Berichte & Tageträumereien eines weisen, gerechten & bescheidenen Herrschers

    • Tagebuch



    • 18. Eintrag

      So, liebe Welt, es ist vollbracht.
      Die erste „Tagebuch“-Seite ist vollgeschmiert.
      *juchee* \o/
      Endlich kann ich mich daran machen die zweite Seite in Angriff zu nehmen.

      Und womit ließe sich diese Seite besser beginnen als mit einem Blick zurück?
      Genau, mit einem Test!

      Erste Zwischenprüfung zur Allgemeinen Grafen-"Tagebuch"-Reife
      Zeitvorgabe:
      15 Minuten

      Start:

      Sofort!

      Erlaubte Hilfsmittel:
      Entweder Stift, oder sofern nicht griffbereit, dieses Antworthäkchen in 15 facher Ausführung*:


      Und los geht's!



      1. Teil: Fakten- und Verständnisfragen

      1. Okay, eine einfache Einstiegsfrage: Über wieviele Reiche herrscht Graf von Plüsch?
      - Eins.
      - Zwei.
      - Fünfzehn.

      2. Was ließ in Graf von Plüsch den Entschluss heranreifen „Tagebuch“ zu „schreiben“?
      - Er hatte Langeweile & nichts Besseres zu tun. Aber seit er da vor sich hinkritzelt ist er wenigstens beschäftigt & stellt keinen Unsinn an.
      - Er sah es seine Pflicht an, die Welt an seinem Wissen teilhaben zu lassen, auf dass noch spätere Generationen von seinen Erfahrungen profitieren.
      - Die ganze Aktion ist nur Ausdruck seines charakteristischen Hangs sich profilieren & wichtig machen zu müssen.

      3. Trolimpozyten?
      - Ein Enzym, das der Graf, als der Naturforscher der er in seiner Freizeit ist, entdeckt hat.
      - Eine mittlerweile ausgestorbene, als besonders aggressiv geltende Rebhuhnrasse, deren letztes Exemplar dem Grafen vor die Flinte gelaufen ist & welches er, nachdem er bei seiner Flinte Ladehemmung feststellen musste, oberkörperfrei & eigenhändig (& dabei nur von einigen Dienern unterstützt) niedergerungen hatte.
      - Eine fehlerhafte Schreibweise des Wortes „Trollimpozyten“ & damit eines Begriffes, der die Essensreste zwischen Zähnen & Zehen ungepflgeter männlicher Trolle umschreibt.

      4. Wie viele Handelsschiffe besitzt Graf von Plüsch auf delta?
      - Alle 150.
      - Alle 160.
      - Alle 175.

      5. In einigen Beiträgen des „Tagebuches“ hat ein gewisser „Marmorgürtel“ eine Rolle gespielt. Worum handelte es sich dabei?
      - Irgendwas mit Marmor & einem Gürtel & warum & wieso. Als ob das Jemanden ernsthaft interessiert hätte.
      - Die Anordnung vierer gräflicher Inseln, auf denen vorrangig Holz & Marmor abgebaut werden, und die durch das Wunder gräflicher Fügung & Weitsicht in der praktischen Form eines Gürtels angeordnet sind.
      - Eine geschickte Form des Cliffhanger-Spannungsaufbaus, wenngleich inhaltlich völlig unbedeutend.



      2. Teil: Fragen zu Werten, Einstellungen & Ansichten

      6. In mehreren Einträgen des Grafen von Plüsch hat er dezidiert seine progressive Meinung zur Emanzipation dargestellt. Welcher der folgenden Aussagen kommt seiner Sichtweise am Nähesten?
      - Frauen sind an & für sich ganz in Ordnung. Wenn sie auch nicht so schlau sind wie Männer, so sind sie doch zumindest hübscher & können besser Bügelwäsche bügeln.
      - "Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist."
      - Frauenbewegung? Solange sie nur rhythmisch ist!

      7. Welche beiden Autoren sind des Grafen Vorbilder in Sachen „Tagebuch“-schreiben?
      - Gani ** & Frau Kuchen.
      - Shakespeare & Pandadima.
      - Hanni & Nanni.

      8. Welche ist die Lieblingsprinzessin des Grafen von Plüsch?
      - Prinzessin Victoria von Schweden.
      - Prinzessin Madeleine von Schweden.
      - Prinzessin Chimi.

      9. Achtung Spoiler: Frage 9 bitte erst nach Beantwortung von Frage 8 lesen & ggf. beantworten! Der Graf hat in seinen Beiträgen stets eine deutliche Vorliebe für Prinzessin Madeleine von Schweden erkennen lassen. Warum gerade Prinzessin Madeleine?
      - Auch wenn sie in der Thronfolge nur an zweiter Stelle rangiert, was ein deutliches Manko ist, steht auf der Vorteilsseite, dass sie im Gegensatz zu Prinzessin Victoria noch zu haben ist. Und reich ist sie ja auch.
      - Er durfte schon mal in ihrem Schoß liegen & er fand das sehr schön.
      - Sie ist die hübscheste Prinzessin der Welt!!!

      10.Welcher Satz beschriebt des Grafen Ansichten zum modernen antiken Theater am Treffendsten?

      - Purer Unsinn, der die Jugend verdirbt!
      - Also, ne, ey. In diesen neuen Inszenierungen wird sich viel zu stark auf bloße Schauwerte & Oberflächlichkeiten verlassen. Da wird kaum noch die Zerrißenheit der handelnden Figuren deutlich, ihr Widerspruch zwischen der zunehmenden kapitalistischen Entfremdung ihrer selbst & den Ansprüchen den sie in der kleinbürgerlichen Familie ausgesetzt sind. Der revolutionäre Eifer bleibt auf der Strecke, nur um ein sattes Publikum in Sicherheit zu wiegen, in ihrer Selbstgefälligkeit zu bestätigen, Echt ey, schlimm!
      - Purer Unsinn, der die Jugend verdirbt! Mit viel zu wenig nackter Haut!

      11. Wie ist es MadameObscure zeitweilig gelungen den Grafen im Spendenhighscore zu distanzieren?
      - Sie ist einfach besser als der Herr Graf, in jeder Hinsicht. Das hatte sie doch schon in der Gesamtpunktewertung bewiesen.
      - Durch Betrug! Betrug! Sie hat sich (auf legale Weise) pushen lassen. Ihren uneinholbaren Vorsprung in der Gesamtpunktewertung hat sie sicher auch nur diesem (legalen, absolut rechtmäßigen) Pushing zu verdanken. Oder sie hat sich gar hochgeforscht!
      - Der Graf hat ihr sicher diesen kleinen, kurzen Triumph gegönnt. Es würde mich nicht wundern, wenn er sie, auf versteckten Pfaden, gar selbst (rechtmäßig) gepusht hätte. Dieser Großmut sähe dem Grafen nur zu ähnlich.

      12. „Konstitutionelle Monarchie“, welche Meinung hat der Graf bezüglich dieses seit einiger Zeit heiß diskutierten Themas?
      - Dafür. Schließlich beweist die Durchsetzung dieses Bauprojekts die Zukunftsfähigkeit des Landes! Außerdem würden die Züge unterirdisch fahren! Also unter der Erde!
      - Dagegen. Projekt „Konstitutionelle Monarchie“ ist viel zu teuer! Und die Bäume, die dafür gefällt werden müssten, sollte man lieber stehen lassen.
      - Er ist unentschlossen, doch sagt es ihm durchaus zu wie mit widerspenstigen Demonstranten & ungehorsamen Pöbel umgesprungen wird.



      3. Teil: Fragen zum Charakter des Fragenbeantworters

      13a. (zur Beantwortung durch Prüflinge weiblichen Geschlechts) Was denken Sie zuerst, wenn sie den Namen „Graf von Plüsch“ vernehmen?
      - :love1:
      - :kuss: &
      - :strafe:

      13b. (zur Beantwortung durch Prüflinge männlichen Geschlechts) Was denken Sie zuerst, wenn sie den Namen „Graf von Plüsch“ vernehmen?
      - :prost:
      - :hail:
      - :strafe:

      14. Wenn Sie den Grafen mit vier Adjektiven charakterisieren müssten, welche wären das?
      - weise, gerecht, bescheiden, niedlich
      - selbstverliebt, arrogant, gefährlich, einfältig
      - irrelevant, niedlich, lecker, superkalifragilistikexpialigetisch

      15. Ihr Gesamteindruck vom „Tagebuch“?
      - Jaja. Dafür dass es vom Grafen stammt & meine Erwartungen da schon wirklich sehr niedrig waren, dafür ist es eigentlich ganz passabel.
      - Ich habe keinen. Das Geschwurppel von dem Typen überspringe ich immer. Allerdings bin ich riesengroßer Fan dieser Fortsetzungsserie über diese tapfere Trolline & ihren Co-Star, diesen liebenswerten kleinen Hasen mit der roten Kappe. Ich warte jeden Tag gespannt wie’s weitergeht. Ob sie sich am Ende kriegen? Die beiden sind doch füreinander bestimmt! Für Weihnachten stehen übrigens bereits die Vada-Actionfigur & die knuddelweiche Rothäschen-Stoffpuppe *** auf dem Wunschzettel.
      - Jemand sollte schleunigst das Dynamit erfinden, damit er aus den Gewinnen, die der Dynamitverkauf abwirft einen Preis stiften kann, mit dem man den Grafen von Plüsch jedes Jahr aufs Neue ehren kann!!!


      Die Zeit ist vorüber!
      Stifte sofort beiseite!
      ...
      Stifte beiseite, habe ich gesagt! Da gilt auch für dich da hinten, in der letzten Reihe.


      Zur Bewertung drucken sie den Fragebogen nun bitte aus, auf A4-Format, packen das Blatt Papier in einem Briefumschlag & senden es, zusammen mit einem ausreichend frankierten Rückumschlag sowie beigelegten 25 antik-€ in Briefmarken an:
      Graf von Plüsch
      Palastresidenz & Pension „Plüsch“
      Palastweg 1
      00001 Hauptstadt

      Und damit endend,
      einen freundlichen Gruß sendend,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Fandest du, liebe Welt, den Test auch so schwer?
      Bei einigen Fragen bin ich echt ins Schwitzen gekommen.
      Zum Glück hatte ich meinen Spickzettel dabei.


      P.P.S.:
      Die aktuelle Folge „Rothäschen & das böse Neugiertier" muss leider ein weiteres Mal verschoben werden.
      Dieses Mal ist tatsächlich wieder diese böse Zeichenbegrenzung daran Schuld. Musste schon arg reduzieren jetzt.


      P.P.P.S.:
      Ein Tipp darf natürlich auch zum Jubiläum nicht fehlen:
      Eene, meene Miste, es rappelt in der Kiste!
      Ene mene mei - Flieg herbei, Kartoffelbrei!



      -------------

      * … einfach ausdrucken, ausschneiden & dann auf die jeweils gewählten Antwortkästchen aufkleben. Doch Achtung: Je Frage bitte nur ein Antworthäkchen verwenden, also nicht zu verschwenderisch damit umgehen, sonst ist hinterher bloß das Gejammer groß, dass keine Häkchen mehr da, gleichzeitig aber noch so viele Fragen unbeantwortet sind.
      ** … vielleicht gemeinhin bekannter unter dem Namen „Ganath“, ihren Mädchennamen, unter dem sie zu mythenumrankten Weltruhm aufgestiegen ist.
      *** … Die macht lebensecht wimmernde Geräusche, wannimmer man sie allein im Dunkeln liegen lässt. Außerdem ist es ganz weich & knuddelig, wenn man es an sich drückt! Wie ein echtes Rothäschen.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 19. Eintrag - Wie doch die Zeit vergeht

      Wie doch die Zeit verrennt, liebe Welt.
      Kaum macht man hier mal ein Nickerchen, lässt man sich da mal von einer hübschen, kleinasiatischen Masseuse massieren, oder gönnt sich mal Unmengen eines guten Tropfen Weins, und schon ist seit dem letzten Eintrag an dich, liebe Welt, fast eine Woche vergangen.

      Eine Woche!
      In Hundejahren entspricht das einem ganzen Monat!
      Ich habe fast einen Hundemonat lang nichts von mir hören lassen!

      Und was ist nicht alles vorgefallen in dieser Woche:
      Ich habe ein Nickerchen gemacht, ich habe mich massieren lassen & ich habe wahre Unmengen eines guten Tropfen Weins in mich hineingeschüttet!
      So ein Herrscherleben ist eben wahrlich kein Zuckerschlecken *.

      Apropos Herrscherleben:
      Ich lebe endlich wieder angstfrei.
      Die Geister, Gespenster & Kürbisse, die mich heimgesucht haben, sind durch meinen beherzten, erbitterten Widerstand in die Flucht geschlagen worden; hinfort gejagt, auf dass sie andere, wenigerer furchtlose Personen in Angst & Schrecken versetzen. Doch diesen Unholden sei ihr schändliches Treiben verziehen, unmöglich konnten sie erahnen, dass sie in mir ihren Meister zu finden gezwungen waren **.
      Doch das man einen Grafen von Plüsch besser nicht unterschätzt, man dieses Vergehen samt seiner drastischen Folgen besser vermeidet, dass haben vor den Geistern, Gespenstern & Kürbissen schon genug Bittsteller, Städteberater & Rebhühner am eigenen Leib erfahren müssen. In Momenten, in denen ich mich scheinbarer Unterschätzung gegenwärtig fühle, ja, da neige ich dann auch trotz meines grundsätzlich friedfertigen Wesens durchaus zu einer gewissen Grantigkeit. Und das hat nichts mit verdrängten Inkompetenzgewissheiten & Bindungsängsten zu tun, wie dieses blöde Orakel in Delphi Tag für Tag so leichtfertig dahinbehauptet ***!!!

      Apropos Bindung:
      Chimi, die zeitweilig wohl auch als Kürbis gelten konnte musste, ist offensichtlich von den Geistern, Gespenstern & Kürbissen mit hinfortgeschleppt wurden:

      Das zeitliche Eintreffen der Ereignisse, das Verschwinden der Monster & Chimis Abwesenheit, korrespondiert auffällig.
      Ein teuer erkaufter Sieg also. Ohne Zweifel.
      Ein Papayasieg!
      Was können sich die Geister, Gespenster & Kürbisse glücklich schätzen. Und wir Zurückgebliebenen uns traurig.
      (Ich möchte an dieser Stelle meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Chimis heiß ersehnte Rückkehr nicht auch die Rückkehr von Geistern, Gespenstern & Kürbissen mit sich brächte! ;( )

      Apropos „traurig“:
      Ganz entgegen anderslautender Berichte über Ernteausfälle, staatliche Gleichgültigkeit & gräfliche Verschwendungssucht: In meinen Reichen läuft’s super.
      Mein von mir auf so weise, gerechte & bescheidene Weise beherrschten Untertanen können sich über allerhand Verbesserungen freuen: mehr Handelsschiffe, mehr im Kampf gefallene Helden & Heldinnen, mehr Zimmereien, mehr entspanntmassierte Muskelpartien des Grafen, mehr Freunde, mehr Kriege , mehr Generäle als je zuvor ****, mehr Spenden (und damit ein wohltätigeres Image ihres Herrschers, der gerade dieser Obscure ordentlich zeigt, was eine Harke ist).

      Apropos Obscure:
      Bartmann, mein Städteberater, ist wieder zurück aus seiner langen Gesundungszeit, die meines Erachtens mit „Urlaub“ treffender beschrieben wäre, die ich aber nicht mit „Urlaub“ nicht umschreiben darf, weil mir dann bloß wieder die Gewerkschaft aufs Dach steigt.
      Wenn das mal nicht ganz schön Obscure ist.


      Nun bin ich aber müde, liebe Welt,
      und so grüße ich dich, bevor ich erneut ein Nickerchen mache, im Schweiße meines Angesichts,
      davon träumend wie gut es doch diese Geister, Gespenster & Kürbisse mit Chimi-Anwesenheit haben werden,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Tipp:
      Nur Demut und Unterwerfung formt den Menschen recht. Zu erkennen, was Pflicht ist, können wir nicht der Beurteilung jedes einzelnen überlassen; dass muß ihm vorgeschrieben werden; es darf ihm nicht überlassen werden, so zu entscheiden wie er es sich denkt.



      -------------------

      * … Bevor irgendwelche Missverständnisse aufkommen: Die meinem wertvollen Grafenkörper zuteil gewordene Massage beinhaltete zwar den Einsatz einer geringen Menge Zucker, doch wurde dieser Zucker auf meinen Lippen verteilt um dort durch das tänzelnde, geschickte Zungenspiel der Masseuse fachlich korrekt & einwandfrei meine strapazierte Lippenmuskulatur zu massieren. Untertanen anzuschreien, strengt mehr an als man gemeinhin zu glauben gedenkt!
      Der Behauptung, ein Masseusinnenleben sei ein Zuckerschlecken, könnte demzufolge bei Anwendung bestimmter Massagetechniken durchaus zustimmen. Eben ganz im Gegensatz zu einem Herrscherleben. Von der vielen Verantwortung, die mit so einem Herrscherleben einhergeht, wollen wir gar nicht erst zu sprechen beginnen.

      ** … Okay, liebe Welt. Du magst an dieser Stelle darauf hinweisen, dass meine Reden an anderer Stelle weniger furchtlos klangen. Das mag schon sein & das gebe ich auch unumwunden, ohne falsche Scheu zu. Doch wie so oft vermochtest du es anscheinend nicht zwischen den Zeilen zu lesen: Die zur Schau gestellte Ängstlichkeit gehörte zum Plan! So!
      *** … Dieses blöde, blöde, blöde Orakel von Delphi!
      **** … Ja. Darauf bin ich stolz. Das ist ein Rekordwert!
      :tanz: :tanz:
      Fast 20.000 GP. Die Einem im Übrigen ein ordentliches Minus ins Budget reißen, wenn man die Rathäuser nur auf Stufe 25 hat.



      Rothäschen und das böse Neugiertier
      Ein märchenhaftes Lehrstück, in dem auch eine nette Trollin eine nicht geringe Rolle spielt
      – Teil 14

      Letzteres diente ihr vor allem aus Ausgleich zu den anstrengenden Büro- und Verwaltungstätigkeiten ihrer Arbeitsstelle. Ihre beruflichen Pflichten bestanden demnach vor allem darin der anspruchsvollen aber sympathischen Chefin jeden Tag den Kaffee zuzubereiten und ihr alle Arbeit, die so anfiel, abzunehmen.
      Hart, aber gerecht, mit einer Brise obscure“, charakterisierte sie ebenjene Chefin im Rahmen ihrer Darstellung schwärmerisch. Regelmäßig musste Vada, wie sie mit schaudernder Stimmlage, über die resultierende Furchtsamkeit des Rothäschens, etwas amüsiert erzählte, sogar in das dunkle, wirklich dunkle und sehr enge Tief des Bergwerkes hinabklettern um die Arbeitsmoral der Sklavenschaft zu überprüfen und der Chefin mitzuteilen ob die aus dem Berg gehauene Menge Schokolade dem Plansoll entsprach.
      Eine ganz neue Welt eröffnete sich Rothäschen, wie es den Worten seiner Begleiterin lauschte. Eine einfache, unbezahlte Praktikantin zu sein, das klang, in der Art wie die Trolline davon berichtet, wahrlich aufregend, erstrebenswert. Und dann verantwortlich sein dafür, dass die Vorgesetzte stets ausreichend mit frisch gebrühtem Kaffee versorgt ist. Alles für das übergeordnete Ziel, dass die Inselbewohner, ja, dass die ganze Welt, jederzeit mit einem reichhaltigen Angebot von Smarties aus bester Obscurescher Produktion versorgt sind. Was für eine Heldin die Trolline doch war.
      Nur die Sache mit dem dunklen Bergwerk sagte ihm nicht wirklich zu. Für einen Moment stellte es sich vor, wie es selbst in einem der lichtlosen Bergwerksschächte umherwanderte, nur um dann dort von einem Neugiertier überrumpelt und geschüttelt zu werden, ohne dass es von Vada gerettet werden könnte, weil diese doch übertage gerade ihren Patrouillengang im Wald unternahm.
      Alles was ihm Vada berichtete, vermochte es nur staunend, offenen Mundes, mit einem bewundernden „Wow“ zu kommentieren, nicht selten gar mit einem „holla, wow!“.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 20. Eintrag

      Helau liebe Welt!

