einheimischen sobald der Name „Schneewittchen“ auch nur genannt wird. Die Exzesse dieser Treffen sind Legende, überliefert nur vom Hörensagen, aufgeblähte Schauergeschichten, mit deren Hilfe es noch immer gelingt aufmüpfige Kinder unter die Sicherheit der Bettdecke und zu einer stillen Nachtruhe zu zwingen. Sogar Kannibalismus, die rituelle Opferung eines rosa Zwerges, der sich lediglich durch seinen Liebreiz und sein hasenhaftes Äußeres von den Mitzwergen unterschied, stand vor dem anstehenden Berliner Treffen als Tagesordnungspunkt auf dem Programm. Grausame, widerliche Vorhaben, von denen doch eine gewisse Faszination ausgeht. Doch Genaueres, gesicherte Erkenntnisse, Fakten oder objektive Berichterstattungen gar, sind rar.
      Versuchte man auf dem gewohnten journalistischen Wege nachzuhaken und zu recherchieren, stieß man sofort auf eine Mauer des Schweigens und der Verweigerung. „What happens in Dresden, stays in Dresden“, lautete nur eine der vielen unumwundenen Abblockbemühungen. Zaghaften Bitten um mehr Transparenz wurden mit Verweis auf unterschriebene DSEs zurück gewiesen, wenn sich überhaupt jemand die Mühe einer Antwort machte, die nicht aus dem Zeigen des gestreckten Mittelfingers oder einem abschätzigem Lachen bestand.
      Für einen einfachen Redaktionspraktikanten wie mich gab es kein Durchkommen. Keine Chance. Dass ich dennoch in den Besitz der sagenumwobenen „DSE“, dem offiziellen Titel nach eine „Einverständnis- und Verzichtserklärung“, gekommen bin, grenzt an ein Wunder.
      Beim gelangweilten Durchschauen des immensen Stapels unbeachteter Leserzuschriften, auf der Suche nach neuen Schmierzetteln für belanglose Kritzeleien, fand ich den Brief unbekannten Absenders, der diesen Schatz enthielt. Ich mag mir gar nicht vorzustellen welche Wirkung dieses Dokument gehabt hätte, wäre es nicht erst Monate nach dem letzten Treffen dieser Schneewittchen-Gang wie aus dem Nichts aufgetaucht. Aber so ist das nun mal. Eine großartige Gelegenheit verpasst, lediglich aufgrund unglücklicher Umstände. Ein grausamer Streich des Schicksals, der einmal mehr aufzeigt wie banale, winzig kleine Zufälle den Lauf der Welt entscheidender beeinflussen als alles Mühen unsereins. Wir alle sollten daraus die Lehre ziehen uns zukünftig einfach weniger anzustrengen und zu mühen. Das bringt einfach nichts. Aber ich möchte Ihnen, werte Leser, nicht vorschreiben wie Sie zu leben haben. Die Entscheidung obliegt einzig und allein Ihnen. Sie sind ja auch alt genug zu wählen ob Sie ihr Leben schlichtweg falsch leben oder ob Sie so leben wie ich es empfehle.

      Betreffende Einverständnis- und Verzichtserklärung möchte ich Ihnen, wenn auch verspätet, nicht vorenthalten:
      DSE-Part 1:


      DSE-Part 2:


      Vor dem Berlin-Treffen machten zusätzlich Putschgerüchte die Runde, ein Hinweis auf mögliche Zwietracht unter den Zwergen, mit unabsehbaren Folgen für den Ablauf des Schneewittchen-Treffens.
      Einer der Zwerge hatte es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt den informellen Charakter, die Zwanglosigkeit des Treffens für seine dunklen Zwecke zu nutzen und die innere Ordnung der Gemeinschaft auf den Kopf zu stellen. „Kalif anstelle des Kalifen zu werden“, so hatte es angeblich bereits seit einigen Nächte vor dem Treffen fortdauernd leise, aber energisch durch die düsteren Hallen der Zwergengemeinschaft gehallt.
      Ein Gerücht bloß, zweifellos, doch war es praktisch allen Zwergen einfach zuzutrauen auf eine derart niedere Weise die stabilen, bewährten Verhältnisse innerhalb der Gemeinschaft bloß des eigenen Vorteils wegen über den Haufen zu werfen, als dass man dieses Gerücht auf die leichte Schulter hätte nehmen können. Ich hegte bereits einige Verdächtigungen wer denn hinter dieser Verschwörung stehen könnte. Da letztlich jedoch weder Boros, die selbsternannte graue Eminenz, noch Bina in Berlin erscheinen sollten, konzentrierte sich mein Anfangsverdacht schließlich vor allem auf Nine, der ich ihr zur Schau gestelltes Desinteresse an einer Führungsposition einfach nicht abnahm. Ein folgenschwerer Irrtum meinerseits war dieser Anfangsverdacht, wie sich später herausstellen sollte. Die Gefahr kam aus gänzlich anderer Richtung.

      Weitere Brisanz erhielt der Termin abschließend noch durch die Anwesenheit zahlreicher Teamler. Wie wir alle wissen, sind diese Teamler stets gut informiert, eine privilegierte Klasse, von der man durchaus annehmen kann muss, dass sie stets mehr wissen als sie sagen.
      Mit einigen wohlbedachten Komplimenten, einer gespielten Aufrichtigkeit und zur Schau gestellter Sympathie erwartete ich, sie zum Reden zu bewegen. An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, doch ich weiß mittlerweile von Dingen und bevorstehenden Entwicklungen, die so manchem Leser schlaflose Nächte bereiten werden, sobald sie offiziell angekündigt werden (bzw. wenn sie, da als „minor adjustments“ klassifiziert, einfach so aufgespielt werden). Möchte zum Beispiel jemand wissen, welche Gebäude „demnächst“ kommen werden, und wie sie sich voraussichtlich auf das Spielgeschehen auswirken? Denjenigen, die hier „ja“ antworten, kann ich nur raten dranzubleiben, und sage vorerst nur „Wasserturm“.
      Nicht nur in der Hinsicht das Geheimwissen der beteiligten Teamler anzuzapfen, war meine unauffällige undercover-Teilnahme an dem Berliner Treffen ein voller Erfolg.
      Grundsätzlich mag man zu den Teamlern ja stehen wie man möchte. Ich zum Beispiel mag sie, nicht zuletzt da einer von ihnen die erste Zensurbehörde meines „Tagebuchs“ darstellt und ich mir deswegen sein Wohlverhalten sichern muss. Einige Teamlerinnen, von den teilnehmenden Teamlerinnen sogar alle, besitzen ferner physische Reize, die es einem, d.h. mir, unmöglich machen objektiv zu urteilen oder sie gar, sinnbildlich, in die Pfanne zu hauen. Das mag man mir als Interessenkonflikt auslegen, der meinem Aufklärungs- und Offenlegungsgedanken entgegen steht, doch jeder Leser, der so spricht, hat eben noch neben keiner dieser Teamlerinnen gesessen, ihnen in die Augen geschaut („Augen, die wie Sterne funkeln!“) und heimlich unentwegt an ihnen geschnuppert (der Duft herb-fruchtiger Autorität!). Außerdem, da es ja auch nicht-weibliche Teamler gibt und einige dieser nicht-weiblichen Teamler auch da waren, bleibt noch genug Raum für Kritik, für objektive Verrisse des Teamler-Wirkens und für sinnbildliches In-die-Pfanne-hauen.

      Die Frage nach dem öffentlichen Interesse an einem Schneewittchen-Treffen beantwortet sich angesichts dieser Ausgangssituation eigentlich von selber, und ich begriff es als meine Pflicht dieses Meeting als unauffälliger Beobachter zu begleiten und der Welt die wild-enthemmten, teils gar grausigen Begebenheiten mitzuteilen, ganz im Sinne allseits geforderter Transparenz und entsprechend meiner Rolle als Vierter Gewalt in unserer Gesellschaft.


      ... to be continued ...


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

    • 60. Eintrag
      Der Redaktionspraktikant – Studien in Scharlachrosa

      Zwischen dem 16tem und dem 18ten November diesen Jahres suchte eine drollige Vereinigung von Zwerginnen und Zwergen zu einer ihrer unregelmäßigen Zusammenkünfte die deutsche Hauptstadt heim. Trotz aktueller Zeitungskrise nahm auch der Redaktionspraktikant des zeta-Journals undercover an diesem Meeting teil.
      Dies ist Teil 2 seines erschütternden Berichts.

      Ohne allzu viel meiner kostbaren Zeit mit Planung und Vorbereitung zu verplempern, hatte ich meine Reisetasche gepackt, dabei selbst Zahnbürste, Duschzeug, saubere Unterwäsche sowie mein glücksbringendes Paar Ganath-Socken nicht vergessen, und mich auf den Weg in Richtung Berlin begeben. Wir schrieben Freitag, den 16ten November anno domini. Es war ein ruhiger Tag gewesen, etwas sonnig, etwas nebelig. „Die Ruhe vor dem Sturm“, hatte ich bei mir überlegt, und war froh darüber im vornherein nicht viel geplant zu haben. Als angehender Jungjournalist, der sich undercover seine ersten Sporen verdient, sollte man es sich zum Einen nicht zu einfach machen, und sich zum Anderen ja eh’ nicht mühen (siehe oben). Außerdem hatte ich ja meine Ganath-Socken dabei. Was würde da schon schief gehen können.
      Die Fahrt verlief unspektakulär. Zwar rettete ich am Bahnhof Leipzig eine übermütige Katze von einer Starkstromleitung, belehrte das dankbare Zugpersonal über ihre Arbeitnehmerrechte, und eröffnete einigen Mitreisende den Sinn des Lebens, doch in einem Bericht über das Schneewittchen-Treffen hat eine Erzählung derartiger Heldentaten nichts zu suchen. Das gehört hier einfach nicht hin. So ein Journalist, der es nötig hat sich aufzuplustern und zu profilieren, bin ich nämlich nicht. Sorry, folks, nicht mein Ding.