      Mein Städteberater hat mir nahegelegt in meinem Bericht an dich, doch auch mal ein wenig mehr auf die Vorgänge in meinem weit verzweigten, mächtigen Herrschaftsbereich einzugehen. Ich solle nicht immer nur über meine Grafen-Lebenswirklichkeit sprechen, die zwar, wie Bartmann es formulierte, „wahrlich interessant ist & die Herzen der Leserschaft zum Leuchten zu bringen vermag“, gleichzeitig aber „die gräflichen Leistungen & Errungenschaften in Sachen Staatsführung auf unangemessene Weise unter den Scheffel stellt“.
      Und da gehören meine Leistungen & Errungenschaften unmöglich hin; unter dem Scheffel haben die nichts verloren! Da kann ich Bartmann nur zustimmen.
      Wie so häufig in letzter Zeit *.
      Er scheint im Allgemeinen recht verwandelt zu sein, nach seiner „Genesungszeit“, die ich nicht „Urlaub“ oder „Ferien“ nennen darf, so sehr ich sie auch für Urlaub halten möge.
      Vermutlich kommt das daher, dass uns beiden aber die Trennungszeit extrem gut getan hat. Mir ist in dieser nachdenklichen Ruheperiode, gerade während dieser Monsterheimsuchung deutlich vor Augen getreten wie ich doch auf ihn angewiesen bin & wie ich ihn doch, trotz seiner vielen Fehler **, mag (auch wenn ich das nie zugeben würde & es mir selbst nur in der Vertraulichkeit dieses „Tagebuchs“ eingestehe).

      Hach.
      Ich bemerke gerade wie ich erneut wider besseren Wissens meine Leistungen & Errungenschaften unter den Scheffel stelle.
      Also, zu den Vorgängen:

      Unbedingt muss hier an erster Stelle das gute Timing einer bestimmten Neko hervorgehoben werden, muss lobend Erwähnung finden in diesem „Tagebuch“, dessen niedergeschriebene Wahrheiten & Erkenntnisse für die Ewigkeit gedacht sind. Auf dass sich nachfolgende Generationen von Archäologen & Grafenfreunden verwundert fragen werden, wer denn diese Neko gewesen sei & in welchem Verhältnis sie wohl zu Graf von Plüsch gestanen haben mag, dass sie an so prominenter Stelle von seiner Gräflichkeit höchstselbst gelobt werden würde ***.
      Jedenfalls ist Neko aufgrund ihres wirklich bewundernswert guten Timings die zweite Herrscherin, die für ihr Ausstellungsstück einen Platz in einem gräflichen Stufe-14-Museum zugeteilt bekam. Denn kaum war es ausgebaut, nach tagelangem Sparen von Holz & Marmor, da erreichte mich schon ihre schüchtern-sympathische Anfrage, ob ich denn ein Kulturgut für sie hätte. Und ich hatte.
      Welch’ große Ehre!
      Glückliche Neko. Sicherlich hat sie vor Freude geweint.

      Damit zu etwas Anderem.
      Du kennst mich, liebe Welt, mittlerweile gut genug um zu wissen, dass ich nicht nur weise, gerecht & bescheiden bin, sondern auch auf angenehm entspannte Weise mit temporären Niederlagen umzugehen vermag.
      Stichwort Spenden.

      Diese MadameObscure mal wieder.
      Anscheinend hat sie jemand anderen gefunden, der ihr auf legale Weise ab & an mal ein paar Scheite Holz zusteckt. Vielleicht Omi Morgaine, die schon einmal negativ aufgefallen ist durch ihre Drohung mich grundlos plündern zu wollen, nur weil Madame noch grundloser einfach der Sinn danach stand, dass der arme Hase für irgendwas (was er nicht getan hat) bestraft werden sollte.
      Anders kann ich mir den Obscureschen Erfolg gegenüber meinen Spendenbemühungen jedenfalls nicht erklären! Höchstens vielleicht mit bienenhafter Emsigkeit, schwäbischem Fleiß & Freigiebigkeit.
      Aber ich weiß nicht. Erscheint das nicht unglaubwürdig?
      Andererseits ist es ja die Hauptsache, dass die Minen ausgebaut werden, und dass ich (& MadameObscure) im Spendenhighscore eifrig Platz um Platz nach vorn klettern & als nächstem Bekannten den guten alten Romulus nur noch die Rücklichtkerzen unserer antiken Droschken sehen ließen.
      Genau.

      Hmm. Was noch?
      Ein wenig stolz war ich, dass es meine Exzellenz vermochte, am gestrigen Montag doch noch die 20.000 Generalspunktegrenze für ein paar Stunden zu überschreiten. Zum ersten Mal. Vermutlich für recht lange Zeit auch zum letzten Mal.

      So viel Militär ist wirklich ganz schön teuer.
      Aber dafür hat man doch Untertanen, aus denen man das Gold schon irgendwie rauszupressen vermag.
      Und es ist ja auch für den guten Zweck. Das große Ganze. Es geht immerhin um mein Amüsement.


      Damit grüßt, amüsiert & erheitert durch die kriegerischen Vorgänge,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Da mir das Kriegesgeschäft, bei aller Freude, die ich als Beobachter bei diesen sinnlosen Metzeleien empfinde, ansonsten nicht allzu sehr zusagt, es mir gar ein wenig brutal erscheint & es meinem Urteil nach für einen Grafen bei Weitem zu gefährlich ist gar aktiv darin zu mitmischen bzw. überhaupt informiert zu sein über Taktiken, Strategien & ähnlichem intullektualen Kriegsgeplane … jedenfalls deswegen sende ich im Folgenden anbei noch den Bericht eines jungen, aufstrebenden Journalismuspraktikanten, der sich an vorderster Front seine Sporen verdient. Sein Eintrag, der ursprünglich für das zeta-Journal gedacht war, dort aber verworfen wurde, da Vorgänge auf delta angeblich nicht wirklich was mit zeta zu tun hätten, erscheint deswegen nun an dieser Stelle.


      P.P.S.:
      Auch heute geht es natürlich nicht ohne einen guten Tipp ins Bett:
      Wenn sich alle einen Baum anschauen wollen, fliege ich zum Mond.



      -------------------

      * … Beispielhaft nennen möchte ich hier etwa unsere Übereinstimmung bezüglich der Einschätzung gegenüber Heidi, meiner Diplomatieberaterin, die ihre Aufgaben der Korrespondenz mit jedem Tag weniger erfüllt. Ihre Entschuldigung für ihren mangelnden Arbeitseinsatz, sie wäre nun mal neuerdings mit diesem Sänger zusammen & da würde ihr einfach keine Zeit für inhaltleeres Grafengeschwätz bleiben, überzeugt weder mich noch Bartmann! Vielmehr sehen wir akuten Handlungsbedarf, entweder indem wir die Beziehung sabotieren, oder, falls dieser gutdurchdachte Plan scheitern sollte, sie doch vor die Tür zu setzen. Ja!
      ** … darunter etwa seine Mängel von niederer Geburt zu sein; seine Fähigkeit zu ungezwungenem, offenem Umgang mit Weibsvolk; sowie hauptsächlich seine ewige Besserwisserei, die meines Erachtens mangelndem Respekt gleichkommt!
      *** … Oje. Es ist echt schlimm mit diesen Abschweifungen.
      Rothäschen und das böse Neugiertier
      Ein märchenhaftes Lehrstück, in dem auch eine nette Trollin eine nicht geringe Rolle spielt
      – Teil 15


      Lediglich einmal ließ sich Rothäschen während des Weges ablenken.
      Das Ende des Waldes war nicht mehr fern, als es plötzlich, nach einem unerwarteten Luftzug, in Gewelk und Gebüsch gefährlich zu rascheln begann
      Doch wie Rothäschen daraufhin zusammenzuckte, ergriff Vada seine Hand, und vermochte es dadurch rasch zu beruhigen.
      Ich bin anscheinend noch immer ganz schön verschreckt und traumatisiert, Vada“, leitete es seine folgende Bitte ein, „am Besten wäre es bestimmt, wenn du meine Hand weiterhin hältst.“ Den fragenden Blick der Trolline entkräftete es mit dem Angebot im Gegenzug ihre Hälfte des ehemaligen Lebensmittelkorbes selbst zu tragen.

      Hand in Hand legten sie den Rest des Weges zurück, ohne dass Rothäschen bei Windstößen und resultierendem Unterholz-Rascheln erneut erschreckte oder sich gar fürchtete. Vielmehr drückte es sich in diesen Momenten unbewusst besonders an seine mutige, hilfsbereite Begleiterin, während es, vertieft in ihre gemeinsame Unterhaltung über Zeus und die Welt, alle Gefahren um sich herum vergaß.
      Ohne dass es Rothäschen registrierte, passierten sie das Waldausgangs- und das Ortseingangsschild. Ihr gemeinsamer Weg näherte sich dem Ziel.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 21. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern I

      In der Ferne stöhnen Menschen auf den Betten der Feldärzte. Geräusche des Schmerzes und des Leides.
      Hier, an der kargen Feuerstelle des Feldlagers, riecht es dagegen nach zum x-ten Mal aufgewärmter Kartoffel-Wasser-Suppe. Es ist kein schöner Geruch.
      Doch die Männer und Frauen, mit denen ich zusammen mein karges Mahl zu mir nehme, kennen es nicht anders. Sie erheitern sich vielmehr an meinem angewidert verzogenem Gesicht, das ich bei jedem Bissen Suppe ziehe, schmunzeln über meine aufsteigende Übelkeit beim versehentlichen Verschlucken eines Mäuseschwanzes.
      „Das Militär ist eine andere Welt“, hatte man mir vor meinem journalistischen Einsatz an vorderster Front ins Gewissen geredet. Ich habe es lange nicht glauben wollen.

      Nun sitze ich hier, fernab der Heimat, fernab von Frau und Kindern, die ich haben könnte, wäre ich verheiratet oder hätte ich bereits ein Kind in die Welt gesetzt.
      Über uns schimmert die unendliche Vielzahl an Sternen sanft durch das abendliche Dunkel und die schwache Wolkenschicht.
      Vermutlich diese Citrus-Wolken, die Einen in Friedenszeiten immer an Schäfchen erinnern, und die Einem, ist man an der Front, nur noch wie bösartige Geister und Gespenster erscheinen.
      Ich frage meine Kameraden, welche Bilder sie in diesen Wolkenformationen erkennen.
      Wir unterhalten uns, teilen Sorgen, Ängste, Hoffnungen miteinander. Stets in der Gewissheit, dass derjenige, dessen größter Traum es ist seinen Enkelkindern die Ruinen von Troja zeigen zu können, morgen schon fehlen kann in unserer Mitte, verschlungen vom unbarmherzigen Kriegsgetümmel.

      Wir reden auch über den Grafen, der sie in diesen Konflikt entsandt hatte, zur Steigerung seines Ruhmes und ihrer aller Ehre.
      Die einfachen Menschen hier verehren ihren Grafen. Besonders unter den Vertretern der Schwert- und Speerträger, also den Mannschaften mit den höchsten Verlustraten in jedem Einsatz, ist die Wertschätzung für den Grafen wohl am größten.
      Wann immer diese Mannschaften von ihm reden, schwingt Anerkennung mit in ihren Stimmen. Liebe gar. Eine Liebe, die sich nicht in Worte fassen lässt. Zumindest nicht in Worte, die von einem einfachen Redaktionspraktikanten artikulierbar sind.
      Vergessen scheint des Grafen verspäteter Marschbefehl vom letzten Sonntag unter seinen kämpfenden Truppen zu sein: des Grafen unerwartete Abwesenheit, in dessen Folge nicht nur den Staatshaushalt unnötig belastet wurde, sondern auch alle vornweg geplanten Taktiken und Strategien hinausgezögert wurden.
      Doch die ersten Erfolge im Felde, wenn auch unter immensen Verlusten teuer erkauft, schreiben seine Untertanen gerade jenem gräflichen Geistesblitz zu, den sich hier vor Ort niemand erklären kann.
      „Was wissen auch wir einfachen Leute schon von hoher Politik“, erklärt mir der Hoplit Theofanis unter dem zustimmenden Nicken seiner speisenden Kameraden die vorherrschende Ansicht.

      Plötzlich werden wir von einem Leuchtgeschoß aufgeschreckt.
      Zwei Schuss erhellen mit ihrem gleißend rotgelben Licht das abendliche Dunkel.
      Wir alle kennen die Bedeutung.
      Der Feind, ein Angriff, zu Land und zu Wasser!
      Näheres weiß niemand in diesem Moment.
      Reflexartig springen wir auf. Zu häufig waren die Soldaten schon in diesen Situationen als dass sie sich von einem nahenden Gegner in Panik versetzen lassen würden. Nur mir, dem Unerfahrenen, ist etwas mulmig.
      Es wird dies der erste Angriff sein, dem ich ausgesetzt sein werde. Bisher stand ich nur bei eigenen Angriffsbemühungen auf dem Feldherrenhügel, in sicherer Entfernung vom schmutzigen, tödlichen Nahkampfgeschehen, von Staub, Krach, zerstörten Maschinen und kaputten Leibern. Die Schlachten um Pyria, Folterhof und Williford habe ich aus dieser distanzierten Perspektive erleben dürfen.
      Nun bin ich mitten im Getümmel, in Lebensgefahr.
      Doch die altgedienten, besonders erfahren Soldaten richten mich auf, klopfen mir auf die Schulter, geben mir die Gefühl, dass wir die Gefahr schon werden wuppen können.
      Zschorlos, die besetzte Stadt muss gehalten werden. Zu wichtig ist sie als Ausgangsbasis des sich seit bereits einem Tag hinziehenden Angriffs auf San-Ska-Re, zuviel steht auf dem Spiel.
      Wir stürmen in Richtung der Mauer, zum diensthabenden Unterleutnant.
      Schlechte Nachrichten trüben die Aussicht: Verstärkung fällt flach, keine Aktionspunkte mehr in der Kriegspolis. Und auch aus dem Angriff auf San-Ska-Re können keine Einheiten zu unserer Unterstützung abgezogen werden, wegen des irreparablen Schadens für die sog. HKL, die ein Teilrückzug zur Folge hätte.
      Mit Militärsprech tue ich mich noch immer schwer: „Aktionspunkte“, „HKL“, „Kesselgulaschschlacht“, „Raidkolonie“, usw. usf. – ich verstehe diese Begriffe nicht. Doch was ich verstehe, ist dass wir auf uns allein gestellt sein werden. Und das wir nicht verlieren dürfen.
      So stehen wir hinter der Mauer, die wehleidigen Klagen aus den Lazaretten der Feldärzte im Hintergrund, das Schlachtengeschrei des Gegners aus Richtung des Meeres und des Landwegs vor uns.
      Noch immer weiß niemand was auf uns zurollt, doch allein der Geräuschpegel der auf uns zurollenden Einheiten lässt eine deutliche Übermacht erahnen.
      Die Schreckensmeldung macht die Runde, dass der Hafen genommen sei, blockiert, offenbar ohne vorangegangene Kampfhandlungen.
      Vor uns der Feind, in unserem Rücken der Feind.
      Und wir dazwischen, gefangen.
      Im Angesicht unseres Untergangs, für Graf und Vaterland, für dieses ominöse große Ganze, dass unser geliebter Graf so häufig beschwört, ohne es uns Unwissende näher zu erläutern.

      Einzelne Männer fangen zu singen an. Wir stimmen ein.
      Die gesamte besetzte Stadt wird von unserem unmelodischen, aber lauten Hymnengesang erfüllt.


      Dann. Endlich. Vorbei die bange Ungewissheit über unser Schicksal.
      Feindkontakt.
      Und gleich darauf: Überraschtheit. Freude. Jubel.
      Der Feind wird die Zschorloschen Mauern nicht überwinden können. Zu siegesgewiss, vermutlich in der Erwartung von den besetzten Zschorlosianern mit offenen Armen und Stadttoren empfangen zu werden, hatten sie es nicht für nötig gehalten wenigstens ein paar Rammböcke mitzuschicken.


      Wir werden Zscherlos halten können.
      Eine Viertelstunde später schließlich wird der erwartete Ausgang zur Tatsache: der Feind dreht ab, gibt auf.
      Wobei wir nicht einen einzigen Mann, oder eine einzige Frau aus unserem Kreis verloren haben.
      Nur einige Gyrokopterpiloten, die ihrer Freude über den unerwarteten Ausgang dieses bedrohlichen Angriffs mit einigen waghalsigen Manövern Ausdruck verliehen, stürzten zu Boden. Doch Gyrokopterpiloten sind unter den einfachen Bodentruppen nicht wirklich beliebt, gelten sie doch als abgehoben.

      Der diensthabende Unterleutnant lässt zur Feier dieses Sieges sogar einige Laiber alten, harten Toastbrots unter uns verteilen.
      Und nur wenige Stunden später, während ich mit einigen Speerträgern auf der Maueranlage Wache schiebe, ertönt aus dem fernen San-Ska-Re das markerschütternde Siegesgeschrei der gräflichen Truppen samt ihrer verbündeten Einheiten des Bundes der Heiligen Allianz.
      Gleich darauf ertönt die gesamte Insel unter den Gesängen unseres Liedes.
      Und ich, ein junger, angehender Journalist mitten unter ihnen, meinen Kameraden des Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“, mit stolz geschwellter Brust.

      Der Redaktionspraktikant,
      embedded im Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“


      P.S.:
      Auch zu diesem Eintrag gibt es einen Tipp:
      Willst du Stadtbefreien aus des Feindes Klaue,
      für seine Schandtat verpassen ihm gar Haue,
      Sei bloß nicht so leichtsinnig, nicht so verstiegen,
      dass du deine Mauerbrecher daheim lässt liegen!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 22. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern II, Pt.1

      Wir zeitigen das Ende der ersten Kriegswoche, die so typisch für die geschickte, moralisch korrumpierte Vorgehensweise des Grafen von Plüsch (und seiner Verbündeten), bereits vor offiziellem Kriegsbeginn, mit Übermittlung der Kriegserklärung, ihren Ausgangspunkt nahm und den Gegner in seiner Sonntag-nachmittäglichem Schlummerphase überraschte.
      Es war schon an Sich ein Schachzug, der von den einfachen Bodentruppen hier im Felde, an deren Seite ich die Kriegsaktivitäten begleite, ob seiner Genialität gerühmt wird. Die Hymnen auf dieses Husarenstück unserer Koalitionsstreitkräfte unter dem Banner der Heiligen Allianz, diese Hymnen werden nur noch gesteigert von den Lobliedern, die hier gesungen werden, um die List des Grafen, die man in seinem verspäteten Marschbefehl am Werke sieht, zu würdigen.
      Die Einheiten, an deren Seite ich mich an vorderster Kriegsfront befinde, deren Kampfmoral und Siegeswille ich aus nahester Nähe beobachten darf und deren Teil ich trotz meiner journalistischen Neutralität bin, eilten seitdem von Erfolg zu Erfolg. Geordnetes Chaos, das auf dem unbedingten Siegeswillen seiner wahllos im Volk rekrutierten Untertanen aufbaut, hat sich einmal mehr als überlegen erwiesen gegenüber strategischer Planung und langwierig ausgearbeiteter Vorgehensweisen.
      Herzblut. Aufopferungsbereitschaft. Überlebenswille. Angst und Schrecken.
      Diese Charaktereigenschaften stelle ich Tag für Tag aufs Neue unter meinen Begleitern fest, angefangen beim einfachen Speerträger, bis zum Oberstabsunterregimentsleutnant, von früh morgens, wenn wir uns beim Bad im Meer gegenseitig den Rücken schrubben, bis zu spät abends, wenn wir uns bei der gemeinsamen Nachtwache ein Lutschbonbon teilen.
      Ich meine sogar zu spüren wie sich diese Eigenschaften auf mich, einen im juristischen Sinne Unbeteiligten, einen Zivilisten, übertragen.
      Diese Moral trägt Früchte.
      Schlacht und Schlacht haben wir erfolgreich geschlagen, selten allein, oft an der Seite hilfreicher Verbündeter unserer Heiligen Allianz.