      Berlin, Hauptbahnhof (tief). Da war ich also.
      Ich trat nach draußen um noch etwas frische Luft zu schnappen. Es war längst dunkel. Der Stadt stand die Dunkelheit jedoch gut zu Gesicht. Wenn es dunkel war, konnte Berlin wirklich ansprechend aussehen, … solange die Straßenbeleuchtung noch nicht hochgefahren ist. Ich nahm einen tiefen Zug Berliner Luft, hustete, und entschloss mich fortan nur noch durch die Nase zu atmen.
      In wenigen Minuten würde mein undercover-Einsatz beginnen. Ich würde mir keine Fehler erlauben dürfen, würde unbedingt in meiner Rolle als Mitzwerg, als Zwerg unter Zwergen, aufgehen müssen. Was für ein Abenteuer, junge, junge!
      Ich machte mich in die Spur.

      Wie ich den Bahnhof von außen betrat, fiel mir sofort eine überwiegend in unauffälligem Dunkel gekleidete auffällige Gruppe zwielichtiger Gestalten ins Auge, die am Eingangsbereich des Bahnhofs herumlungerten. Jackpot. Das mussten sie sein.
      Sie hatten mich nicht bemerkt, und so nutzte ich Gelegenheit um mir beim genüsslichen Wegpaffen meiner letzten Zigarette einen ersten Eindruck über diese kleine Gemeinschaft zu verschaffen.
      Einigen der Gesellen sah man sofort an, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Allein die Physiognomie von Hutzel und Cella machte sie, und damit die ganze Gruppe, als Zwerge kenntlich. Doch die Mehrheit erinnerte nicht im Geringsten an Zwerge. Einige waren sogar Frauen. Wunderschöne Frauen. Holla. Wie ging das zusammen? Und ich wusste sofort: hier ist was Großes im Busch, worüber die Öffentlichkeit unbedingt informiert werden muss.

      Die Zwerge warteten, zunehmend ungeduldig, und ich fragte mich, was sie dazu veranlasste. Welche Absichten verbargen sich in diesem Verhalten?
      Mein Telefon klingelte.
      Wo ich denn bliebe, wollte eine Chimi wissen, es hatte doch gehießen ich würde zu dieser Zeit am Bahnhof eintreffen.
      Ja, ich bin noch im Zug. Ein paar Minuten Verspätung“, log ich die Anruferin an, während mir der Gedanke durch den Kopf ging, dass „Chimi“ nicht nur ein wunderhübscher Name war sondern auch gut zu einem Zwerg passen würde. Zwerg Chimi. Welchen besseren Namen könnte ein Zwerg sein Eigen nennen?
      Ich bin gleich da, … der Zug halt, blöde Bahn, … ist immer so“, log ich ungeachtet meiner Überlegungen weiter, bis das Telefonat mit einem ehrlichen „Bis gleich“ und einem ebenso ehrlichen „Ich freu mich schon“ beendet wurde.
      Ich hatte investigativ herausgefunden worauf das Grüppchen wartete, konnte sie gleichzeitig aber nicht von ihrer Warterei erlösen. Schließlich gingen sie davon aus, dass ich noch im Zug sei.
      Ich ging ein belegtes Brötchen essen, beantwortete einen weiteren Anruf, die Minuten vergingen. Schließlich schlich ich mich unauffällig an die Gruppe an und stellte mich zu ihnen. Ich gedachte, sie noch ein wenig zu belauschen und so ihren vielen düsteren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Doch sie bemerkten mich rasch. Ich hatte es vermasselt, und mir blieb fortan nur Plan B um sie auszuhorchen: Ich würde sie betrunken machen müssen.


      ... to be continued ...


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    • 61. Beitrag

      „Busen“, dachte Graf von Plüsch plötzlich.
      „Busen.“
      Nachdenklich biss er in eine der beiden Birnen, die er gerade aus der Obstschale genommen hatte. Er wusste selbst nicht wie ihm der plötzliche Gedanke gekommen war. Aber manchmal hatte er einfach diese spontanen Eingebungen, die er selbst „Geistesblitze“ nannte. Sie hatten ihn schon befallen als er noch ganz klein war, ein Gräfchen. Dunkel erinnerte er sich an den ersten derartigen Vorfall: Graf von Plüsch, ein kleiner Steppke von höchstens neun Jahren, stand aufgrund seiner hervorragenden Lernleistungen kurz davor endlich den Kindergarten zugunsten eines langsam sprechenden Privatlehrers verlassen zu können, als er ohne triftigen Anlass, mitten in der Kindervorstellung von „König Ödipus“ seiner eigenen Mutter anzügliche „Komplimente“ über deren wohlgeformte Proportionen machte.
      Mit der Zeit wiederholten sich die gräflichen „Geistesblitze“, ob er nun eines Tages befahl man solle alle Kolossos-Wunder, die in den Städten seines Reiches standen, abreißen um an ihrer Stelle weiträumige Lusttempel zu Ehren irgendeiner erstbesten Fruchtbarkeitsgöttin zu errichten, oder ob er im kulturellen Rahmenprogramm seiner offiziellen Staatsempfänge den von ihm als Programmpunkt festgelegten Lesungen aus schulischen Aufklärungsbüchern mit gespitzten Ohren staunend lauschte, oder ob er aus einer hippeligen Stimmung heraus Anstalten machte die Militärparade im Adamskostüm abzunehmen.
      Gemeinhin bekannt, war gleichermaßen das reflexhafte Kichern, sobald in des Grafen Anwesenheit Worte wie „Titicacasee“, „Banane“, „Kiste“, „Elefantenrüssel“ oder Namen wie „Uschi“ und „Aristoteles“ * genannt wurden.
      Selbst bei wichtigen Gipfelkonferenzen mit seinen Allianzvorsitzenden weiblichen Geschlechtes in den Gamma- und Zeta-Quadranten kam es mitunter zu diesen Vorfällen. Legendär sind bereits die unzähligen offiziellen Verlautbarungen, Strategiepapiere, Powerpoint-Präsentationen und Tischoberflächen, die von ihm während dieser Allianzbesprechungen mit zahlreichen anatomischen Studien ineinander verschlungener Körper und schwülstiger „erotischer“ Lyrik vollgemalt wurden.

      „Das waren noch Zeiten“, murmelte Graf von Plüsch beiläufig vor sich hin, während der weitaus größere Teil seiner Aufmerksamkeit noch immer dem zuvor so plötzlich aufgekommenen Gedanken nachhing, und er zu ergründen versuchte, welche wichtige Botschaft ihm sein Unterbewusstsein auf verschlungenem Pfade mitzuteilen versuchte.
      „Busen“, dachte Graf von Plüsch.

      Es war Graf von Plüsch nicht besonders glücklich ergangen in den letzten Monaten, so dass ihm die kleinen Annehmlichkeiten regelmäßiger, stets unbefriedigter Lüsternheit durchaus zuzustehen waren.
      Graf von Plüsch hatte wirklich eine schreckliche Zeit hinter sich. Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Nachdem er es auf verschlungenen, intrigenreichen Pfaden wieder geschafft hatte seine Untertanten zurück unter die gräfliche Knechtschaft zu bringen, er sie fortan noch rücksichtsloser besteuerte, vernachlässigte und triezte, und er mit der Gesamtsituation eigentlich recht zufrieden war, da stand eines Tages unerwartet eine kleine, wütende Gruppe seiner Untertanen auf dem Marktplatz seiner Hauptstadt. Gekleidet in Kapuzenpullis und dunkle Umhänge reckten sie ihre Fäuste in Richtung seines nahe gelegenen Palastes und riefen in völliger Verzweiflung wüste Beschimpfungen gegen den Tyrannen und Diktator, den sie unbedingt am Galgen hängen oder unter der Guillotine liegen sehen wollten.
      Graf von Plüsch hörte die Demonstranten während eines kurzen Spaziergangs durch den gräflichen Park. Ihm war vor einigen Tagen von ärztlicher Seite mehr körperliche Bewegung empfohlen worden, und der Graf zeigte sich bereit der Empfehlung nachzukommen. In seiner Sänfte liegend, in der er sich durch die frische Herbstluft spazieren ließ, hatte er gerade ein weiteres Mal große Teile des Staatshaushalts bei online-Pferdewetten verloren. Das würde wieder Ärger mit seinen Beratern und vor allem seinem Staatsschuldenberater Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer geben. Höchst ärgerlich. Er grummelte. Immer diese nervigen Auseinandersetzungen, da hatte Graf von Plüsch manchmal echt keine Lust mehr drauf. Konnten die ihn nicht einfach mal machen lassen? Er würde doch sehr wohl selbst entscheiden können was gut und richtig für ihn und für sein Reich war. Er war doch kein Kind mehr, das man immer bevormunden musste. Unfair war das alles! Graf von Plüsch grummelte erneut. Nach seinem Misserfolg, und der resultierenden miesen Stimmung, durstete es ihn jetzt nach Wein und Ablenkung.
      Die wütenden Schreie vom Marktplatz her erreichten ihn somit in einer höchst ungünstigen Gemütsverfassung aus Weltschmerz, Enttäuschung und dem Widerstreben gegen den herkömmlichen Lauf der Welt. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Auch er hatte ja was gegen fiese Tyrannen und Diktatoren. Für einen verantwortungsbewussten Herrscher, wie er es war, war es schlicht unvorstellbar wie manche Herrscher es fertig brachten die eigenen Untertanen zu tyrannisieren und zu diktatorisieren.
      Sofort war ihm klar, was er zu tun hatte: Er würde sich mit den Demonstranten solidarisieren! Gemeinsam würden sie für eine bessere Welt kämpfen, eine Welt in der man nicht jedes Mal aufs Neue wegen dummer Gäule bei online-Pferdewetten verlor, in der man von den eigenen Ärzten nicht diese unnütze körperliche Ertüchtigung verordnet bekam, in der die Untertanen fremder Herrscher nicht von ebenjenen tyrannisiert und voller herrschaftlicher Gleichgültigkeit gedemütigt wurden. Ja, er und die Demonstranten, da war sich Graf von Plüsch gewiss, sie teilten die Vision einer neuen, einer besseren Welt.
      Mit entschlossenen Peitschenhieben veranlasste er die Träger seiner schwer gepanzerten Luxus-Sänfte ihn schnurstracks zurück zum Palast zu bringen.