      Doch dann, es ist nur wenige Tage her, begann sich ein Wandel Bahn zu brechen. Nur langsam, anfänglich unbemerkt, ja, förmlich unsichtbar.

      An drei Ereignisse lässt sich diese Veränderung festmachen.
      Als erster Fixpunkt muss die verlorene Schlacht um Zscherlos herhalten, deren Verlauf ich als einziges der drei Ereignisse nicht aus dem direkten Erleben beschreiben kann, sondern lediglich aus fernröhrlicher Beobachtung sowie durch die Erzählungen einiger glücklicher, überlebender Köche zu rekonstruieren gezwungen bin.
      Betrachtet man die Geschehnisse dieser Schlacht, so komme ich nicht umhin mir einzugestehen, dass es für mein Wohlergehen besser so gewesen ist in die heimatliche Kriegspolis verlegt worden zu sein, trotz meines anfänglichen Drängens nicht aus der besetzten Stadt abgezogen zu werden. Mit Schauer erinnere ich an das Bild der brennenden Stadt, an die Vielzahl auf vertrockneten Feldern aufschlagenden Gyrokopter In meinen Gedanken tönten die Schreie der Kämpfenden, die von Wind und Distanz zwar vollkommen verschluckt wurden, die wir, die wir in unserer gut gesicherten Kriegspolis saßen und das grausige Geschehen verfolgten, aber umso deutlicher in uns spürten.
      Es war von vornherein ein Himmelfahrtskommando für die Abgestellten, die verbliebenen Stadtbesatzer, die so leichtfertig dem Großen Ganzen Geopferten. Ihre einzige Aufgabe bestand nur darin, die absehbare gegnerische Unternehmung zum Preis des eigenen Lebens so verlustreich als möglich werden zu lassen. Eine Aufgabe, die ihnen, in todesverachtender Tapferkeit, gelungen ist, … gelungen wäre, hätte nicht irgendjemand vergessen, die eigenen Katapulte in dem unscheinbaren, mitgenommen wirkenden Städtchen, stehen zu lassen.
      Niemand konnte mir, trotz meines journalistischen Enthüllungseifers, das Zustandekommen dieses Versäumnisses erklären. Selbst mein anonyme Informationsquelle im Sekretariat des Kriegspolis-Rathauses konnte mich nur auf eine geheimnisvolle Anordnung von ganz, ganz oben verweisen, die für die Entscheidung, die 18 Katapulte (samt Besatzung) in eine bereits aufgegebene Stadt zu entsenden, verantwortlich sei.
      Einer der überlebenden Köche, kurz bevor er höchstselbst unter mysteriösen Umständen verschwand, wie vom Erdboden verschluckt ist, hat mir nur noch von einer Depesche berichtet, die das gräfliche Siegel getragen haben sollte.
      Es ist sicherlich eine Lüge! Und möge er in der Hölle schmoren, dieser Koch!
      (Nichtsdestotrotz werde ich der Sache natürlich weiter nachgehen.)

      Seitdem ist es still geworden in unserem Kampfgebiet.
      Abend für Abend sitze ich mit meinen Kameraden nun um die Feuerstelle, gemeinsam darauf wartend, dass etwas passieren möge.
      Wir drehen Däumchen, spielen Mau-Mau um Geld, und einige der Dampfgigant-Piloten, die mit ihrem technischen Sachverstand, den motorischen Fähigkeiten und ihren zarten Klavierspielerhändern unser allen Bewunderung gewiss sein dürfen, haben angefangen mit ihren zarten, feinfühligen Fingern die schönsten Schals zu häkeln, die ich jemals gesehen habe. Regelmäßig besuchen wir vor lauter Überdruss gar den Tempel unserer Kriegspolis, nehmen seine kühle Schattigkeit in Anspruch, ehren den Gott unserer Staatsreligion, das Heilige Häschen, welches in diesen geographischen Gefilden als Ares, „Gott des Massakers“, bekannte ist und welches uns im Kampf die Moral zu heben vermag.
      Kein Einsatzbefehl ruft uns währenddessen zu den Waffen, in den Kampf, keine von feindlichen Angriffen kündenden Leuchtraketen schrecken uns auf, kein einlaufenden Schiffe, vollbeladen mit den schönsten Waren aus den Städten unserer verderbten Feinde, wecken unsere neugierige, elsterhafte Aufmerksamkeit.

      Wild West Romantik, Abenteuer, geheime Liebestechtelmechtel mit Einwohnerinnen besetzter Städte, Ruhm, Ehre, unehelich gezeugte Nachkommen.
      Was waren meine Erwartungen doch naiv, als ich vor einer Woche meine kleine grau-olive Reisetasche mit dem Nötigsten vollgepackt hatte.
      Wie wenig hatte ich vorausgeahnt, dass die Zeiten des Stillstandes, der langweiligen Langeweile und lähmenden Eintönigkeit den Alltag an der Kriegsfront in einem viel stärkeren Maße bestimmen, als die Momente des Aufbruchs, des Kampfes und des Martyriums.
      Meine Kameraden, als ich ihnen meine Gedanken in einer vertraulichen Stunde kundtat, schmunzelten mitleidig, gratulierten mir jedoch zu dieser Einsicht, die, ihren Worten zufolge, „einen wahrhaften Krieger auszeichnen“.

      Nur zweimal wurden wir seit Mittwoch in Bereitschaft gesetzt.
      Freitag und Samstag, fortgeschickt zum Plündern einiger abgelegener Städte des Feindes.

      Ich erinnere mich noch, wie uns am Freitag abend unser Unterleutnant im Tempel aufsuchte, uns befahl stramm zu stehen und uns dann den Marschbefehl aushändigte.
      Lewerworschd.
      Lewerworschd war das Ziel und welche Exotik ging schon allein vom Namen dieser Stadt aus, welche Schlarafflenlandartige Vorstellungen von Exzess, Reichtum und schönen, wohlgenährten Frauen erzeugte alleine der Klang ihrer Silben.
      Die Stadt lag gut zwei Stunden entfernt, wie wir im kurz darauf folgenden Einsatzbriefing erfahren sollten. Man vermutete versteckte Einheiten des geschwächten, kampfunwilligen Gegners sowie reiche Beute in der Stadt: Schwefel, Wein, mitunter gar Marmor, Holz und Kristall.
      Wie wir das Kommando bekamen uns im Hafen auf den Schiffen einzufinden, wirbelten wir freudig und voller Kampfeseifer unsere Stahlhelme in die Luft, fingen sie, schmissen sie erneut in die Höhe, und wiederholten das Ganze so lange, bis wir uns alle mit Beulen an Kopf und blauen Flecken an den Armen doch entschieden, dass wir unserer Euphorie genug Ausdruck verliehen hätten.
      Ich wurde auf das Kommandoschiff der zweiten Kampfwelle befohlen, das als sicherster Ort eines jeden Offensiveinsatzes gilt. Man gedachte mir damit einen für meine Reportage wertvollen Überblick über die Gesamtheit des Angriffs zu verschaffen. Außerdem galt es als ausgemacht unter allen Umständen mein Leben zu sichern, denn nur zu gern würde die gräfliche Armee das PR-Desaster meines Todes vermeiden wollen. Niemand, auch ich nicht, will die Schlagzeile lesen müssen: „Redaktionspraktikant im Felde gefallen. Armee unfähig das Leben eines Zivilisten in seinen Reihen zu sichern? Sollte Graf von Plüsch abgesetzt werden? Konstitutionelle Monarchie?“.
      Dennoch mag ich diese Umsorgung durch die offiziellen Stellen nicht, verabscheue ich doch die Distanz zum Kampfgeschehen. Zu sehr hänge ich mit Leib und Seele an den kämpfenden Truppen, den ersten Wellen, den Schwertkämpfern, Speerträgern und Hopliten, mit denen ich meinen militärischen Alltag teilte, von deren menschlicher Wärme und Einfachheit ich ganz eingenommen bin.
      P.S.:
      Ja, genau, der Tipp darf natürlich nicht fehlen:
      Je edler und vollkommener eine Sache ist, desto später und langsamer gelangt sie zur Reife. Der Mann erlangt die Reife seiner Vernunft und Geisteskräfte kaum vor dem acht und zwanzigsten Jahre; das Weib mit dem achtzehnten.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 23. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern II, Pt.2

      Ich befand mich im Kartenraum, in der vollen Montur einer einfachen Landstreitkraft, unter den hochrangigsten, fähigsten und bestgekleidetsten Militärstrategen unseres Reiches, die in Sachen Hochrangigkeit, Fähigkeit und Kleidungsstil nur noch den Grafen persönlich über sich stehen wissen müssen.
      Die Situation in der Enge des Raumes war für alle Beteiligten befremdlich, zu ungewohnt war diesen Männern des Schreibtischkrieges die Anwesenheit einer gewöhnlichen Kampfeinheit, selbst wenn es sich in meinem Fall „nur“ um einen Zivilisten in Militärkleidung handelte. Trotz einiger gemeinsam verbrachter Zeit auf den Feldherrenhügeln vor Pyria, Folterhof und Williford hatten wir uns noch immer nicht aneinander gewöhnt. Sie wiesen mich in einer Ecke still zu sitzen, speisten mich mit edlen Zigarren, altem Whiskey und importiertem Sushi ab, waren bestrebt mich auf diese Weise ruhig zu stellen, mich zum Schweigen zu bringen. Und ich begann meine Kameraden, die ich in der ersten Welle befindlich wusste, zu vermissen.
      Theofanis, Alexandros, Herkules Konstationos, Dimitros, Ioannis … Wie es ihnen wohl erging?

      Die Antwort auf meine Frage sollte ich früher erhalten, als erwartet, früher als gewünscht.
      Denn urplötzlich machten wir kehrt.
      Abbruch.
      Rückkehr.
      Enttäuschung.
      Versagen und Schande.
      Ich bat die Offiziere und Generäle um Aufklärung dieses Vorgangs. Doch man speiste mich mit Floskeln ab, verwies auf „Sturmwarnungen“, „Killer-Kalmare“ und „Schicksal“; Vorwände, die keine meiner späteren Überprüfungen standhalten sollten.
      Nachdem man mich ob meiner bohrenden Fragen und meiner wüsten Beschimpfungen des Kartenraums verwiesen hatte, verbrachte ich den Rest des Weges auf einer Planke an freier Luft.
      Der salzige Geruch des Meeres gab meinen düsteren Gedanken, meiner Enttäuschung eine besondere, unvergessliche Würze. Es war kühl und ich fror. Die dunkle, sternenklare Nacht belebte meine Gedanken. Ich spürte die Unendlichkeit, die Ewigkeit auf mich herabblicken. Vermutlich würden wohl selbst die Sterne, in deren Augen alles menschliche Tun so klein und gering wirken musste, angesichts dieses Desasters mit den Augen rollen, lachen, mit den Fingern auf uns zeigen.
      Ich fragte mich, was der Graf sagen, was er denken würde, wenn ihm seine Berater am frühen Nachmittag, nachdem er seinen verdienten Rausch ausgeschlafen haben würde, von dieser Mission berichtet haben würden.
      Und ich war Teil dieser Schande.
      Ich brach in Tränen aus.

      Unverrichteter Dinge erreichten wir gegen 1.30 Uhr in der Nacht wieder unsere Ausgangsstadt.
      Niedergeschlagen. Mit hängenden Schultern, selbst die Dampfgiganten.
      Ich war froh endlich meine Kameraden befragen zu können.
      Doch niemand konnte sich diesen Angriffsabbruch erklären. Selbst die Besatzung der noch später zurückgekehrten Blockadeflotte, die erfolgreich den Hafen von Lewerworschd eingenommen hatte, um unsere ungefährdete Landung auf dem Eiland zu gewährleisten, vermochte es nicht, mir meine Fragen zu beantworten.

      Erst am nächsten Morgen klärten sich einige Sachverhalte, ergaben sich einige Spuren.
      Mein geheimer Informant aus dem Sekretariat des Kriegspolis-Rathauses, der an dieser Stelle übrigens gern seine Familie in der Heimat grüßen möchte, vor allem seine Oma Aphrodite und seinen Opa Karl, die am Dienstag 42. Hochzeitstag feiern durften, und der ferner seiner Gemahlin versichern möchte, dass an den Gerüchten er habe hier eine Affäre mit seiner wohlgeformten, willfährigen Haussklavin Angelique absolut nichts dran sei, jener Informant berichtete mir erneut von einem nächtlich eingetroffenen Schreiben, von „ganz, ganz oben“. Mit fahrigen, ungestümen Worten erzählte er mir von der verschmierten Skizze einer Insel, die auf einer gräflichen Weinserviette, mit gräflichem Siegel, angeblich die krakelige Aufschrift „Unfersüglich ausfüren! Yeah!“ getragen haben sollte.

      Lange wusste ich nichts mit diesem Hinweis anzufangen.
      Doch über den Tag verteilt, gewann allmählich ein größeres Bild Kontur, fügten sich die einzelnen Puzzleteile zu einem … Puzzle eben.
      Hoplit Agamemnon, ein simpel gestrickter Bauernjunge aus der Umgebung von Pandora, den man eines schönen Sommertages direkt von seiner Feldarbeit aus für die Armee wegrekrutiert hatte, berichtete mir, wie in den hinteren Lagerräumen seines Transportschiffes der ersten Welle, vereinzelt der Aufschrei erklang, sie würden die Schiffe der zweiten Welle aus den Augen verlieren, Kurs in eine anderer Richtung nehmen als die folgenden Unterstützereinheiten.
      So schwer es mir fiel, diese Worte zu hören: ich vertraute ihm. Agamemnon war nicht der Typ Mensch, der sich Geschichten ausdachte. Er war einfach nicht besonders helle oder gedankenschnell, und das Wort Bauernschläue ging sicher nicht auf ihn zurück.

      Als wir zum frühen Samstag Abend ausfuhren um eine weitere Stadt des Feindes in Schutt und Asche zu legen, um endlich auch mal den wehrlosen Einwohnern und Einwohnerinnen ihre Schätze zu rauben, da teilte ich meine Kabine mit einem verletzten Schützen, der zum Mittag in der Kriegskantine (also unter freiem Himmel) zum Gelächter aller auf einem Schokopudding ausgerutscht war und sich dabei den Knöchel verstaucht hatte.
      Zeusi, so sein Spitzname, den er bekam da er es aus seinem Hintern in einer Weise donnern lassen konnte, dass es wohl selbst den mächtigen Zeus vor Neid erblassen ließe, war am Vorabend an Bord des vordersten Schiffs der ersten Welle gewesen. Er war als einer der Ersten bestimmt gewesen die Mauern Lewerworschds zu erblicken. Doch kurz bevor sein Transportschiff die angestrebte Insel erreicht hatte, bemerkte er wie Teile der Schiffscrew in ungewöhnlicher Hast, aufgeschreckt wirkend umherliefen. Da er zwar nicht unbedingt als intelligent gelten konnte, jedoch auch nicht auf den Mund gefallen war, fasste er sich nach kurzem Zögern ein Herz und fragte Einen in seiner Nähe mit einem anderen Besatzungsmitglied tuschelnden Matrosen.
      Zeusis Worte klingen mir noch immer im Ohr, als wenn ich sie erst gestern von ihm gehört hätte: „Nee, ey, nee. Da schwätzt mir der Typ doch volle Kanne, dass mir auf die falsche Stadt zu steuern tun, ne. Irgendso `ne Type von ganz oben hat Mist gebaut, falscher Plan oder einfach nur doofie.“ Ich sehe Zeusi vor meinem geistigen Auge, wie er sich mit der flachen Hand zwei-dreimal auf die Stirn stößt.

      Und irgendwie passt seitdem alles zusammen.
      Dunkle Mächte versuchen allem Anschein nach Graf von Plüsch zu sabotieren, sein Ansehen und seine militärische Kompetenz in den Schmutz zu ziehen. Sind es die Freimaurer? Spione und Agenten des Kriegsgegners, der Black Pearl? Die Guerillagruppen zur Etablierung einer Konstitutionellen Monarchie?
      Doch wer könnte dem Grafen überhaupt Böses wollen? Und wie tief muss ein Mensch denn gesunken sein, um derartige Bestrebungen überhaupt in seinem Kopf Gestalt werden lassen zu können?
      (Auch diesen Fragen werde ich natürlich weiter nachgehen.)

      Jedenfalls fügt sich vor diesem Hintergrund auch die Erfolglosigkeit der samstäglichen Mission in das Gesamtbild ein, als deren Ergebnis nur die Zerstörung einiger Dutzend gegnerischer Dampfgiganten und Schwertkämpfer sowie die Erbeutung von etwa einhundert Einheiten Wein und zweihundert Einheiten Holzes fest stehen. Im Gesamten eine Unternehmung, die als kostenintensiver, ereignisarmer Reinfall gelten muss, und die von den Geschichtsbüchern der Zukunft hoffentlich verschwiegen werden wird.

      Gräfliche Zensur sei dank!

      Ein Hoch auf den Grafen!
      Der Autor ist Redaktionspraktikant,
      und embedded, eingebunden, im Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“
      P.S.:
      Im Übrigen besteht kein Anlaß zur Sorge für die Fans des Rothäschen-Eposes, das jetzt doch ein Weilchen pausieren musste.
      Die Abenteuer um unser sympathisches, herzallerliebstes Heldenpaar sowie dieses bösartige, gemeine Neugiertier werden natürlich fortgesetzt.

      P.P.S.:
      Tipp again:
      Die Weiber denken in ihrem Herzen, die Bestimmung der Männer sei, Geld zu verdienen, die ihre hingegen, es durchzubringen; wo möglich schon bei Lebzeiten des Mannes, wenigstens aber nach seinem Tode.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 24. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern III

      Malaria.
      Mich hatte es voll erwischt gehabt.
      Ein Mückestich am Dienstag Abend und schon war es passiert.
      Ich erinnere mich noch an dieses kurze Stechen am nackten Hintern, als ich zusammen mit einigen Kameraden und Kameradinnen ausgiebig die vorausgegangenen Erfolge am monderhellten Strand der Kriegspolis gefeiert hatte.
      Ich erinnere mich noch, wie ich dachte: „oje, das wird doch nicht etwa die Rache des Poseidon gewesen sein“. Wie ich dachte: „Hoffentlich krieg ich jetzt nicht Ebola, … oder wie diese Krankheit heißt, die durch die blöden Mücken übertragen wird“.