      Auf der Schwelle seines Palastes erwartete ihn bereits die zu allem entschlossene Führungsriege der gräflichen Sicherheitskräfte, angesichts der Untertanen-Provokation mit schaudernden Blicken die abscheulichen Befehle des Grafen erwartend.
      Graf von Plüsch jedoch ließ sie kommentarlos stehen, während er in seiner Sänfte die Stufen zur gräflichen Terrasse hinauf eilte. Nur kurz unterbrach er seine Hast um einer spontanen Eingebung folgend anzuordnen, einen Laufburschen, dessen dienstbeflissener, streberhafter Anblick ihm nicht zusagte, auf unbestimmte Zeit in den Kerker zu werfen.

      Angekommen, sprang er sofort aus seiner Sänfte und kletterte auf den Terrassensims. Er schrie und gröhlte den Demonstranten auf dem fernen Markt seine Zustimmung zu, streckte die Fäuste bis er endgültig in völliger Ekstase aufging. Dem Gedanken nachhängend seine aufrichtigen Untertanen in ihrem Kampf gegen Diktatoren und Tyrannen materiell zu unterstützen, schmiss er ihnen zuerst Goldstücke entgegen, später auch Wein, Schwefel, Kristallglas und Marmor. In Ermangelung weiterer materieller Zuwendungen seitens seiner anwesenden, nervös schwitzenden Berater, die ihn zu beruhigen versuchten, verschenkte Graf von Plüsch schließlich Terrassenmöbel, Terrassenschmuck, Blumenkübel und sogar einen klein gewachsenen, schmächtigen Sekretär seines Beraterstabes, also alles was er in seiner unmittelbaren Umgebung zu Fassen bekam, indem er sie mit nie gesehener Ausdauer und Entschlossenheit über die Brüstung hebelte.
      Alles landete nur wenige Meter vor der Terrassenbrüstung im Palastgarten, zerdrückte dort mühsam gepflegte Sträucher und zerstörte den von den Kleinkindern seiner Dienerschaft so sorgsam gehegten Gemüsegarten, dessen Bearbeitung oftmals die einzige Freude im harten Alltag der Kleinen dargestellt hatte.

      Auf die Demonstranten wirkt das Toben des Grafen aus der Ferne als Provokation ungeahnten Ausmaßes. Angestachelt vom derart gezeigten gräflichen Hohn wiederholte sich das revolutionäre Schauspiel fortan täglich, mit stets steigender Teilnehmerzahl. Bald war die ganze Stadt auf den Beinen, ihre alltägliche humanitäre Not in den Gefühlen der Wut vorübergehend vergessend.
      Auch Graf von Plüsch zeigte sich zunehmend begeistert vom Eifer seiner Untertanen. Ein Stück weit war er jedes Mal stolz auf sich und sein herrschaftliches Wirken, wenn er den Demonstranten mit seiner dicken kubanischen Zigarre im Mund und der teuren, bereits halb geleerten Champagnerflasche in der Hand aufmunternde Parolen zurief, und die Demonstrierenden mit gereckten Fäusten im wütenden Chor darauf reagierten. „Nieder mit dem Tyrannen!“, „Tod dem Menschenschinder!“, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit statt Unterdrückung“, hallte es zuerst über den Marktplatz, später in Seitenstrassen und Nebengassen und schließlich durch die gesamte Hauptstadt.
      ... Fortsetzung folgt :)