      Aber da, nachdem die Mücke mich erwischt hatte, da war es schon längst zu spät.
      Gleich am nächsten Morgen bemerkte ich, wie mich die Vorboten der Inkubation überwältigten: Halsweh, starker Husten, ein allgemeines Schwächegefühl, Kopf- und Gliederschmerzen.
      Zwar schob ich es zuerst auf den übermäßigen Konsum erbeuteten Weins, doch wie es sich Mittwoch Mittag immer noch nicht gebessert hatte, ich durch den Drang mich am Hintern zu kratzen an den schicksalhaften Mückenstich gedenken musste, und ich zu allem Überfluss noch eine verstopfte Nase an mir diagnostizierte, da wusste ich was Sache war.
      Malaria.

      Drei Tage lang musste ich das Bett hüten, gepeinigt von schwerem Fieber, heftigem Husten und einem allgemeinen Unwohlsein.
      Alles was ich an Nahrung bekam, war Hühnersuppe.
      Die Feldärzte hatten mich bereits aufgegeben. Wie ich am späten Mittwoch bei einem von ihnen vorstellig wurde, ihm meine Symptome aufzählte und ihn unterrichtete, dass ich Malaria hätte, da schickte er mich nur kopfschüttelnd zurück in mein Quartier, verordnete mir Bettruhe und empfahl mir mehr Obst zu essen.
      Keine Behandlung. Nichts.
      Dabei weiß ein Jeder, zu welchen Leistungen die Feldärzte der gräflichen Armee fähig sind, wie sie bis zuletzt um jedes Untertanenleben kämpfen solange sie bei ihrer herausragenden medizinischen Bildung noch ein Fünkchen Hoffnung auf Überleben und Heilung erwarten. Jeder, der schon einmal das unermüdliche Wirken der Ärzte an vorderster, umkämpfter Front erleben durfte, ihren Einsatz beim Stillen von Blutungen, beim Injizieren der Morphium-Dosierungen oder beim häufigen Abtrennen unrettbar zerschossener Gliedmaßen bewundern konnte, weiß zu welch Leistung diese Götter in Weiß in der Lage sind.
      Und ich musste mich mit einem resignierenden Kopfschütteln abfinden.
      Jeder Andere hätte bei dieser Diagnose sicher jegliche Hoffnung und Zuversicht verloren. Doch ich, in meiner todbringenden Erkrankung, fand mich selbst dafür zu geschwächt.

      Wahrlich, es erscheint mir als Wunder, als göttliche Fügung, als Segen des allmächtigen Poseidon, dass ich heute dennoch wieder genug Kraft in mir spüre um meine antike Schreibmaschine zu halten. Ich kann nicht sagen welchen glücklichen Umständen es zu verdanken ist, dass es mir wieder möglich ist, die Ereignisse der vergangenen Tage kurz und bündig zu Papyrus zu bringen. Ist es mein journalistischer Eifer? Eine Folge positiver Anpassung an das soldatische Pflichtgefühl? Mein fester Wille die Welt von den Heldentaten und der Selbstaufopferung meines Regiments wissen zu lassen? Oder ist es das Ergebnis einer robusten Gesundheit? Von gottgleicher Unverwundbarkeit?
      Wie gesagt, ich weiß es nicht.
      Ich erachte diese Frage auch als nebensächlich, schließlich soll es an dieser Stelle nicht um mich gehen!

      Da ich die letzten Tage, mehr tot als lebendig, in meinem harten Feldbett zugebracht habe, kann ich leider keine persönlich erlebten Begebenheiten zum Gegenstand meiner Reportage machen. Ich bin so gezwungen in einem ungeheuerlichen Maße auf Hörensagen und Gerüchte für meine Berichterstattung zurückgreifen zu müssen.
      Prinzipiell spottet ein derartiges Vorgehen jeglicher journalistischer Grundwerte. Doch ich möchte zu Bedenken geben: ich habe mir von Armeeangehörigen berichten lassen, von einfachen Menschen, an deren Gesinnung und Glaubwürdigkeit nicht der geringste Zweifel bestehen kann! Es sind Untertanen des Grafenreiches. Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Enkel, Urenkel, Ururenkel, Verwandte und Freunde von uns allen. Es sind Untertanen, die ihre moralischen Standards nach dem gelebten Vorbilde des Grafen ausrichten. Es sind Untertanen in Uniform, die bereit sind ihr Leben zu geben, uns allen zur Ehre. Es sind Helden, auf deren Hörensagen ich meinen Bericht aufbaue.
      Ich bin stolz darauf mit diesen Menschen an vorderster Front für das Gute in der Welt zu kämpfen, unsere ferne, sichere Heimat, unseren bescheidenen und unseres Grafen immensen Wohlstand zu schützen, und ein jeder, der an den Berichten dieser Männer und Frauen zweifelt, der ist in meinen Augen unpatriotisch und ein Landesverräter!

      Das wichtigste Ereignis zuerst:
      Unsere militärischen Erfolge der letzten Zeit und mehr noch unsere Erfolge beim Brandschatzen und Rauben in unterworfenen Städten, haben es unserem geliebten Grafen ermöglicht einen seiner vielen Statthaltersitze zu erweitern, auszubauen, im Glanze seiner Herrlichkeit erstrahlen zu lassen.
      Angeblich, demnach was man hier so munkelt unter uns Angehörigen des einfachen Volkes, wurde des Grafen Statthaltersitz um einen überdachten Tennisplatz-Anbau erweitert. Dank dieser sinnvollen Anschaffung wird er sich körperlich betätigen, sich fit halten können, auf dass uns sein gestählter Körper für viele weitere Jahre mit seiner Herrschaft beglücken können wird (was wohl auch notwendig sein wird, denn von der Aussicht auf einen Nachkommen, der die Thronfolge antreten könnte, ist schließlich nicht allzu viel zu vernehmen).

      Auf den Schlachtfeldern, ob maritim oder nichtmaritim, sieht die Lage offenbar ebenso erfreulich aus.
      Selbst von meinem Quartierplatze aus höre ich tagtäglich das rege Treiben an den Hafenanlagen, diesen wohligen Klang ausbrechenden Jubels bei der Rückkehr erfolgreicher Schlachtenfahrer, dem lauten Geschrei der Hafenarbeiter beim Löschen der mehr oder weniger vollbeladenen Plünderschiffe, und später, dem rumpelnden Beladenwerden der Schiffe mit den wertvollen Gütern dieser antiken Weltgegend, auf dass sie in der Heimat uns allen zu Nutzen sein werden, unseren Mitbürgern von den großartigen Taten ihrer uniformierten, tapferen Mitbürger künden werden.
      Wie wahr. Man vernimmt nicht immer nur freudige Geräusche bei der Rückkehr der Kämpfenden. Wie oft mischt sich unter die aufschwellende Heiterkeit und die brandenden Glücksrufe doch vereinzeltes Schluchzen um einen Zurückgebliebenen, die Trauer um einen Freund oder einen nahen Angehörigen.

      Unbestreitbar haben die vielen Erfolge der letzten Tage eine recht große Zahl unserer Einheiten mit dem Leben bezahlen müssen.
      So ist Krieg.
      Selbst meine erfahrenen Kameraden, mögen sie im Kriegsgeschehen noch so oft gescherzt und jede Gefahr geringgeachtet haben, habe ich eine Träne verdrücken sehen, wie sie an meinem Bett saßen und mir mit gebrochener Stimme von den „Hoffnungslosen 62“ berichteten.
      Ja, die „Hoffnungslosen 62“ oder die „Geopferten 62“, wie sie in einer anderen Kompanie genannt werden. Sie waren 62 Speerträger, die man mit der wichtigen Aufgabe betraut hatte, in mehreren Wellen insgesamt 90 Gyrokopter auf selbstmörderischer „Ballonplatz“-Mission zu begleiten, sie sicher in die Zielstadt zu geleiten. Zum Wohle und zum Schutze der Artillerie, von teurem, kostbaren Kriegsgerät, das militärisch nun einfach mal einen höheren Wert hat als 62 Speerträgerleben.
      Im Nachhinein vermag keiner zu sagen, warum es gerade 62 Speerträger sein mussten, die für diese Mission auserwählt wurden. Angeblich, wie mir ein erfahrener Kamerad flüsternd mitteilte, hätte auch die Entsendung von lediglich drei Speerträgern gereicht.
      Seitdem machen hier in unserem Feldlager Gerüchte die Runde. Man spricht von einer aufgedeckten Verschwörung, von feindlichen Spionen, von persönlichen Antipathien. Die geläufigste Theorie, die gerade durch Einfachheit und Nachvollziehbarkeit besticht, erklärt das Opfern der 63 Untertanen als bloße Aufschneiderei gegenüber dem Gegner: „Seht her wie weit zu gehen wir bereit sind, wie wenig Achtung vor dem Leben wir haben!“ bzw. „Wow, wie viele Einheiten wir haben, so viele, dass wir einige von ihnen sogar völlig unnötig opfern können!“
      Ein hoher Preis. Mag das Ziel auch noch so ehrenwert sein.
      Ioannis, der unterhaltsame, lebenslustige Spaßvogel des Nachbarquartiers war einer der 62.
      Auch er ist nicht zurückgekehrt.
      Ich danke dir, Ioannis.
      Die Artillerie dankt es dir!

      Der Autor ist Redaktionspraktikant,
      und embedded, eingebunden, im Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“
      P.S.:
      Auch heute dürfte das wieder ein Doppelpost werden, dadurch dass gleich noch ein größerer Block der offiziellen Rothäschen-"Tagebuch"-Serie als eigenständiger Eintrag folgen wird.
      Da soll es schließlich auch mal vorangehen ... und ich hoffe diese vom direkten Spielgeschehen etwas abweichende "Berichterstattung" passt noch in die Tagebuch-Bereichsregeln, wenn ich's ausnahmsweise mal als eigenständigen Post hinstelle :schämen:

      P.P.S.:
      Der Tipp noch :)
      Große Pläne scheitern manchmal an der Ungeduld.
      Wenn du akzeptierst, dass es noch weit ist bis zum Ziel, wirst du es schneller erreichen als erwartet, und die Zeit zu deinem Verbündeten machen.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 25. Eintrag

      Rothäschen und das böse Neugiertier
      Ein märchenhaftes Lehrstück, in dem auch eine nette Trollin eine nicht geringe Rolle spielt
      – Teil 16

      Wie sie bereits die ersten kerzenbeleuchteten Fenster der kleinen Seniorensiedlung „Zur vorletzten Ruhe“ im abendlichen Dunkel erblicken konnten, da ertappte sich Rothäschen bei dem Wunsch der Weg zu seiner lieben Oma würde länger dauern, ewig.
      Es fühlte sich schuldig bei dem Gedanken, denn es hatte seine Oma ganz doll lieb und konnte sich unmöglich ernsthaft wünschen, dass sie noch weiter von ihm entfernt wohnen würde. Nur irgendwie … . Es konnte sich das nicht erklären. Es spürte nur den innigen Wunsch seiner Retterin nicht „Danke für alles und Auf Wiedersehen“ sagen zu müssen, sie aus den Augen verlieren zu müssen, ja überhaupt ihre Hand jemals wieder los zu lassen.

      Doch das Haus der Oma lag in Reichweite.
      Nachdem sie das leere Amphitheater der Siedlung hinter sich gelassen hatten, tauchte es bereits in ihrem Blickfeld auf: klein aber behaglich, bescheiden aber ordentlich und gepflegt, leicht verhuscht aber einladend und gastfreundlich. Eine Wohnstätte auf die die antike Redwendung wie die Faust aufs Auge passte: „Wie nach außen das Haus sich zeigt, tut’s kund wie sein Bewohner ist geneigt.

      Doch selbst aus der Ferne wirkte heute etwas ungewöhnlich an Omas Haus.
      Keine Schwade schweren, nach verbranntem Olivenholz riechenden Rauches verließ den kleinen, gemauerten Schornstein. Kein Laut einer sich dem Back- und Kochhandwerk widmenden betagten Dame durchdrang den abendlichen Frieden. Nicht ein einziger Lichtschimmer erhellte das in völliger Finsternis liegende Häuschen. Und das zu ihrem Geburtstag.
      War sie wieder in ihrer Lieblingstaverne? Zum Bingo-Abend? Aber die fanden doch nur an Samstagen statt und heute war schließlich Mittwoch.
      Doch so unscheinbar und leer hatte Rothäschen das Häuschen seiner Oma noch nie wahrgenommen.
      Oma wird doch nicht etwa …“, murmelte Rothäschen sich schon die schlimmsten Szenarien ausmalend, Vadas lehrreichen Bericht unterbrechend, den sie gerade zum Thema „Marketing-Mix für das Produkt „Anti-Aging“-Smarties“ smalltalkte.
      Wie oft hatte Rothäschens Oma ihm davon erzählt, dass sie nicht ewig da sein würde, sie irgendwann nicht mehr unter ihnen weilen würde. Rothäschen hatte sich das nie vorstellen können, und nun ließ die Sorge um das Wohlergehen der Oma sein kleines, am heutigen Tag schon so leidgeprüftes Herz zusammenziehen.
      Da stimmt irgendetwas nicht, Vada!
      Schon im hastigen Hoppeln begriffen, setzte er der Trolline seine Besorgnis auseinander, die Oma könnte ihren letzten großen Wunsch in die Tat umgesetzt haben und die Erlebniskreuzfahrt „Hades“ angetreten haben, von der sie ihm einige Male als „letzte große Reise“ berichtet hatte.

      Vada, die des Rothäschens Besorgnis und seine wirre Beschreibung derselben erst für eine seiner typischen „Eigenheiten“ hielt, ließ sich eines Besseren belehren als sie die einen Spalt breit offen stehende Tür und das zerbrochene Fenster bemerkte.
      Mit festem Griff umklammerte sie ihren Wanderstab, hielt es jedoch für angebrachter dem aufgelösten Rothäschen ihre Entdeckung nicht mitzuteilen. Ihren Begleiter zur Behutsamkeit zu gemahnen, dafür war es längst zu spät, schließlich stürmte Rothäschen, die beiden Hälften des Lebensmittelkorbes umherschleudernd, bereits ungestüm auf die Tür zu.
      „Omilein. Liebstes, allerliebstes Omilein,
      ich bin’s, Rothäschen, dein Enkel-Klein,
      begleitet von diesem mut’gen Troll-Fräulein.
      Lass uns bitte in dein warmes Häuschen ein.“

      Vada wunderte sich, dass das Rothäschen in dieser Situation noch die Nerven hatte zu dichten. „Sympathisch. Und immer für eine Überraschung gut, dieses liebenswerte Fellknäuel“, wisperte sie ihren warmen Gedanken in den frischen Wind, den Wanderstab weiterhin fest umgriffen, die Sinne geschärft.

      Die Haustür knarrte hölzern, wie Rothäschen sie aufstieß.
      Entgegen seiner Gewohnheit trat es nach einem kurzen Moment des Zögerns mutig ins Hausinnere.
      Omilein. Bist du zu Hause? Bist du auf Kreuzfahrt?
      Als es keine Antwort erhielt, rief es schließlich lauthals, mit beinahe tränenerstickter Stimme „Omileeiiiiiiiiiin! Omileeiiiiiiiiiin!

      Es blieb für einige Momente, in denen Rothäschen und Vada fragende Blicke miteinander austauschten, still.
      Bis sie plötzlich von einem Husten überrascht wurden, der aus dem Schlafgemach des behaglichen, kleinen Hauses zu ihnen drang. Nach einem weiteren schweren Husten ertönte eine krächzende, so gar nicht nach des Rothäschens Oma klingende Stimme aus eben jener Richtung: „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Neug…, des feisten Hasen durchtriebene Oma heiß. Jawohl, du schurkischer Hase, ich bin anwesend in meiner charakterlosen Häuslichkeiten und weder hinfort, auf diesem Kreuzfahrt-Ding von dem du sprachest, noch bin ich gar gefesselt und geknebelt auf dem ersten Wandregal des Abstellraumes befindlich.

      Erleichtert atmete Rothäschen aus.
      Endlich würde es seiner Oma herzlich zum Geburtstag gratulieren können, von ihr gedrückt werden können, gemeinsam mir ihr den Abend verbringen können, wenn auch ohne das beide in den Genuss von Geburtstagskuchen und Ouzo kommen würden.
      Spürbar war seine Freude, sah man wie sich sein sorgenvoller Blick und seine geknickte Körperhaltung in Wohlgefallen auflösten.
      Auch Vada ließ einen Teil der aufgebauten Anspannung von sich abfallen. Doch ihr blieb ein mulmiges Gefühl. Die offene Tür und die zerbrochene Fensterscheibe stellten noch immer Rätsel dar, denen sie auf den Grund zu gehen gedachte. Ihr verlangte es nach Antworten, auch wenn in ihr der Gedanke an den nächsten Tag, den sie zeitig in der Früh zu beginnen hatte, verstärkt in ihr Bewusstsein drängte. Längst sollte sie eigentlich beim Abendbrot zu Hause sitzen. Es war die krächzende, grauenvolle Stimme der Alten, die diesen Gedanken rasch beiseite wischte, ihn vielmehr ersetzte durch die unbestreitbare Gewissheit, dass etwas nicht stimmte.
      Herüber zu mir, schurkisches Geschöpf, zu mir, die ich da dahingestreckt von wuchtigen Anfällen des Fiebers, des Hustens, der der Heiserkeit, darnieder in meinem Bette zu liegen gezwungen bin, des Aufstehens unfähig und achso unverträglich gegenüber Licht und ganz besonders gegenüber weiblichen Trollen mit Wanderstäben. Ach, komm’ zu mir herüber, mein garstiger Enkel-Ekel-Hase, allein, nur mit deiner düsteren, schwarzen Seele und den vielen Fähnchen, die du gewohnt bist in deiner Pfote bei dir zu tragen.

      P.S.:
      Und natürlich auch hier noch der Tipp:
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut!
      Übe dich in Geduld.



      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 26. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern IV

      Ich erinnere mich noch als wären mir alle diese aufregenden, lebensgefährlichen Begebenheiten, von denen ich hier reportiere, erst gestern widerfahren.

      Es war Dienstag, der vorletzte Dienstag im November. Draußen schien die Sonne am wolkenfreien Himmel, ohne dass ihre Strahlen jedoch zu wärmen vermochten. Hörbar zog ein frischer Nordwestwind durch den dichten Bewuchs unserer südeuropäischen Nadelwälder.
      Der wohlbekannte Geruch verbrannten Fleisches füllte den Raum unseres Quartiers. Mein neuer Stubenkamerad Charlie. Sein wonnevolles, abwesendes Stöhnen ließ mich erkennen, dass die Morphiumspritze endlich ihre Wirkung entfaltet hatte, nachdem ich und meine vier weiteren Quartierskameraden bereits die Nacht über von seinen Schmerzensschreien wach gehalten wurden.
      Charlie hatte es erwischt, als Hoplit, gleich in seinem ersten Gefecht . Diese verdammte Mauer aber auch! Und es war jedes Mal das Gleiche! Die Vorgesetzten konnten die einfachen Einheiten noch so sehr ermahnen, noch so sehr warnen, es fanden sich, wenn es ernst wurde und die gegnerische Mauer schließlich vor den Kämpfenden auftauchte, immer einige Unbedarfte, Leichtsinnige und Pechvögel, die durch herunterstürzenden Steine des einbrechenden Mauerwerks erschlagen wurden oder dank des Wirkens der Mauerartillerie ihre gewaltsam reduzierte Lebenszeit damit beginnen mussten die Quartierskameraden vom Schlaf abzuhalten.