      P.S.:
      Der Tipp, mal wieder:


      ---------------
      * … Was des Grafen veranlasste, wirklich jedes Mal wenn er „Aristoteles“ hörte, in das peinliche Kichern zu verfallen, blieb trotz aller Neugier seiner Berater ein Rätsel. Die beste Erklärung, auf die man sich einigte, war dass Graf von Plüsch den Namen schlicht mit etwas anderem verwechselte.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 62. Beitrag

      Fortsetzung ...
      Noch am letzten Abend seiner Regierungszeit ging Graf von Plüsch völlig zufrieden mit sich und der Welt in sein Schlafgemach. Gerade hatte er seine letzte Rede als amtierender Graf beendet, und er hielt sie für einen vollen Erfolg. Die Menge auf dem Marktplatz hatte bei jedem seiner Worte getobt. Dabei hatte er vor Beginn seines stundenlangen Monologs *, den er ohne vorbereitetes Skript gehalten hatte, durchaus Zweifel gehabt, ob ihn seine Untertanen über die weite Distanz von Marktplatz und Herrscherterrasse überhaupt akustisch verstehen würden. Doch ihre begeisterte Reaktion aus Pfiffen, Steinewerfen ** und dem Verbrennen von königlich gekleideten, gekrönten Strohpuppen hatte ihm aufgezeigt, dass sie ihn verstanden, dass sie und er eins waren.
      Seine Untertanen hatten, wie er selbst, das Herz eindeutig am rechten Fleck, konnten zwischen „richtig“ und „falsch“ unterscheiden, und ließen nicht nur Worte sprechen, sondern nahmen Opfer und Entbehrungen auf sich, um der ganzen Welt ihre Solidarität mit allen jenen zu zeigen, die nicht wie sie das Glück hatten in Lande Graf von Plüschs leben zu dürfen. Es verwunderte Graf von Plüsch kaum, dass diese Gefühle tief in seinen Untertanen verwurzelt waren, schließlich besaßen sie mit ihm an der Spitze eine Figur, die ihnen all’ diese Werte jeden Tag aufs Neue vorlebte.
      Nach seinem abschließenden Nachtmahl, dem Zähneputzen, dem Zubettgehen, sowie dem abschließenden Umtrunk des gewohnten halben Liters Rum fiel er in den gewohnten Tiefschlaf. Unablässig sabbernd gab er sich seinen lüsternen, teils offen perversen Träumen hin. Bis er plötzlich unter wildem Getöse aus seinem Bett geworfen wurde.
      ... Fortsetzung folgt :)
      ... die Frage ist nur "wann" ... :rolleyes:

      P.S.:
      Ein weiterer Tipp:
      Kein Ratschlag, das ist oft besser als ein schlechter Ratschlag!


      ---------------
      * … Es handelte sich bei dieser gräflichen Rede überwiegend um einen langwierigen, unzusammenhängenden, teils gar genuschelten Monolog über die Unzulässigkeit von Willkür und diktatorischen Systemen (beides absolute no-go’s, nicht zu rechtfertigen; mit ihm wäre so was nicht zu machen), über zahlreichen Verbesserungen der Lebensbedingungen seiner Untertanen in letzter Zeit (ein neuer Tennisplatz und eine hübsche neue Yacht für Graf von Plüsch), die aktuelle Militärreform (die bevorstehende Einbürgerung des tapferen Galliers Gerard Depardieu, der als Kind in den Zaubertrank gefallen war), sowie erste Grundzüge einer weitreichenden Bildungsreform (des Grafen Lieblings-Theaterserie „Hannah Montana“ thematisiert Geschichten direkt aus dem Teenager-Alltag und ersetzt deswegen Mathematik im schulischen Lehrplan). Er berichtete von den neuen Trends der diesjährigen Sommermode (Trendfarben blau und ocker, Leggins im Leopardenmuster für Männer der nächste Schrei), schätzte den literarischen Wert von Homers Ilias ein (äußerst gering, kurzlebiges Zeitphänomen, niemand wäre so blöd auf ein Holzpferd reinzufallen), und äußerte allerlei spontane Mutmaßungen zu Vorkommnissen der Zeitgeschichte (Prinz William würde seine Glatze noch knapp vor Hutzel und Kaltmamsel kriegen, diese eine Gani sei schon ein heißes Gerät, usw.).
      ** … Graf von Plüsch erlag in der Bewertung des Steinewerfens, das muss an dieser Stelle gesagt werden, einem seiner seltenen Fehlurteile. Worin auch immer sein Urteil begründet lag, er deutete das Krach verursachende Werfen von Steinen wie auch das Werfen von Dingen und Gegenständen im Allgemeinen als einen Ausdruck der Freude und der Zustimmung, ähnlich dem Abbrennen von Schwarzpulver bei einem Feuerwerk oder dem Abgeben von Freudenschüssen.