      Aufgrund dieser ungünstigen äußeren Gegebenheiten vermochte ich es nur schwerlich meiner Müdigkeit die nötige Konzentration abzuringen.
      Doch die Ereignisse der letzten Tage verlangten in Worte gefasst zu werden.
      Ich erinnere mich noch wie ich einzelne Sätze formte. Auch wenn mir die Aufzeichnungen dieses Morgens im Laufe der darauffolgenden Tage verloren gegangen sind, so sind mir einzelne, besonders geglückte Wendungen im Gedächtnis doch noch abrufbar:
      "Was Kläuschen nicht lernt, lernt Klaus nimmermehr!“
      "Ein leckerer Schokopudding als Nachtisch ist des einfachen Kämpfers höchstes Glück, mag das vorangegangene Mahl auch noch so karg gewesen sein! Graf von Plüsch, hören sie auf die schokopudding-hungrigen Mägen ihrer Männer und Frauen im Felde! Herr Graf, sparen sie nicht am Schokpudding!“

      Gerade wie ich mich bei dem Gedanken erwischte, dass Olivenwackelpudding als Nachtich sicher eine nette Abwechslung beim Mittagessen wäre, wurde ich von einem plötzlichen Donner aufgeschreckt.
      Es folgte gleich darauf ein weiteres vereinzeltes Krachen in der vormittäglichen Stille, ohne dass es mir sofort gelang die Lage zu erfassen. Um Aufklärung meiner Ungewissheit bemüht, schlich ich mich in Richtung des Quartierfensters.
      Noch bevor ich in meinem schlürfenden Gang das Zimmer durchschritten hatte, brach in unserer kleinen, gemütlichen und friedlichen Kriegssiedlung die Hölle los.
      Geschoß um Geschoß schlug unter heftigem Tohuwabohu allerorten ein.
      Schreie brandeten auf, Zeichen überrumpelten Schreckens.
      Schwerer, dunkler Rauch, eine Mischung aus Schießpulver und aufgewirbeltem Erdreich, schluckte zunehmend das herbstliche Sonnenlicht.

      Ich lief hastig nach draußen, bereit den glückselig in seinem Morphium-Delirium schwebenden Charlie seinem traurigem Schicksal zu überlassen. Einer plötzlichen Empfindung nachgebend, und meine journalistischen Neutralitätsstandards gedanklich beiseite wischend, eilte ich zurück und schulterte den Verwundeten. Es ging schließlich um ein Menschenleben! Und wenn Charlie, aus welthistorische Perspektive betrachtet, sicher nicht für sich in Anspruch nehmen konnte, irgendetwas Besonderes zu sein, oder den Lauf der Welt auch nur in irgendeiner Weise zu beeinflussen, so war er doch ein Mensch. Kostbar und einzigartig, auf seine ihm eigene, etwas einfältige Weise. Zum Teufel mit der journalistischen Neutralität! Zum Teufel mit der Pflicht nur Berichterstatter, nicht Handelnder, Eingreifender zu sein! Zum Teufel damit!

      Charlie mit mir tragend, rannte ich keuchend ins Freie.
      Wo war das Feldlazarett?
      Hinter mir spürte ich wie die todbringenden Geschosse des Feindes unser Quartier trafen, die einfache Blockhütte ratzfatz in Schutt und Asche legten.

      Nachdem ich Charlie in die Obhut unserer fähigen Ärzteschaft übergeben hatte, die ihn gleich darauf in einer dunklen Ecke des Lazaretts mit allerlei anderen Verwundeten aufschichteten, spurtete ich voller innerer Unruhe in die Richtung, von der der Kampflärm ausging.
      Ich landete am Hafen.
      Eine Seeschlacht. Direkt vor mir.
      Schiffe versanken, Matrosen schwammen, Frauen und Kinder trieben in niedlichen, kleinen Rettungsbooten auf das offene Meer hinaus.
      Allmählich erkannte ich die Frontlinie und die Kräfteverteilung.
      Es sah gut aus, erfolgsversprechend .
      Und Wellen gegnerischer Verstärkung waren auf der Weite des Meeres nicht auszumachen.

      Ich hatte genug gesehen.
      Schließlich war ich nicht hier um Maulaffen feilzuhalten.
      Wir standen unter Feuer. Unter massivem Feuer.
      Die Geräusche krachender Schiffsplanken und tosender Wellen hinter mir, rannte ich auf die Stadtmauer zu, an deren Trümmern ich den heftig tobenden Landkampf vermutete.
      Auf dem Weg dahin bot mir ein erschöpfter Schütze sein Gewehr an.
      „Zum Teufel mit journalistischen Neutralitätsstandards!“, dachte ich noch so bei mir, und nahm ihm dankbar das Gewehr ab, „nun werde ich den Feinden meines Grafen einheizen!“ (An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht verschweigen, dass zu meiner Beschämung auch eine gehörige Portion Selbsterhaltungstrieb zu dieser Entscheidung beitrug, nicht zuletzt da doch durch die Berichterstattung des gräfliche Militärinformationsdienst allgemein bekannt ist, wie unser moralisch zutiefst korrumpierter Feind mit Gefangenen umspringt, unabhängig davon ob es sich um Kriegsgefangene, Verwundete oder Zivilisten handelte.)

      Nahe des Kampfgeschehens angekommen, ließ mich mein fachkundiger Blick trotz des Schlachtengetümmels früh feststellen, dass es ganz ordentlich für die gräfliche Armee aussah: die Schlachtenreihen standen wie sie stehen mussten, die Flanken des Gegners waren schon in Auflösung begriffen und der Vorteil deutlicher Lufthoheit schien auch auf unserer Seite zu liegen.
      Auch die schamvolle Geräuschkulisse verschreckter, überrumpelter Kampfeinheiten war längst abgelöst wurden vom heroischen Geschrei schmerzlich Verwundeter, begleitet von den siegesgewissen, menschenverachtender Führungsanweisungen unserer Generalität.

      Wie mich ein mir unbekannter Feldwebel erblickte, kommandierte er mich, da man mich aufgrund des Gewehrs wohl fälschlicherweise für einen Schützen hielt, in die Fernkampflinie. Ich hatte zwar keine Ahnung vom Schießen, doch ich gab mein Bestes indem ich die sechs gewehrtragenden Kameraden nachahmte, mit denen ich meinen Kampfplatz teilte: Alle paar Minuten legte ich das Gewehr an, justierte Kimme und Korn, ohne das ich wusste, was Kimme und Korn überhaupt sind, und drückte dann den Abzug.
      Darauf folgte dann stets aufs Neue dieses leere Klacken, das irgendwie ganz anders klang als dieses kräftige, feuerspeiende „Kawumm“ der anderen Gewehre.
      Demnach was ich später unter der Hand von einem Bekannten erfahren habe, reicht es für einen erfolgreichen Schützen anscheinend nicht aus, nur ein Gewehr in die Hand gedrückt zu bekommen. Es empfiehlt sich vielmehr, auch Kugeln und ein Antriebsmittel, also die sog. „Munition“ und das sog. „Schwefel“, zu erhalten, damit das Gewehr im Gefecht seine ganze Wirkung entfaltet, man Schrecken und Verderben über die einfachen Hopliten und Dampfgiganten des Feindes hereinbrechen lässt, und man sie nicht nur aufgrund der blitzblank-blitzenden Gewehrläufe oder der selbstgemachten „puff, bäng, ptschuuu“-Geräusche beeindruckt und einschüchtert.

      Wir haben trotzdem gewonnen.
      Die Motivation, der Kampfeswille und die schiere Überzahl unserer tapferen Schwertkämpfer hatte die Entscheidung zu unseren Gunsten gefällt.
      Zwar hatten die Lufteinheiten auch eine ausschlaggebende Rolle gespielt, doch wir Landeinheiten mögen die antike Air Force nicht, egal wie gut sie kämpft oder wie oft sie uns schon den Hintern aus höchster Not gerettet hat! Wir mögen sie einfach nicht. Basta!

      Die Freude war groß nach diesem Sieg , der dem knappen Sieg zur See zeitnah folgte.
      Auch ich freute mich. Immerhin hatte ich meinen, kleinen Teil zum Erfolg beigetragen. Ohne auch nur einen Schuss abgefeuert zu haben! Ohne meine journalistischen Neutralitätsstandards verletzt zu haben.
      Einzig die Frage, wie uns der Feind derart überraschen konnte, wie wir ihm anfänglich in diesem heillosen Chaos gegenübertreten mussten, verlangte einer tiefer gehenden Untersuchung.
      Ich bin der Sache nachgegangen, so wie es meiner eigentliche Aufgabe in diesem Krieg entspricht: Frontberichterstattung! Unmittelbar, direkt, wahrheitsgetreu, vertrauenswürdig, zum Wohle der Öffentlichkeit.
      Doch angesichts der Ereignisse, die diesem Auftakt gefolgt sind, sind die Versäumnisse und Pflichtverletzungen unserer Generalität, die ich dabei entdeckt habe, absolut vernachlässigenswert.
      Ich möchte mich deswegen mit bloßen Stichworten begnügen: unsittlichen Ausschweifungen im Offizierskasino; Langeweile; Faulheit; Leuchtraketen als einziges Warnsignal vor feindlichen Angriffen; die einseitige Aufstellung der Leuchtraketen im Ostteil der Kriegspolis, was sich gerade bei tiefstehender Morgensonne als fatal erwiesen hat.
      Der Autor ist Redaktionspraktikant,
      und embedded, eingebunden, im Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“
      P.S.:
      Der Tipp, heute ein Tipp in Bildern:



      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 27. Eintrag
      In Stahlgewittern V

      Unsere kleine, bescheidene Kriegssiedlung war knapp einer Katastrophe entronnen, und wir begingen diesen glücklichen Umstand in der feierlichen Würde, die sich für ein derartiges Ereignis geziemt.

      Wir sangen.
      Bachs „Toccata und Fuge in D-Moll“. Ein Instrumental. Auf diese Weise konnten auch die Schüchternen in die euphorische Ausgelassenheit einstimmen, niemand von ihnen musste sich ausgeschlossen fühlen.
      Es folgten weiter Gesänge.

      Einige besonders leidenschaftliche Hopliten plünderten währenddessen die angehäuften Weinvorräte aus den Lagerhäusern.
      Die Vorgesetzten ließen es ihnen durchgehen, solange sie sich nicht an dem für den Grafen vorgesehenen Wein vergriffen und sich stattdessen mit dem billigen Verschnitt begnügten, der für die Witwen und Waisen in der Heimat bestimmt war. Immerhin galt es die Truppen bei Laune zu halten.
      „Beschwippst kämpft sich’s unbeschwerter!“
      Diese geflügelte Armeeredewendung kam nicht von ungefähr.
      Doch wie hätten diese diese bedauernswerten Tölpel wissen sollen, was ihnen bevorstand, für welch prestigeträchtige, aber militärisch und strategisch völlig belanglose Unternehmungen man sie längst eingeplant hatte.
      Erfolg stellt sich nur ein, wenn man zu seiner Erreichung auch zu mehr oder weniger sinnlosen Opfern bereit ist. Von nichts kommt nichts. Das Glück winkt nur dem Tüchtigen. Hauptsache nicht bei der Air Force.

      So begingen wir diesen, unseren Sieg in aufgelöster Freude, während unsere Oberunteroffiziere und Generalsadjüdanten bereits über den Planungen zu den nächsten Einsätzen saßen.
      Weder unseren Vorgesetzten, geschweige denn uns, fiel auf, wie der Feind, in seiner für ihn typischen Ehrlosigkeit und Unberechenbarkeit urplötzlich den Hafen unserer beschwingten Kriegspolis blockierte . Ruchlos hatte er die Schwachheit unserer Flotte nach seinem letzten Angriff ausgenutzt.
      Doch da wir es nicht mitbekamen, interessierte es uns nicht.
      Wir polonaisten lauthals krächzend durch die Trümmer unserer temporären Kriegsheimat, keinen Gedanken an die sich abzeichnende Frage verschwendend, wo wir denn die Nacht verbringen würden wo doch kaum eine der „Quartiere“ genannten Holzbaracken stehen geblieben war.
      „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse …und Odysseus greift Athene von hinten an die Schultern“

      Was waren wir alle fröhlich.
      Noch.

      Am frühen Nachmittag erhielten die Mannschaften die Einsatzbefehle.
      Xinti , Hephaistos , Schwefelberg.
      Ich durfte nicht mit. Man verbot es mir sogar, mich in Frauenkleidern zu kostümieren, wie ich es bereits ein-, zweimal getan hatte um mich doch heimlich unter die Kampftruppe zu mogeln. Anscheinend hatte irgendjemand meinen pfiffigen Trick an die Vorgesetzten gepetzt.
      Offensichtlich schätzte man mein Leben noch immer als zu wichtig ein, um es auf aussichtslosen Missionen unnötig tödlichen Gefahren auszusetzen.
      Ich hatte in „Piratenjagd“ zu verweilen. Durfte das Schlachtengetümmel einmal mehr nur aus der Ferne vernehmen und empfand die Behandlung, die man mir zukommen ließ als Skandal.
      Wir in Piratenjagd Zurückgebliebenen wurden noch mehr herabgewürdigt, indem man uns die angeblich ach so lebenswichtige Aufgabe auftrug schnellstmöglich, zack-zack, den Bau notdürftiger Behausungen für die Nacht auszuführen.
      „Ich bin Journalist und Kampfeinheit, kein Häuslebauer!“, schrie ich unserem Hauptmann Apostelus gedanklich ins Gesicht.
      Dann fügte ich mich halbherzig, zersägte lustlos mehrere Holzscheite und bohrte einige dünne Bretter.

      Entgegen aller Erwartungen und Planungen geriet nur die Schlacht um Hephaistos zum verlustreichen Flop. Keiner, den ich befragt hatte, wusste zu sagen, was in den anderen Kämpfen schief gegangen war und man schob den glücklichen Ausgang dieser Schlachten auf die mangelnde Befähigung des Gegners ordnungsgemäß Widerstand zu leisten oder leisten zu wollen.
      So eilten unsere Mannschaften von Sieg zu Sieg, erplünderten reichlich kostbare Beute und fügten dem Gegner manch kleinen Verlust zu.
      Holz, Marmor, Schwefel, Wein, unsere Lager füllten sich, und die Schiffe, die schwerbeladen in Richtung Heimat ablegten, gingen in die Dutzende.

      Diese erfolgreiche Glanzzeit währte nur kurz.
      Aus der Heimat trafen zunehmend besorgniserregendere Nachrichten ein. Schon länger war uns bekannt gemacht worden, dass der Feind an anderen Kriegsschauplätzen Boden gut gemacht hatte und so manchen Angriff eines Heiligen Allianzlers trickreich abwehren konnte. Immer häufiger hörten wir dergleichen Nachrichten, mochten die Verschleierungsversuche von militäradministrativer Seite noch so bemüht sein. Wir schätzten uns ein jedes Mal glücklich, dass diese Kriegsgebiete so weit entfernt waren und die Offiziere wenig Interesse hatten lange Zeit auf See zu verbringen, drohte es ihnen doch zusammengepfercht zu werden mit den übelriechenden einfachen Mannschaften und einem gewissenhaften, engagierten Reporterpraktikanten, der unbequeme Fragen zu stellen pflegte. Dazu kam die erhöhte Gefahr des Scheiterns, für das niemand die Verantwortung hätte übernehmen wollen. So redete man sich ausgiebig damit heraus, den Feind auch in diesem Gebiet in Schach halten zu müssen. Strategische Nachhaltigkeit, kriegsentscheidender Sektor und so.
      Doch die Neuigkeiten, die uns am Abend des 24ten in Piratenjagd erreichten, offenbarte dass auch der gräflichen Armee und mehr noch dem gräflichen Herrschaftsbereich unruhigere, gefährlichere Zeiten bevor standen.
      Der Feind hatte es, höchstwahrscheinlich mittels der Verbreitung von Halbwahrheiten, Propaganda und des Sympathie erheischenden Einsatzes niedlicher Katzenbabys, vollbracht Verbündete zu gewinnen. Kampferprobte Verbündete. Erfahrene und gefürchtete Krieger!
      Eine neue Dimension der Niedertracht eröffnete sich uns.
      Anfänglich waren es nur zwei Verstärkungen, doch ihre Zahl wuchs sprunghaft in den darauffolgenden Stunden und Tagen. Nummer drei und vier folgten. Schließlich Nummer fünf, Hakk.
      Das Kräfteverhältnis war gekippt. Es drohte eine andere Art von Krieg, eine, die auch Risiko beinhaltete, die Vorsicht verlangte und drohte Leichtsinn, Übermut und Fehler gnadenlos zu bestrafen.

      Die Beklemmung unter meinen Kameraden in „Piratenjagd“ war deutlich zu spüren, selbst wenn für Diejenigen, die nicht mein journalistisches Einfühlungsvermögen besaßen. Ungewissheit, Zweifel, möglicherweise sogar Anwandlungen von Furcht bei dem Einen oder Anderen verdüsterten den Blick in die Zukunft.

      Doch Abhilfe nahte.
      In Form einer weiteren Nachricht aus der fernen Heimat.
      Der Ausbau des letzten Statthaltersitzes war erfolgt. Früher als erwartet.
      Das Reich des Grafen würde endlich eine zweite Weinstadt bekommen können. Goldene, glorreiche Zeiten versprachen anzubrechen.
      Endlich genug Wein zum Trinken! Für alle! Und nicht mehr nur für die Wohlhabenden!
      Ein jeder von uns empfand den Wunsch teilzuhaben an dieser alkoholhaltigen Glücksperspektive.
      Siegreich kämpfen und Überleben also.
      Die Grundvoraussetzung um nach Kriegsende heimzukehren, um eine Familie zu gründen, um sich mit harter Arbeit einen bescheidenen Wohlstand aufzubauen.
      Siegreich kämpfen und Überleben!
      „Welch aberwitzige Kombination, ein klassischer Zielkonflikt“, dachte ich mir und schwieg gedankenversunken, nicht in die neu erwachte Zuversicht meiner Kameraden einstimmend.
      Denn die Meldung aus der Heimat klang nicht wie die sonstigen Erfolgsmeldungen: es fehlten nicht nur die geheuchelten Plattitüden, „zum Wohle des Volkes“, usw. usf., die die Pressesprecher des Grafen ihm für gewöhnlich in den Mund legten. Es fehlte überhaupt eine anerkennende Erwähnung seiner gräflichen Exzellenz.
      Offenbar befand er sich noch immer in der Phase tiefer Schwermut, die ihn infolge der plötzlich erfolgten, dafür umso längeren Abwesenheit der MadameObscure, überwältigt hatte.
      Seitdem verbrachte er, wie man den allgegenwärtigen Gerüchten auf den Straßen entnehmen konnte, seine Zeit hauptsächlich in seinem Reich auf zeta und ließ in stillem Gedenken an seine unerbittliche aber geschätzte Konkurrentin alle paar Tage Unmengen an Holz in die öffentlichen Minen spenden. Angeblich gab er jeden Abend den Befehl aus, die Zeit auf den 31.12., 14.00 Uhr vorzudrehen, und brach dann, wenn man ihm auseinandersetzte, dass man trotz enormen Fülle gräflicher Macht nicht die Zeit beeinflussen könne, in einen heftigen Weinkrampf aus.
      Wohlgemerkt, diese Mutmaßungen meinerseits beruhen nur auf Gerüchten, auf mir zugetragenen Übertreibungen des kleinen Mannes von der Straße. Ein Fünkchen Wahrheit wird man ihnen dennoch zugestehen müssen, besonders wenn man die allseits bekannte, von böswilligen Spöttern Weinerlichkeit genannte, emotionale Unausgeglichenheit des Grafen in Betracht zieht.