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    • 63. Beitrag – Offener Brief des Grafen von Plüsch an Prinzessin Madeleine von Schweden


      Hallo Prinzessin Madeleine,
      lieber Schatz in spe,
      werter Schwedenhappen,

      lange habe ich gezögert Dir, du wunderbarste aller unverheirateten schwedischen Prinzessinnen, mit einem kurzen Schreiben den Hof zu machen, Dich durch die Magie meiner Worte zu verführen & unsterblich in mich verliebt zu machen.
      Ja, ich habe lange gewartet.
      Doch jetzt drängt die Zeit. Die Lage ist ernst.
      Denn mit Erschrecken habe ich heute in einer meiner zahlreichen bunten Illustrierten , in denen ich so gerne schmökere um mit Meinesgleichen – den Reichen & Schönen – mitzufiebern & um schwierige Kreuzworträtsel & Sudokus zu lösen, lesen müssen, dass Deine Hochzeit bevorsteht.
      Angesichts meiner tief empfundenen Gefühle für Dich (u.a. politischer Ehrgeiz, ein gesundes Maß an Pragmatismus, Torschlusspanik, ganz viel echte Zuneigung) kannst Du Dir vielleicht vorstellen, in welche düstere Stimmung mich diese Nachricht, die Aussicht meine Felle davonschwimmen zu sehen, versetzt hat.
      Ich bin am Boden zerstört! Ich schlafe schlecht. Schluckauf sucht mich heim.
      • Prinzessin Madeleine! Wie konntest Du nur? Hast du denn nicht ahnen können, dass es hier im fernen antiken Griechenland einen antiken Herrscher gibt, der es auf Schweden absehen hat … Dich über alles liebt, jemand, der Deiner würdig ist & der auch über deine Unzulänglichkeiten (vor allem im Vergleich zu deiner bewundernswerten Schwester) hinweg sieht?
      • Prinzessin Madeleines Verlobter! Wie konntest Du nur? So hübsch ist sie doch nun auch nicht. Jemand wie Du, ein erfolgreicher, gut aussehender Was-auch-immer, der findet doch bestimmt Besseres! Oder geht es Dir vor allem um Schweden & die Aussicht auf den schwedischen Thron? Jemand wie Du, der könnte das durchaus einfacher haben! Ich sage nur: IKEA! Angesichts der voraussichtlichen Kosten für eine standesgemäße Hochzeit ist so ein Thron von IKEA, selbst in der Luxus-Ausfertigung „Carl Gustaf“ (inkl. Beistelltischchen für bis zu fünf Bierkrüge), eindeutig die günstigere Alternative! Und was die häufig fehlenden Einzelteile, Schrauben & Nägel angeht, da hat sich IKEA in den letzten Jahren deutlich gebessert!
      • Prinzessin Madeleine! Ist das alles ein perfider Plan um mich aus der Reserve zu locken? Willst Du mich zwingen, mich endlich zu meinen Gefühlen zu bekennen & Dir mein Herz zu öffnen? Oh, wie erbarmungslos von Dir, liebste Madeleine, die Du offenbar zu dieser Grausamkeit fähig bist, mein Herz diesen Qualen aus Liebeskummer & Verzweiflung auszusetzen, allein aus den egoistischen Motiven, dass ich mich in aller Öffentlichkeit zu Dir & zu Schweden bekennen möge, ich die verzweifelte Suche nach liebenswerteren Prinzessinnen & angenehmeren Ländern aufgebe.

      Dein Wille sei mir Befehl, mein lieber, vormals blonder, nun brünetter Schweden-Spatz.
      Prinzessin Madeleine!
      Ich bekenne mich zu Dir!
      Ich habe dich gern & mag Dich echt gut leiden.
      :love1:
      Prinzessin Madeleine!
      Genug der Versteckspiele.
      Blas’ die Hochzeit ab! Lass’ den Quatsch! Lass’ uns stattdessen gemeinsam zu unseren Gefühlen füreinander stehen!
      Prinzessin Madeleine!
      Willst Du mit mir gehen?
      Los, sei mein Mädel! Sei meine >Dancing Queen < & nicht mein >Waterloo <!
      >Voulez-vous <?

      O Ja. .................................................................
      O Ja. Auf Dich & auf diesen Moment hab' ich mein ganzes Leben gewartet!
      O Ja. Wie treffend Du mich & meine Absichten durchschaut hast! ........
      (zutreffendes bitte ankreuzen)

      Also ja?
      Juchee!

      Dann komm’ & rette mich!
      Es eilt!
      Denn Kerkerhaft ist nicht so schön, romantisch oder urig, wie man sich das beim Hören vielleicht vorstellt.
      Von hinterhältigen, revolutionären Spießgesellen förmlich im Schlaf überrumpelt, habe ich in Sachen Karriere in letzter Zeit leider ein paar Rückschläge hinnehmen müssen. Nichts dramatisches, aber doch Anlaß genug um furchtsam in die Zukunft blicken zu müssen.
      Ich möchte Dich nicht in falsche Panik versetzen, Liebste, aber der demnächst gegen mich beginnende Schauprozess, sowie der bereits viel zu lang dauernde kalte Entzug während meiner Haft, die machen mich echt alle! Ich zittere am ganzen Leib.
      Bringe also wenn du kommst, um mich zu retten, wie es Deine Pflicht als meine zukünftige feste Freundin ist, unbedingt auch etwas Hochprozentiges zum Trinken mit.
      Ich weiß, das Zeug ist teuer bei Euch in Schweden. Aber darum kümmern wir uns später. In meinem Entzugsdelirium habe ich bereits zahlreiche ambitionierte Reformvorhaben an den Wänden meines kleinen Kerkers ausarbeiten können. (Es wäre deswegen auch sinnvoll von Dir zu meiner Rettung ein paar Lastentiere mitzubringen, denn die Kerkerwände müssten wir auch mitnehmen.)

      Bis später also, mein Sonnenschein.
      Ich warte.

      Es grüßt,
      hochachtungsvoll & natürlich auch hoffnungslos (und mit allem gebotenem Pi-Pa-Po) verliebt,

      Graf von Plüsch
      Graf von Plüsch,
      verwegener Abenteurer, Romantiker & zur Zeit nicht-so-wirklich-amtierender Herrscher eines kleinen, verwahrlosten Grafenreiches im antiken Griechenland


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    • 64. Beitrag – Resignation



      Sie hat es getan! ;(
      ... und sie sah dabei so glücklich aus. ;(
      Wie konnte sie nur?
      Madeleine ;(

      Hatte ich zu lange gezögert? Hätte ich früher aktiv werden müssen um Prinzessin Madeleine von meiner Existenz & meiner Liebe zu ihr in Kenntnis zu setzen, & nicht erst am Vorabend der Hochzeit?

      Hinterher sind solche Fragen immer einfach zu beantworten. Aber vorher kann das echt niemand wirklich wissen!

      Tja.
      Und was nun?

      Der schwedische Prinz, Carl Philip, ist noch zu haben, zumindest unverheiratet. In der Thronfolge rangiert er sogar noch vor Prinzessin Madeleine ...
      Aber sollte ich echt so verzweifelt sein?
      Noch dazu ist er überhaupt nicht mein Typ.

      Und so lange warten, bis die junge Prinzessin Estelle das heiratsfähige Alter erreicht?
      ... das ist echt noch lange hin. Und wer weiß ob ich bis dahin noch die attraktive Partie für eine Prinzessin sein werde, die ich jetzt, da die Geschichte meiner Absetzung außerhalb der griechischen Antike noch relativ unbekannt ist, gerade so noch bin.

      Prinzessinnen anderer Länder?
      Die sind doch alle schon wegverheiratet ... oder aus gutem Grund noch unverheiratet ;(
      Zugegeben: Die Besten sind schon weg. Zumindest wenn man der Meinung ist, dass die Besten die sind, die einmal den Thron erben werden.
      Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article12319791/Reich-ledig-jung-sucht.html
      Das Angebot an Prinzessinnen ist mittlerweile jedenfalls arg begrenzt.
      Sollte etwa tatsächlich jeder Obergauner von Investmentbanker oder Fitnesstrainer eine Prinzessin abbekommen, ein weiser, gerechter & bescheidener Graf, trotz seiner unzähligen schon fast legendären Gaunereien*, dagegen leer ausgehen?

      Das ist doch unfair!
      Nur weil sich andere mehr um eine Prinzessin bemüht haben, anstatt die Zeit mit Warten, Nichtstun & der Rebhuhnjagd zu verbringen.
      Unfair!

      Zerknirscht,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Chimi
      Fossi


      -------------------
      * ... man denke nur an diese eine Geschichte, als Graf von Plüsch diese eine echt gaunerhafte Sache gemacht hatte!
      Oder das eine andere Mal, als er beim Hütchenspiel betrogen hatte: er wusste unter welcher Schale sich das Kügelchen befunden hatte, und hatte dann trotzdem auf eine andere Schale gezeigt.
      Graf von Plüsch steht in Sachen Gaunerhaftigkeit also weder einem Investmentbanker noch einem Fitnesstrainer in irgendwas nach!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―