      Wie sich in den folgenden Stunden herausstellte, sollte ich mit vielen meiner hier getätigten Überlegungen Recht behalten, und das nicht nur weil es hinterher immer einfach ist zu behaupten, dass man die Entwicklung genau so vorausgesehen hatte.
      P.S.:
      Tipp:
      Dr. Brinkmann ist ein unfähiger Quacksalber.
      Und alles was er sagt, stimmt nicht!
      Disosiative Itentidätsstörung?, das ich nicht lache! Wie kann ich bitteschön unter disosiativer Itentidätsstörung leiden, wenn ich noch nicht einmal weiß, wie das geschrieben werden würde?



      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

    • 28. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern VI, Pt.1

      Kriegsende!
      Vor Tagen noch hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich beim Hören dieses Wortes Freude und Erleichterung spüren würde. Zu unangemessen wäre mir ein derartig glanzloses Ende angesichts der erzwungenen Erfolge, angesichts der gebrachten Opfer erschienen.
      Doch in den vorangegangen Tagen hatte ich die Hölle überlebt, war lebendigen Leibes und nur von einigen Schrammen gezeichnet einem wahren Gemetzel entronnen, das hunderte, wenn nicht tausende meiner Kameraden mit dem Leben bezahlt hatten.

      Wie schwummrig wird mir noch immer wenn ich daran zurückdenke. Selbst in dem Moment, da ich zusammen mit einem Teil der gräflichen Armee auf dem Deck der HMS Chimi stand und wartete.
      Am späten Abend des 09.12. waren wir irgendwie in Naraka angekommen, zerlumpt, geschunden, hungrig.
      Tief in meinem Unterbewusstsein verschüttet, sind mir die Gefahren und Ungewissheiten meiner Rückkehr. Das letzte, woran ich mich erinnere, das ist die heillose Auflösung meiner mir zugeordneten Schützen-Staffel nachdem uns der Zugang in eine ehemals besetzte Stadt verwehrt wurden war.
      Stunden, die sich wie Tage anfühlten, hatten wir daraufhin damit verbracht uns irgendwie in Richtung Heimat durchzuschlagen. Wie wir das ohne Transportschiffe, ohne fremde Hilfe, ohne ein ausreichendes Reservoir an Nahrungsmitteln geschafft haben, das vermag ich nicht zu sagen.
      Einem schwarzen Loch gleichen meine Erinnerungen für diesen Zeitraum.
      Und es tut mir leid, nicht genauer über diese Begebenheiten berichten zu können, meine ungeschönte, aufrichtige Berichterstattung des unmittelbar Erlebten an dieser Stelle lückenhaft belassen zu müssen. Auch wir angehenden Journalisten sind nur Menschen, auch uns spielt der eigene Geist manch einen düsteren Streich; zum Schaden aller Leser und Anteilnehmenden.

      Seit der Nacht des 09.12. hatten wir unser Lager vor den Toren Narakas aufgeschlagen, warteten auf einen Einsatzbefehl oder sonst eine Nachricht darüber, wie es jetzt weitergehen sollte, wie es im Krieg stand oder was unserer noch immer fernen Flotte widerfahren worden wäre.
      Wir sollten die Informationen jedoch noch früh genug erhalten.
      Es waren keine 60 Stunden nach unserer Ankunft in der Heimat vergangen, als alle versprengten Einheiten unseres notdürftiges Feldlagers den Befehl erhielten, schleunigst den Marsch in Richtung des Stadthafens aufzunehmen.
      Uns würde eine supertolle Superüberraschung erwarten.

      Man hatte uns an Bord der HMS Chimi eingeschifft, auf die Parade-Schaufelradramme der gräflichen Seestreitkräfte, des Grafen kostbarstes Kampfschiff.
      Wir lagen einige Seemeilen vor Naraka, in unserem Rücken wussten wir die Küste der dazugehörigen Insel, während uns die tiefstehende Wintersonne seitlich ins Gesicht schien.
      In Mannschaftsaufstellungen auf dem ganzen Schiff verteilt, schauten wir in Richtung des hohen, seriös wirkenden Rednerpults, an dem ER in wenigen Augenblicken erscheinen würde.
      Wir hatten bereits den Gyrokopter, der die wertvollste Fracht unserer Heimat transportierte, landen sehen.

      Bald war es soweit.
      Vermutlich würde er nur noch sein gewohnheitsmäßiges Nickerchen halten, um sich auf diese Weise von den für uns einfache Untertanen unmöglich vorstellbaren Belastungen eines Herrschers zu erholen.
      Mir schwitzten die Finger.
      Mein Herz raste.
      Was würde er uns mitteilen?

      Ich blickte kurz nach links, zu der behelfsmäßig gezimmerten Tribüne, um mich abzulenken.
      Auf ihr sah ich die Hauptstadtpresse versammelt. Ich erkannte einige Gesichter, darunter einige berühmte Stars unserer Zunft, die es sich nicht hatten nehmen lassen, dieses Ereignis aus nächster Nähe zu verfolgen.
      Bald würde ich wieder unter ihnen weilen, als einfacher, unscheinbarer Redaktionspraktikant.
      Heute gehöre ich jedoch nicht zu ihnen. Vermutlich werde ich auch nie mehr so ganz zu ihnen gehören können. Zu einschneidend waren meine Erfahrungen der letzten Woche, zu aufwühlend um fortan wieder mit Leib und Seele in diese Welt hineinzutauchen, die ich vor Kriegsbeginn, bevor mich das Zweite Leichtinfanterieregiment „Odysseus“ in seinen Reihen aufgenommen hatte, zurückgelassen hatte.
      Heute stehe ich, im Gegensatz zu meinen Berufskollegen, in der Menge der einfachen Kampfeinheiten, als einer von ihnen. Und ein nicht unwesentlicher Teil meiner Person wird immer einer von ihnen bleiben.

      Beinahe hätte ich das Erscheinen seiner Gräflichkeit verpasst.
      Es war der plötzlich aufbrausende Beifall der Menge, der mich meinen Blick wieder dem Rednerpult zuwenden ließ. Die Schaufelradramme schien unter der allgemeinen Begeisterung förmlich zu kentern.
      Auftritt: Graf von Plüsch.
      Erhobenen Kopfes marschierte er zum Rednerpult, winkte uns mit seiner freien Hand zu, während er in seiner anderen Hand das gräfliche Zepter mit sich führte.
      Eine einnehmende Persönlichkeit. Auch ich kam nicht umhin ihm zuzujubeln.
      Journalistische Neutralität? Objektivität? Es gibt Situationen, an denen sind diese Werte angemessen. Und es gibt Situationen wie diese, am heutigen Tage, einige Seemeilen vor der Küste Narakas.

      Nachdem unser Oberbefehlshaber die Freude seiner uniformierten Untertanen eine gute Viertelstunde lang verächtlich schmunzelnd genossen hatte, wütete er ein lautes „Klappe halten, jetzt!“ in die aufgestellten Mikrofone.
      Ich bewunderte seine ausgewählte Höflichkeit gegen uns, die trotz aller militärisch Knappheit in dieser kurzen Ansage zum Vorschein kam und die so anders war im Vergleich zu den beleidigenden, bösartigen Befehlen unserer direkten Vorgesetzten im Felde.

      Kriegsende!“, schrie er uns, animalisch gestikulierend, entgegen.
      Der Krieg gegen die BLP ist vorbei!

      Dann ging Graf von Plüsch sofort in die Vollen.
      In diesem Krieg haben wir für die Sache der Freiheit und für Frieden auf der Welt gekämpft. Mein Reich und unsere Allianz sind stolz auf diese Leistung - dennoch seid Ihr es, die Angehörigen des Militärs des Gräflichen Reiches, die dies vollbracht haben. Euer Mut, Eure Bereitschaft, sich für unser Land und füreinander der Gefahr auszusetzen, hat diesen Tag ermöglicht. Dank Euch ist mein Reich sicherer. Dank Euch hat die BLP unsere Macht zu spüren bekommen, hat sich für einige Zeit an dem süßen Nektar gräflicher Herrschaft laben dürfen.

      Unser Graf von Plüsch.
      Seine Worte treffen mich, berühren mich an einer Stelle meiner Seele, von der ich bisher nicht auch nur ahnte, dass es sie überhaupt geben könnte.
      Kaum vermag ich mich loszureißen von seiner tobenden rosa Gestalt, der blitzenden Krone auf seinem furios zappelnden, geistesmächtigen Haupt.
      In einer kurzen Kunstpause seines Redeschwalls vermag ich mich doch von seinem Bann zu lösen, wende den Kopf, nach rechts, nach links, und blicke nahezu ausnahmslos in bewegte Gesichter.
      Einige haben Tränen in den Augen. Es sind Männer, Frauen, Minderjährige, die hier weinen. Es sind Krieger. Krieger, die in ihrem aufregenden Armeeleben die schlimmsten Gräueltaten gesehen haben, sie teilweise sogar selbst begangen haben, ohne mit der Wimper zu zucken; und die jetzt doch mit feuchten Augen den Äußerungen des Grafen folgen.
      Des Grafen Worte entfalteten ihre Sogwirkung, hatten mich von Beginn an genauso mitgerissen, wie sie die Mannschaften um mich herum mitgerissen hatten.
      Mein Herz bebte.

      Der Krieg gegen die BLP wurde mit einer Mischung aus Präzision, Geschwindigkeit und Kühnheit ausgeführt, die der Feind nicht erwartet und die Welt zuvor noch nicht gesehen hatte. Von weit entfernten Städten, von gegründeten Kriegssiedlungen oder mit Schiffen auf See haben wir Angriffe ausgeführt, Plünderungen durchgeführt, Städte besetzt und dabei ganze feindliche Divisionen zerstört. Ihr, meine Untertanen in Uniform, habt der Welt die Fähigkeiten und Macht der gräflichen und allianzenen Streitkräfte demonstriert.

      Welch eine Sprachgewalt, die der einnehmenden, kompromisslosen Gewalt seiner Streitkräfte in nichts nachsteht.
      Längst hat er uns gewonnen, hat er uns über die verlustreichen, aussichtslosen militärischen Unternehmungen der letzten Tage hinweggetröstet, befreit er uns ein wenig von der brennenden Scham, die uns erfüllt, wenn wir an zahlreiche Niederlagen, an die unnötig astronomischer Verluste an Leben auf völlig unsinnigen, aussichtslosen Missionen zu denken gezwungen sind.
      Aussöhnen werden wir uns nie mit diesen tödlichen Misserfolgen.
      Doch unser geliebter Herrscher stellt uns eine mögliche Linderung unseres Schmerzes in Aussicht. Ja, er lässt uns daran glauben, dass diese Zeiten einmal vorbei sein werden, in denen wir nachts schweißgebadet aus unseren weichen Federkernbetten aufschrecken, die Berge verrenkter Leiber vor uns zu sehen meinen, in unserer Vorstellung der Nebenmann immer wieder aufs Neue getroffen danieder sinkt, und wir immer wieder die Schreie hören, diese verdammten Schreie hören.
      Nein, aussöhnen werden wir uns nie mit diesen Misserfolgen.
      Doch Graf von Plüsch macht sie uns ertragbarer mit seinen wohlmeinenden, anerkennenden Worten, in denen er unsere Erfolge hervorhebt.
      Es gab in diesem grausamen Krieg genügend Anlässe, auf die wir stolz zurückschauen können.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 29. Eintrag
      Der Embedded Redaktionspraktikant – In Stahlgewittern VI, Pt.2

      Unser Oberbefehlshaber ließ es sich auch nicht nehmen, unseren Feind zu erwähnen, der uns ein Feind auf Augenhöhe war, doch eine entscheidende Schwäche nicht ablegen konnte.
      Ja, unser Feind. Seine Frömmigkeit, sein Gehorsam gegen die Gesetze, seine Güte, seine Freigiebigkeit, seine Ehrlichkeit, seine Offenheit standen höher als bei uns; aber es ist uns recht nützlich gewesen, dass wir von diesen Vorzügen nicht so viel besaßen wie sie: infolge der Überlegenheit in diesen Tugenden sind sie ihr Verderben gerannt; sie haben sich dadurch selbst verraten und verkauft. Unsere Siege sprachen für sich.

      Er setzte diesen Gedanken nach einer seiner häufigen Kunstpausen, in denen wir ihm ausgelassen zujubelten, fort:
      Wenn ich bedenke, mit welch unbändiger Leidenschaft die vielen Tausend Männer, Frauen und Kinder unseres Feindes die größten Gefahren bestanden und sich immer wieder ihnen entgegenwarfen, um ihre Götter und ihre „Freiheit“ zu verteidigen; mit welcher großartigen Verbissenheit sie lieber alle Leiden und Qualen, ja selbst den Tod zu erleiden bereit waren, als sich unserer Herrschaft, unseren Kriegsanstrengungen und unserer Form von Freiheit zu beugen; wenn ich mir das überlege, so glaube ich sagen zu können: wäre der Angriff unter gleichen Voraussetzungen erfolgt, bei gleicher Vorbereitung und gleichem Überraschungseffekt, so wäre unser Risiko vielleicht größer gewesen als bei irgendeinem Krieg, den wir erlebt haben.

      Welch analytisches Genie offenbarte sich uns in diesen Äußerungen.
      Rasch waren die anfänglichen „Buh“-Rufe einiger Landstreitkräfte bei Erwähnung des Feindes, bei Aufzählung scheinbarer vorteilhafter moralischer Überlegenheit auf seiner Seite, der anerkennenden Bewunderung gewichen, je mehr der Graf diese Eigenschaften als Schwäche offen legte, als Ursache struktureller militärischer Hilflosigkeit und somit als nicht erstrebenswerte Charaktereigenschaften einer zum Untergange geweihten Gesellschaft.

      Wir hingen an den Lippen unseres klugen Oberbefehlshabers.
      Es fällt mir schwer, selbst im Rückblick auf diesen Nachmittag, das gewohnte Mindestmaß an journalistischer Distanz zum Geschehen zu wahren.
      Längst war ich mit der Menge meiner ekstatisch lauschenden Kameraden verschmolzen, war mehr Kampfeinheit als Journalist.
      Denn dieses eine Mal war ich Teil von etwas Großem gewesen, hatte etwas Bleibendes geschaffen, durfte mit einem berechtigten Stolz auf diese Zeit zurückblicken, nicht zuletzt mit dem Stolz überlebt zu haben, eine banale Leistung, die aber tausende meiner Kameraden während dieses Krieges nicht vollbringen konnten. (Oft genug hatten sie sich aber auch einfach dumm angestellt gehabt: ein Schütze, der das Gewehr falsch herum hält; Schwertkämpfer, die unbedingt meinen auf den Kampfplätzen von Hopliten und Dampfgiganten ihr Glück versuchen zu müssen; Man kann nicht alle Verantwortung immer nur auf die menschlichem Leben gegenüber gleichgültige Generalität abschieben!)

      Jedenfalls: nun stand mein Herrscher vor mir, vor uns, auf dem sonnenbestrahlten, von leichtem Wind umwehten Deck der HMS Chimi, und er schenkte uns seine Anerkennung.
      Er ließ uns spüren, dass er unsere Mühen bemerkt hatte. Unser Herrscher hatte mit uns gelitten, Anteil an unserem Wirken genommen, an unseren Leiden, an unserem Aderlass, an unseren Siegen.

      Auch jene Zeit blendete er nicht aus, in der sich unser Glück wendete, immer häufiger Niederlagen unsere Siegesserie unterbrachen, Dinge schief liefen, sich Misserfolge einstellten.
      Der Graf hatte unsere Enttäuschung diesbezüglich registriert, und spendete Trost.
      Es hatte nicht an uns gelegen, wenn Dinge schief gingen. Wir hatten stets unser Möglichstes getan. Oft genug gar mehr als das.
      Aber nein; wir haben die Unwissenheit und Unerfahrenheit der BLP dazu missbraucht, sie an Verrat, Unzucht, Habsucht, Grausamkeit und unmenschliches Verhalten aller Art zu gewöhnen, weil sie unsere Sitten sahen und sich danach richteten.
      Das war es. Damit hatten sie uns geschwächt, damit hatten sie die Auseinandersetzung auf ein gleiches Niveau gezerrt, uns somit unseres bedeutendsten Vorteils beraubt.

      Es erklärte einiges.
      An dieser Stelle hörte der Graf jedoch nicht auf. Stattdessen kristallisierte er in einfachen Worten eine andere Sichtweise dieser Wandlung heraus.
      Wir hatten in diesem Krieg eben nicht nur unsere Interessen an Ressourcen und blinder Zerstörungslust verfolgt, nicht nur Frieden und Freiheit auf dem Server verbreitet, nicht nur Ruhm und Ehre für den Graf und seine Allianzkollegen gewonnen, nein, wir hatten auch das Richtige getan.
      Wir sind unserem zivilisatorischen Auftrag nachgekommen. Wir brachten nicht nur Schrecken und Verderben über die Städte und Niederlassungen des Gegners, sondern wir brachten ihnen eine überlegene Weltanschauung.
      „Verrat, Unzucht, Habsucht, Grausamkeit und unmenschliches Verhalten aller Art“, wie es der Graf so treffend formuliert hatte.
      In ihrer Notlage nach den ersten Kriegswochen entsannen sich die BLP-ler zunehmend auf diese, von uns auf so vortreffliche Weise gelebten Werte, und übernahmen sie, auf dass sie fortan stets an ihnen haften bleiben würden, wie ein widerlicher, alter Kaugummi, den man sich aus lauter Verzweiflung selbst ins Haar geklebt hatte.
      Sie werden es uns gewiss niemals danken. Das erwarten wir nicht. Vermutlich werden sie ihr zivilisatorisches Bessergestelltsein noch nicht einmal als solches erkennen.
      Doch wir, wir werden diesen sinnbildlichen Kaugummi in ihrem Haar ein jedes Mal bemerken, wenn wir mit ihnen zusammentreffen, und wir werden ein jedes dieser Male an unser gutes, richtiges Wirken erinnert werden.

      Der Preis dafür war hoch, das vergaß auch Graf von Plüsch nicht zu betonen.
      Er begann an die materiellen Verluste zu erinnern: den vielen Schwefel und das viele Kristall, die dieser Krieg verschlungen hatte. Er mahnte an die Belastung des Staatshaushaltes und unterstrich den daraus resultierten Schaden für unsere Volkswirtschaft, der in letzter Konsequenz vor allem bzw. ausschließlich die Schwachen und Armen unseres Landes getroffen hatte.
      Er kniff die Augen zusammen.

      Dann besann er sich, widmete sich dem Gedenken an die unzähligen Gefallenen:
      Ihre letzte Tat auf dieser Erde war der Kampf gegen ein großes Übel und für die Freiheit anderer. Sie alle sind dem höchsten Ruf der Geschichte gefolgt. Sie verteidigten Ihr Land und schützten Unschuldige vor Schaden. Und wo auch immer sie hinkamen, brachten sie eine Botschaft voller Hoffnung. Lasst uns ihren zur Ehre eine Schweigeminute einlegen!

      Die Minute verstrich in Totenstille.
      Dann eine Zweite.
      Niemand getraute sich zu sprechen, während wir selbst in uns hinein lauschten, der Erinnerung an geliebte Menschen nachgingen.
      Theofannis kam mir in den Sinn, genauso wie Ioannis, Charlie, Xenon, „Der Kreter“, Domestos, „Klara Zetkin“, …
      Die Liste setzte sich endlos fort.
      Minute um Minute verging in trostloser Stille.
      Nur kurz hatte ich aufgesehen, sah wie der Graf voller Kummer, mit geschlossenen Augen über dem Rednerpult lag, das Zepter neben sich abgelegt, damit es nicht herunterfallen könnte.
      Dagegen drohte ihm die Krone vom Haupt zu fallen. Es schien ihn nicht zu interessieren, so sehr war in der Gedenken an die Gefallenen versunken.
      Es vergingen weitere Minuten, bis eine wunderschöne, blonde Beraterin, die mit ihrer Statur sicher auch Supermodel hätte sein können, auf ihn zuging, und ihm unter vorsichtigem Rütteln etwas ins Ohr raunte.
      Dann schreckte er aus seiner Versunkenheit hoch.
      Mit angesichts der Trauer müde wirkenden Augen schaute sich Graf von Plüsch um.
      Der Verlust seiner Untertanen hatte ihn offensichtlich wirklich mitgenommen.
      Ich verehrte ihn für diese Anteilnahme, für seine uns so offen gezeigte Trauer um das Leben unserer Kameraden, mehr als je zuvor.

      Mit einem jovialen „Das Leben gehört denen, die nicht tot sind!“ beendete der Graf, ein wenig verwirrt wirkend, die lange Schweigeminute.
      Wie so oft konnte ich dem Graf nur bedingungslos zustimmen.
      Wir würden den Blick in die Zukunft richten.
      Gemeinsam.

      Das Eigenschaften unseres Militärs im Verlauf der Geschichte – die Rücksichtslosigkeit und die grimmige Verschlagenheit aus vorangegangenen Kriegen, die Anständigkeit und Idealismus, die Feinde zu Bündnispartnern werden ließen - werden durch diese Generation voll und ganz verkörpert. Als die BLP-ler in die Gesichter unserer Kämpfer und Kämpferinnen blickten, sahen sie Stärke, Freundlichkeit und guten Willen.
      Wenn ich mir die Angehörigen des gräflichen Militärs ansehe, so wie sie hier vor mir stehen, so sehe ich die Besten unseres Lands, und ich fühle mich geehrt, ihr Oberbefehlshaber zu sein.
      Und wir, werter Graf von Plüsch, wir fühlen uns geehrt, Ihre Untertanen zu sein, in Ihrer Gräflichkeit einen so weisen, gerechten und bescheidenen Oberbefehlshaber über uns wissen zu dürfen!

      Der Autor ist Redaktionspraktikant,
      und war embedded, eingebunden, im Zweiten Leichtinfanterieregiment „Odysseus“
      P.S.:
      Um Missverständnissen vorzubeugen:
      Ja, ich habe mir für diesen Eintrag fremden Text stibitzt ausgeliehen bzw. mich inspirieren lassen.
      Daran ist nichts Verwerfliches! Das macht jeder aufstrebende Literat. Man erinnere sich nur an diese Eine, die das auch gemacht hat und dann total lange im Rampenlicht stand und deren Bücher sich dann wie geschnitten Brot verkauft hatte.
      Außerdem habe ich ja auch nicht bei irgendjemanden stibitzt mich beliehen, sondern bei zwei unumstrittenen Geistesgrößen aus Neuzeit und Moderne: Montaigne und Bush :O .

      P.P.S.:
      Tipp:
      In der Weihnachtsbäckerei,
      da gibt’s so manche Leckerei.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 30. Eintrag - Weihnachten, der viele Schnee & wirklich jede Menge Schnee!!!


      Winter

      Vom Eise bedeckt sind Strom und Bäche,
      durch des Winters gefrierenden Blick.
      Unter Minusgraden ächzen Ficht’ und Esche,
      und ich, daheim, lutsch’ das Bonbon von Wick.

      So steh’ ich vor dem güld’nen Fensterrahmen,
      blick hinaus, und denk und denk oje, ojee.
      Beobachte der Fußwege alltäglicher Dramen,
      denn ungeräumt türmt meterhoch der Schnee.

      Meine Untertanen, ich verfolg’s mit Unbehagen,
      wie sie rutschen, fallen, brechen sich den Steiß.
      Das ist der Zustand, dank der Großwetterlagen,
      meine Hauptstadt eingeschneit, bedeckt vom Weiß.

      Ein Idee: Earu könnt’ schippen die Weide,
      auf der das Gras verborgen unter weißer Ballast.
      Doch nein: Earus entzündete Sehnenscheide,
      hindert sie, macht unzumutbar ihr diese Last!

      Könnt’ Schneeräumen nicht ein heißes Weib’?
      Vermöchte nicht Chimi, des Forums Zier,
      schmelzen zu lassen das Weiß mit ihrem Leib.
      Die Physik meint Nein! Also doch das Neugiertier?

      Eher aufzubürden wär’s wohl Filip, Kalti, True!
      So kämen Gani, Zori, die Damenwelt im Ganzen,
      in den Genuß verdienter Festtagsruh’.
      Nur wer schippt dann den Schnee? Emanzen?

      Madame sollte, nannt’ sie mich doch „Mädchen“,
      wär’ so die verdiente Strafe für die Curly-Schwester!
      Doch auch da wird’s nichts, ein blockiertes Rädchen,
      sie drückt sich feig – abwesend bis Silvester.

      Zu befreien die Landschaft von dem weißen Rüsch,
      Wer opfert sich? Erträgt Schmerz und Weh?
      Sicher nicht mach ich’s, Graf von Plüsch!
      Hinderungsgrund: meine Allergie gegen Schnee!

      Außerdem, ich mit einem Herzen von prächtiger Weit’,
      der gelte als weise, gerecht und voller Bescheidenheit.
      Hab’ den Charakter passend zum weihnachtlichen Thema.
      (Man beachte übrigens hier den Bruch im Reimschema!)

      So kann ich nicht schippen zur Weihnachtszeit!
      Das bewiesen, beende ich die winterliche Leier!
      Und frag: „wurde schon berichtet die neuste Neuigkeit?
      Wurde schon berichtet von der letzten Superfeier?“

      Die achte Stadt darf nennen ich mein Eigen.
      Zur Feier trank’ ich ausgelassen, mit aller Macht,
      trank bis ich vernahm himmlische Geigen.
      Dann benannte ich die Stadt, in „Frohe_Weihnacht“!

      Frohe_Weihnacht! :)
      Euch Allen! :knuddel:



      P.S.:
      :verlegen:
      ... die gute Absicht, das ist das was zählt! :verlegen:


      P.P.S.:
      Auch heute, so kurz vor dem 24.12., natürlich noch der Tipp:
      Obwohl „Weihnachten“ irgendwas mit der Bibel zu tun haben soll, die erst nach dem Jahre Null total viele Fans gewonnen hatte, gilt es durchaus als zulässig, Weihnachten auch im antiken Griechenland zu feiern!
      Nur keine falsche Scheu!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 31. Eintrag – 2011 v. Chr. *
      Vorwarnung!
      Dieser Beitrag wird ein wenig länger ausfallen, vermutlich ohne Unterbrechung auf zwei bis drei reguläre Einträge hingestreckt.
      Also Geduld, werte Fans! :)


      Alles Gute & Liebe im neuen Jahr, liebe Welt & liebe Leser.
      Na? Wie geht es dir /euch? Hast du / habt ihr schön gefeiert?

      Ich habe ja schön gefeiert. Denke ich zumindest.
      Jedenfalls hatte ich eine Riesen-Party geschmissen.
      Mit ganz vielen Tänzerinnen, etwas Sekt, Hochseilakrobaten, lustigen Party-Spielen (u.a. Bleigießen oder Topf- & Dienerschlagen), noch mehr Tänzerinnen (teils in Käfigen), mit Theateraufführungen der lustigsten Sketche von Harald Juhnke & Eddi Arent, mit dressierten Hamstern in bunten Kostümierungen, Pantomimen, einer Badewanne voller Sekt, abstürzenden Hochseilakrobaten & vielen weiteren Tänzerinnen.
      Angeblich soll es auch ein wunderschönes Feuerwerk gegeben haben. Heißt es. Denke ich. Ich kann mich zumindest nicht mehr daran erinnern. Überhaupt sind die letzten Tage, bis so ungefähr Donnerstag Abend, in meiner Erinnerung irgendwie verschwunden.
      Naja.
      Ich finde, einmal im Jahr, im Monat in der Woche kann man sich ruhig mal dem Exzess hingeben! Das bringt die Organe mal in ihre Grenzbereiche, lotet mal deren Leistungsvermögen aus. Man zeigt ihnen auf diese Weise wer Herr im Hause ist. Unter Umständen offenbart sich sogar das schwächste Organ innerhalb des eigenen biologischen Innenlebens. Ein wertvoller Hinweis für den nächsten ärztlichen Routinecheck.

      Aber ich schweife ab. Mein Tagebuch ist nicht als erkenntnisreiches Medizin-Lehrbuch angelegt, sondern als intime Zwiesprache zwischen mir & der Welt bezüglich meines aufregenden Herrscherlebens. Deswegen zurück zum Thema.
      Das erste was mir in diesem neuen Jahr, noch so halb im Silvester-Delirium, in den Sinn kam, das war der Gedanke, warum die Zeit eigentlich rückwärts läuft. Ich meine: erst haben wir in unserer vorchristlichen, antiken Ära das Jahr 2010 v. Chr., und dann, später(!), das Jahr 2011 v. Chr.
      „Da läuft doch was falsch“, hatte ich mir beim Öffnen meiner Augen noch so gedacht. Nur um gleich danach zu denken: „Häh?“
      Ich erinnere mich, wie noch mal durch den pelzigen Geschmack auf meiner Zunge abgelenkt wurde. Hatte ich mir in einem schwachen Moment wieder selbst das Fell abgeschleckt?
      Doch viel wichtiger wurde gleich darauf die Frage: Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass ich im Stadtgraben gelandet bin?
      Und wo war eigentlich Sloppy?
      Wer war überhaupt Sloppy gewesen? Hatte ich die gemeinsam verbrachten, unvergesslichen Stunden & Abenteuer nur geträumt? Mir im Unterbewusstsein nur zusammen fantasiert?

      Warum stand auf dem Ortseingangsschild vor den Stadtmauern eigentlich Simulacrum, und nicht etwa der Name einer meiner Städte?
      Simulacrum?
      Etwas in meinem Hinterkopf machte „ratter, zisch“.
      Simulacrum, eine Schwefelstadt!

      Ich war auf Eta. Dabei herrschte ich doch gar nicht auf Eta, war zuvor noch niemals hier gewesen.
      Würde es für mich überhaupt einen Weg zurück in meine Herrschaftswelten geben? Meine beiden Reiche wären doch völlig aufgeschmissen & hilflos ohne mich. Was sollte aus meinen Untertanen werden?

      Ein Weinkrampf überfiel mich, wie ich an meine Untertanen dachte, die ihr erbärmliches Leben ohne den Glanz meiner Herrschaft fristen müssten. Ich heulte & heulte.

      An dieser Stelle werde ich meinen Bericht etwas raffen, da jetzt ansonsten einige wirklich peinliche Situationen & Erklärungen folgen müssten.

      So saß ich nun Samstag Morgen gegen 12.00 Uhr im goldenen Schlafgemach meines Palastes & nahm ein dürftiges Frühstück zu mir.
      Nebenbei überflog ich die Tageszeitungen der letzten Tage.
      Ein guter Herrscher muss stets informiert sein über das, was so in der Welt geschieht.
      Bestürzt las ich von diesem Eier-Skandal.
      Dioxin!
      Dioxin!!!
      Und vor mir stand mein Frühstücksei.
      Das war knapp. Beinahe hätte ich gegessen gehabt.

      Soweit war es also schon gekommen. Nicht mal die Frühstückseier waren mehr sicher. In welch’ verrückten antiken Zeiten leben wir nur?
      Traurigkeit erfasste mich. Dann blinde Wut.
      Ich hatte mich so auf die Milchschokolade gefreut gehabt, hatte schon gerätselt welche Überraschung ich in meinem Ei hätte, ob es was zum Basteln gewesen wäre oder so eine doofe aber handbemalte Happy Hippo Figur.
      Für einen Moment zögerte ich, überlegte ob ich es nicht vielleicht wagen könnte wenigstens das Spielzeug meines Frühstückseis auszupacken.
      Doch ich ließ es. Mit Dioxin ist nicht zu spaßen. Und ich bin ein Graf. Ich trage nicht nur die Verantwortung für mein Leben & meine Gesundheit. Ich trage die Verantwortung für meine Untertanen. Um ihretwillen muss ich am Leben bleiben. Muss ich gesund bleiben.
      Wütend schmetterte ich mein Frühstücksei gegen das goldene Fensterglas meines ebenso goldenen Schlafgemachs.

      Ich beruhigte mich wieder.
      Nach dem Studium der Tageszeitungen wendete ich mich den Magazinen & Zeitschriften zu.
      Gala, Bunte, FreizeitRevue, Das Goldene Blatt & wie sie alle hießen, hatten sich gestapelt während der Zeit, in der ich unpässlich weil verschollen war. Aber da half kein Jammern. Da musste ich jetzt durch.
      William & Kate im Liebesglück. Ich freute mich für die Beiden, hatte ich es ihnen doch von Anfang an gegönnt. Schön.
      Doch wichtiger war mir eine andere Nachricht: keine Liebes-Neuigkeiten über Prinzessin Madeleine in den einschlägigen Blättern. Das hieß, sie hatte sich in den vergangenen Tagen weder spontan verheiratet oder verlobt, noch hatte sie überhaupt einen Mann kennen gelernt.
      Meine Eisen hatte ich also noch alle im Feuer. Ich würde weiterhin der Hoffnung nachhängen können schwedischer Thronfolger zu werden.
      Erleichtert atmete ich aus.
      Vermutlich waren meine Chancen in der Angelegenheit Madeleine besser als je zuvor. Verträumt gab ich mich meinen zärtlichen Überlegungen hin **, bis ich in einen leichten Mittagsschlaf verfiel & dabei von einer nahen schwedisch-plüschigen Hochzeit träumte.

      Das Eintreten meiner Berater weckte mich.
      Sie kamen alle vier, trugen Aktenmappen unter dem Arm, guckten wichtig drein & erklärten sie würden mir ein schönes neues Jahr wünschen.
      Ich empfand ihr Auftreten als arrogant.
      Vorerst schwieg ich jedoch.
      Sie würden mir erst einmal berichten was in den letzten Tagen vor sich gegangen war, welche Spitzenleistungen die Untertanen zu meinen Ehren vollbracht hatten.

      Es war nicht viel.
      Man hatte den Untertanen frei gegeben. Urlaub.
      Niemand hatte in den Sägewerken, Marmorbrüchen & Schwefelgruben geschuftet. Niemand hatte mit der Außenwelt Handel getrieben. Niemand hatte irgendeinen unergiebigen Angriff auf einen Inaktiven mit dem Leben bezahlen müssen.

      Nur Heidi, meine Diplomatieberaterin, hatte etwas mehr zu berichten.
      Die Diplomatie hatte keinen Urlaub gemacht.
      Einige Herrscher wünschten alles Gute im neuen Jahr. Einige andere (z.B. Knochi & Teile der EVIL) wurden überfallen & frugen nach Hilfe an bzw. bekundeten, dass sie sich über etwas Hilfe gefreut haben würden. Wieder andere Herrscher hatten Kulturgüterplätze in ihren Museen frei & baten nach Kultur.
      Nur was hätte ich tun sollen? Ich war unpässlich! Silvester, die ganze Trinkerei & so!

      Doch das war längst noch nicht alles, was Heidi berichtete.
      Mit leuchtenden Augen & piepsiger Stimme gestand sie mir ihre Verlobung mit dem dunkelhäutigen Pop-Sänger, von dem ich mir schon immer gedacht hatte, dass er es auf meine Diplomatieberaterin abgesehen hatte.
      Mich traf diese Nachricht wie ein Schlag.

      ... Fortsetzung folgt ...

      ---------------

      * … Juhu. Endlich gibt’s wieder diese coolen Fußnoten, die ich vor nicht allzu langer Zeit erfunden hatte. Und endlich wieder da sind auch diese coolen „&“-Zeichen, die ich für gewöhnlich anstelle ausgeschriebener „&“’s verwende. Das hast du während dieser böswilligen Kriegsberichterstattung von diesem angehenden Journalisten bestimmt vermisst, liebe Welt. Was wir da alles zu zensieren hatten, bevor wir dessen Texte zur Veröffentlichung zu lassen konnten. Vor allem der letzte Bericht dieses Schmierfinken war eine reine Zumutung. Wir mussten so viel ändern, dass meine Zensurchefs sogar ein ums andere Mal mit der Zeitform durcheinander gekommen sind!
      Aber was ich eigentlich sagen wollte: Juhu. Endlich wieder Fußnoten & „&“’s!

      ** … Sicher, ich habe mich lange zurückgehalten mit meinen Gedanken über diese mannigfaltigen Berichterstattungen um das Schwedische Königshaus. Die skandalöse Biografie über Carl Gustaf hat ja für einigen Wirbel gesorgt.
      Man möge mir aber mein Schweigen in dieser Angelegenheit nicht verübeln. Schließlich werde ich der zukünftige Schwiegersohn von Carl Gustaf sein! Da kann ich einfach nicht so dümmlich daherplappern.
      Ich möchte deswegen an dieser Stelle nur bekannt geben, dass ich mich der Hoffnung hingebe, dass Prinzessin Madeleine durch die Vergangenheit ihres Erzeugers einigermaßen verkorkst ist & ich mir derowegen einige Hoffnung auf eine gemeinsame, überaus glückselige Zukunft machen kann.
      Vielleicht ist Prinzessin Madeleine nach den Enthüllungen über Carl Gustaf sogar ein wenig angeschlagen, verletzlich. Das könnte ich für meine Absichten vorteilhaft ausnützen.
      Ach Prinzessin Madeleine :love1:
      Kein Wunder, das ich schon so lebhaft von der bevorstehenden Hochzeit geträumt habe!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―
    • ... Fortsetzung ...

      Wie konnte Heidi nur diesen Sänger mir vorziehen?
      Was hatte er, dass ich nicht habe?

      Okay, ich mochte Heidi nicht. Mochte sie nie. Und das habe ich sie auch stets spüren lassen.
      Aber das ist doch kein Grund!

      Vermutlich hätte ich ihr längst kündigen sollen.
      Warum ich sie nie habe entlassen können, obwohl ich dem Gedanken doch schon seit Beginn ihrer Tätigkeit in meinen Diensten nachhing, kann ich nicht wirklich erklären.
      Vermutlich mein zu sanftes Gemüt.

      Außerdem diplomieren die Augen ja mit.

      Har, har. Har har har!
      Warte bitte einen Moment, liebe Welt. Ich muss für mein anzügliches Lachen nur mal kurz meinen Schreibstift beiseite legen ...





      Okay. Da bin ich wieder.
      Ich war noch kurz in der Küche.
      Irgendwie hatte ich Hunger.
      Mein neuer Ernährungsberater war auch da.
      Heidi hat ihn mir vorgesetzt, weil ich auf zukünftig, im neuen Jahr, mehr auf meine Gesundheit achten solle. Und nach Heidis Worten ist er angeblich eine Kapazität auf seinem Gebiet. In seinem Fernstudium-Kurs soll er Klassenbester gewesen sein!
      Ich mag ihn trotzdem nicht.
      Er maßt sich an mir das Essen & Trinken reglementieren zu wollen, gerade bei meinen Leibgetränken, Frittenfett und Alkohol, hat er da ziemlich rigide Vorschriften.

      Vorhin hat er mich zum Beispiel mit einem Gesundheitssandwich abgespeist: Grüner Feldsalat zwischen zwei großen Feldsalatblättern, ohne Fleisch, ohne Fett, noch nicht mal mit den zwei lapprigen, zuvor in Rum getünchten Toasthälften.
      Dieser doofe Julio. Was für ein Barbar!

      Naja.
      Ich schweife mal wieder ab.
      Wo waren wir stehen geblieben?
      Ach ja. Heidi.

      In ihrer Gegenwart fühle ich mich immer so schwach.
      Sie macht mir Angst.

      Ich werde sie entlassen müssen.
      Dieses Jahr noch!
      Und wenn es dieses Jahr nicht wird, dann spätestens nächstes Jahr!
      Allerhöchstens übernächstes Jahr!

      Das war aber eine bemerkenswert tolle Überleitung zu meinen Vorsätzen für dieses Jahr.
      Dann mal los:

      Mein erster Vorsatz ist Weltherrschaft.
      2011 v. Chr. ist, das habe ich mir nicht mal ausdenken müssen, DAS Jahr des Hasen !
      Könnte es ein besseres Jahr geben um der Zeit falscher & vor allem unnötiger Bescheidenheit ein Ende zu setzen & endlich die Erlangung der Weltherrschaft anzustreben?
      Mit meinen außergewöhnlichen Befähigungen (dazu zähle ich vor allem meine Weisheit, meine Gerechtigkeit und meine sprichwörtliche Feigheit) wird es doch geradezu meine natürliche Pflicht dieses Ziel zu verfolgen!
      Es würde mir sicher als Zeichen von Schwäche ausgelegt werden, gerade im Jahr des Hasen nicht Weltherrscher zu werden!
      Ich meine, hallo, Jahr des Hasen. Ausrufezeichen!

      Um zu zeigen, dass ich die ganze Sache mit der Bescheidenheit wirklich aufzugeben willig bin, möchte ich auch schon meinen Anspruch verkünden, mich nicht nur mit dem popeligen Herrschen über eine oder beide meiner zwei Welten begnügen zu wollen, sondern die Herrschaft über ganz Ikariam anstrebe, über alle Server, alle Tavernen, alle … eben einfach über alles und jeden!
      Wie ich da hinkommen soll, weiß ich noch nicht wirklich. Einen Plan habe ich (noch) nicht. Aktuell vertraue ich eher darauf, dass es mir irgendwie zufliegt, vielleicht irgendein offizieller Ika-Repräsentant vor mir kotau-iert, mir wertvolle Geschenke macht um meine Zuneigung zu gewinnen & mich dann gnädig fragt, ob ich nicht Lust hätte fortan über ganz Ika zu herrschen.

      Aber ich habe schon so eine Art Regierungsprogramm entworfen, gerade eben.
      Als meine erste Amtshandlung gäbe es, zur Feier der neuen Ära meiner Regentschaft, unbegrenzt Ambrosia für alle (außer für Beta & Epsilon, eine Maßnahme, die ich hier allerdings sicher nicht weiter begründen muss). Auf diese Weise würde ich mir gern die Zustimmung der neu Unterworfenen/innen erkaufen sichern wollen. Das Gesetz „Ambrosia für alle“ wäre von mir hauptsächlich als der „Zuckerbrot & Spiele“-Teil meiner Regierungszeit vorgesehen. Ich würde die Zufriedenheit fördern & bei allen voll beliebt sein & verehrt werden, würde das Verhältnis zwischen Herrscher & Beherrschten so auf eine belastbare Basis stellen, für die Herausforderungen der Zukunft. Wie sage ich immer: „Nicht durch Reden & Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen, Blut & erkaufte Sympathie!“.

      Ein paar Tage später, nach einem langen, wohlverdienten Mittagsschläfchen, würde das Gesetz „Grafenreichtum“ folgen: die erklärte Aufhebung aller Ambrosia-basierten Herrschaftsvorteile & damit einhergehend die Etablierung des sog. Grafendollar.
      Wie das System der Grafendollar genau funktionieren würde, das habe ich in meiner Vorstellung auch noch nicht so ganz entwickelt, aber die untergeordneten, gewöhnlichen Herrscher/innen könnten die speziell von mir herausgegebenen Grafendollar käuflich erwerben (gegen echtes Geld) & sich dann damit wiederum Erleichterungen im Spiel erkaufen *** .
      Und das weitere Regierungsprogramm, das würde ich dann erstmal auf mich zukommen lassen, welche Notwendigkeiten sich ergeben würden. Man kann ja auch nicht alles schon so weit im Voraus planen. Am Ende kommt es eh’ alles anders als man denkt.

      Manche halten „Weltherrschaft“ als Ziel ja für etwas übertrieben.
      Aber das ist es nicht.
      Weltherrschaft ist ein legitimes Ziel.
      Bartmann, mein Städteberater, hatte mich in einer kurzen persönlichen Zwiesprache sogar schüchtern mit der Frage behelligt, ob ich nicht „irgendetwas“ kompensieren wöllte, mit meinem Streben nach Weltherrschaft.
      Püh!
      Also echt!
      Kompensieren!

      Ich meine wirklich.
      Jeder mag doch seine Mutter! Es ist doch nicht ungewöhnliches dabei seine eigene Mutter zu Zeiten des Abschieds, des Wiedersehens oder des Zeigens familiärer Zuneigung auf den Mund zu küssen.
      Vermutlich ist Bartmann auch nur neidig.
      Mama von Plüsch war schließlich eine schöne, begehrenswerte Frau! ****

      Herrje.
      Ich neige wirklich zum Abschweifen.

      Zurück zu den Vorsätzen.

      Also: Vorsatz Nummer 2.
      Ich möchte nicht mehr verklagt werden.
      Verklagt werden ist einfach eine unangenehme Situation.
      Ich bin ja kürzlich erst verklagt wurden.
      War `ne ganz üble Geschichte, bei der wohl Rachebedürfnisse & verdrängte Gefühle der Zuneigung eine gewisse Rolle gespielt haben werden. Warum man mir dergleichen antun wollte, kann ich mir ansonsten wirklich nicht vorstellen. Ich bin doch liebenswert. Weise. Gerecht. Und Bescheiden.
      Mir wurde vorgeworfen, ich solle das Neugiertier diffamiert haben.
      Als ob ich zu dergleichen fähig wäre! Gerade ich! Ich weiß doch nicht mal was „diffamieren“ überhaupt bedeutet!

      Die ganze Angelegenheit hat jedenfalls meine ursprüngliche Haltung bzgl. politischer Gewaltenteilung weiter gefestigt. Meine Abneigung gegen eine halbwegs unabhängige Justiz hat sogar weiter zugenommen!
      Denn es kann doch wohl unmöglich der Fall sein dürfen, dass man als gräflicher Souverän nicht mal mehr einfach so tun machen darf, worauf man gerade Lust hat, ohne ständig die Furcht in sich tragen zu müssen dafür verklagt zu werden.
      Meine Untaten sind Privatsache!

      Hier gehört unbedingt das Rechtswesen in meinen Reichen reformiert!
      „Reformation“, rufe ich laut!
      Ich werde dieses Jahr den Tempelbau verstärken.
      Ich werde meine Untertanen & damit auch die Juristen zwingen, Lutheraner zu werden!
      Inwieweit das meinen Zielen der Rechtsreformation im Konkreten förderlich ist, das habe ich noch nicht ganz ausgeknobelt.
      Aber hier muss einfach etwas getan werden! Es muss ein Anfang gemacht werden!

      ... Fortsetzung folgt ...

      ---------------

      *** … Ich möchte hier nicht schon zu weit vorweg greifen, doch schwebt mir etwa die neue Forschung „Nukleare Abschreckung“ vor: Mit Erwerb dieser Forschung könnte man anderen Herrschern mit dem Aufbau eines Atomwaffenarsenals drohen, wodurch man selbst in die luxuriöse Lage käme, unangreifbar zu werden. Durch die Zusatzforschung „Nukleare Erpressung“ wäre man sogar in die Lage versetzt von einem Gegenüber, sofern er punktgrößer ist & nicht auch selbst diese Forschung gekauft hat, Tributzahlungen erpressen zu können (etwa in Form von Schwefel oder Wein). Als alternativen Namen für diese nur gegen harte Grafendollar zu erwebenden Forschungen schwebt mir die Namen „Achse des Bösen (Stufe 1 bzw. 2)“ vor.
      **** … Hmmm.
      Diese Stelle könnte unter Umständen etwas seltsam wirken.
      Das läge nicht in meinem Interesse!
      Deswegen möchte ich unbedingt erwähnen, dass Grafengemahlin Mama von Plüsch biologisch nicht mit mir verwandt ist. Ja. Vielmehr hatten sie & ihr Gemahl, der Alte Graf, schon seit der ersten Nacht ihrer Hochzeit damit angefangen in getrennten Schlagzimmern zu schlafen & sich auch ansonsten aus dem Weg zu gehen.
      Legendär ist die Geschichte, wie Mama von Plüsch in jener Hochzeitsnacht aus dem gemeinsamen Schlafzimmer stürmte, lauthals empört, zutiefst errötet & beschämt. Unmöglich hätte sie sich, als die ehrenhafte & den Gesetzen der Sittsamkeit verpflichtete Frau, die sie war, den „Vergnügungen“ hingeben können, die der Graf mit ihr beabsichtigt hatte.
      Ihre Formulierung „Was denkt sich dieser Graf eigentlich“, entwickelte sich zuerst bei den Hausangestellten, später bei allen Untertanen des Herrschaftsbereiches zum geflügelten Wort.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―
    • ... Fortsetzung ...

      Mein dritter Vorsatz ist eher ein Vorsatz privater Natur:
      Ich möchte einen neuen Weichspüler.

      Ich will meine Flauschigkeit zurück! Und diesen leichten Glanzeffekt in den Fellspitzen!
      In letzter Zeit bin ich wirklich unzufrieden mit der Beschaffenheit meines Fells.
      Nach jedem Waschtag ist mein Fell irgendwie borstlig, struppig & seltsam steiflich.
      Diesen unangenehmen Zustand habe ich mittlerweile lange genug ertragen. Gerade für die Wahrnehmung meiner repräsentativen Aufgaben ist diese mangelnde Fellqualität mittlerweile ein echtes Ärgernis geworden. Am Schlimmsten ist das struppige Fell, wenn ich zu bestimmten Anlässen in der Öffentlichkeit wie so häufig fremde Babys auf dem Arm halten muss. Die fangen sofort an zu schreien & zu weinen, weil sie sich durch mein struppiges Fell gekratzt fühlen. Aber mit Babys, die anfangen in Tränen auszubrechen, sobald ich sie auf den Arm nehme, komme ich total unsympathisch rüber. So was ist herrschaftsgefährdend!
      Wenn das derart weiter geht, stehen mir wirklich schwere Zeiten bevor.

      Mein vierter Vorsatz ist, dass ich sicherstellen möchte, dass MadameObscure wieder regulär da sein wird.
      Okay. Der Vorsatz scheint mir in meinen Augen der schwierigste Vorsatz zu werden.
      Keine Ahnung wie ich das schaffen soll.
      Aber was muss, das muss!
      Gegen wen sonst soll ich denn beim Spenden andauernd gewinnen?
      Am Ende kommt MadameObscure eh’ zurück wie’s ihr passt, irgendwann ganz plötzlich.
      Auch auf den Fall werde ich mich einrichten müssen. Werde es irgendwie hinkriegen müssen, dass es bei ihrer Rückkehr dann nach außen so wirkt, als wäre ebenjene Rückkehr eine direkte Folge meines Wirkens.
      Ja.
      Der Vorsatz stellt eine große Herausforderung dar.
      Aber wie sage ich seit Neuestem immer: „Nur kleine Geister fassen kleine Ziele!“


      Damit zum fünften Vorsatz:
      Was sicher viele nicht wissen & nicht mal für möglich gehalten hätten: Ja, es stimmt, ich habe ein Wichtelkind .
      Im Nachhinein vermag ich auch nicht zu sagen, was mich da geritten hat. Großzügigkeit galt bislang nicht unbedingt als eine meiner Stärken.
      Anscheinend haben wir uns da aber alle geirrt in der Einschätzung meiner Person. Graf von Plüsch ist offenbar in Wahrheit ein weiser, gerechter, bescheidener & großzügiger Herrscher.
      150 Handelsschiffe voller Holz & Marmor habe ich meinem Wichtelkind zugesagt.
      Einen Teil davon hatte ich ihm Ende des letzten Jahres sogar noch zukommen lassen, bevor ich mich ganz von den Vorbereitungen zu meiner Silvesterfeier vereinnahmen ließ. Was hatte ich für Silvester nicht auch alles organisieren müssen: seiltanzende Kleinkinder, Schneewittchen & die sieben Zwerge, an Lenkdrachen über uns schwebende Zitherspieler, Partykostümierungen, Möbelstücke aus reinem Elfenbein, usw. usf..
      Ja, das war wirklich eine Sause, die einem Herrscher meiner Statur gut zu Gesicht stand.
      Aber das Thema hatten wir bereits.
      Es fehlt meinem Wichtelkind noch die Zustellung von sechs oder siebentausend Marmor. Und vielleicht hätte ich mich auch bei ihm noch mal melden sollen, um ihn meine urlaubsgleiche Abgelenktheit mitzuteilen.
      Ein Versäumnis meinerseits meiner Diplomatieberaterin.
      Sicher ist der kleine 5500-Punkte-Herrscher von meiner oberflächlichen Hilfe enttäuscht.
      Ob er überhaupt noch herrscht auf zeta?

      Ich werde das wieder gut machen, mein kleiner Freund!


      Fünf Vorsätze habe ich also. Für jedes Quartal des Jahres einen.
      Sehr schön.
      Da wird mir nie langweilig werden.

      Doch für einen umtriebigen, aktiven Herrscher ist das längst nicht genug!
      Ich kann mir noch mehr vornehmen!
      Sieh her, liebe Welt!
      Graf von Plüsch nimmt sich des Weiteren vor sein kleines „Tagebuch“ über das Jahr fortzuführen & dabei mindestens elf, zwölf oder sogar ein Dutzend Einträge zu schaffen! Außerdem will ich mehr Einträge in meinem Kommentarthread ***** & zeitnah auch gern mal die Rothäschen-Serie beenden.

      Ich gebe zu, liebe Welt, das ergibt für 2011, das Jahr des Hasen, ein doch recht ambitioniertes, großspuriges Programm.
      Aber zusammen schaffen wir das.
      Wenn wir alle zusammenhalten.

      Damit grüßt dich lieb,
      dein Fan, Hase & Vorsätzefasser,
      Graf von Plüsch,


      P.S.:
      Auch in diesem Jahr möchte ich unbedingt die althergebrachte Tradition aufrecht erhalten, meine reichhaltigen praktische Herrschaftserfahrungen zu kleinen, klugen Ratschlägen zu destillieren & sie so Spielanfängern, in eigenen Worten, zur Verfügung zu stellen.
      Und es würde mich doch nicht wundern, wenn auch „alte Hasen“ des antiken griechischen Regierens noch die ein oder andere nützliche Lektion für sich daraus zu ziehen vermöchten.
      Also auf geht’s.

      Kennt ihr eigentlich Elfchen?
      Die funktionieren so:
      Wort
      Wort Wort
      Wort Wort Wort
      Wort Wort Wort Wort
      Wort

      Insgesamt also eine Art Gedicht, aus genau 11 Wörtern bestehend, die in vorgegebener Form unterzubringen sind.
      Vermutlich stammt auch daher der Name, „Elfchen“, wegen der 11 Wörter.
      Vielleicht hieß auch der Erfinder dieses Fünfzeiler-Gedichts mit Nachnamen „Elfchen“.
      Ich weiß es nicht. Möchte ja hier auch keinen Unsinn erzählen. Am Ende beruft sich einer von euch Lesern auf mich, z.B. in geselliger Runde mit Freunden, nur um dann von einem Zuhörer besserwisserisch korrigiert zu werden.

      Zurück zu den Elfchen:
      Zum besseren Verständnis gebe ich einfach mal ein paar Beispiele für Elfchen:
      Madeleine.
      Dein Name,
      Prinzessin von Schweden,
      so bezaubernd wie du,
      Madeleine.
      :love1:

      Beziehungsweise:
      Fähnchen,
      alle geklaut,
      wer tut dergleichen?
      Ein neu Gier Tier!
      oder?

      Beziehungsweise:
      Dioxin!
      Lautloser Killer,
      Mörder im Frühstücksei,
      Verschone mich, verschone uns,
      bitte!

      Prinzip verstanden, nehme ich mal an.
      Deswegen jetzt ein Tipp, in Elfchenform:
      Gipfelspitze,
      gemeinsam erreicht,
      erschöpft und durstig,
      ein Bier wird geteilt.
      Freundschaft.


      ---------------

      ***** … Ja, es gibt einen Kommentarthread zu diesem „Tagebuch“. Und den gibt es nicht (nur) um meiner Eitelkeit Geltung verschaffen zu können, nein, den gibt es, damit ihr Leser eure Bewunderung für den Grafen & sein „Tagebuch“ mit der ganzen Welt teilen könnt. Ihr braucht dafür nicht mal zu bezahlen! Diese Möglichkeit wird euch völlig kostenlos angeboten. Noch!


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      ― Taylor Swift ―


    • 32. Eintrag
      – Fragen über Fragen

      Du ahnst nicht, was mir diese Nacht widerfahren ist, liebe Welt!
      Kennst du „& täglich grüßt das Murmeltier“?
      Mir ist genau das gleiche passiert! Nur etwas anders.

      Ich bin in einer Zeitschleife gefangen!
      Ich habe Nachmittag, Abend & einen Teil der gestrigen Nacht heute am Tag nochmals durchleben müssen. Mehr als elf Stunden. Einfach so.
      Unerklärlich.
      Ich weiß weder warum, noch wieso, noch wie & wer & was.

      Ich habe Angst.
      Was ist, wenn das heute Nacht wieder geschieht?
      Was ist, wenn ich wieder beinahe einen halben Tag in die Vergangenheit zurück gesetzt werde? Und das dann immer so weiter geht?

      Wenn das schon sein muss, mit der Zeitschleife, hätte sie dann nicht wenigstens einen Tag früher einsetzen können?
      Das hätte mir eine große Peinlichkeit erspart!
      Dieser blamable Vorfall, der als „Fanclub-Zwischenfall“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist *, hätte ausbleiben können oder wäre mangels vorzeigbarer Beweise von mir als böswillige Schmutzkampagne erfolgsversprechend zu leugnen gewesen. Zumindest so lange, bis ich den „Fanclub-Zwischenfall“ aufs Neue auf die gleiche Weise begangen hätte. Wieder & immer wieder. Ganz gleich wie oft der Tag von Neuem beginnen würde.

      Ich habe Angst, liebe Welt.
      Wäre es nicht sogar vorstellbar, dass sich dieser halbe Tag meines Lebens so lange wiederholen wird, bis ich mich zu einem besseren „Menschen“ gewandelt habe? Werde ich mich zu einem gnädigen Herrscher & Wohltäter entwickeln müssen anstatt der gestrenge, größenwahnsinnge & herrschsüchtige Menschenfeind zu bleiben, als den mich meine Untertanen so schätzen, lieben & verehren?
      Es wäre kaum auszumalen.
      Das würde doch Ewigkeiten in Anspruch nehmen! Und im Sande verlaufen. Schließlich bin ich doch schon mit einem guten Charakter, einem starken Gerechtigkeitssinn & einem Quäntchen Güte ausgestattet.
      Ich wüsste jedenfalls sinnvolleres mit der Zeit anzufangen, als in dieser doofen Zeitschleife festzusitzen. Zum Beispiel Rebhühner jagen & mal richtig ausschlafen.

      Warum ist also gerade meine „Wenigkeit“ betroffen? Warum nicht jemand wirklich Böses, wie zum Beispiel das Neugiertier? **
      Und wo bitte schön sollte das mit dem „Wir machen Graf von Plüsch zu einem besseren „Menschen““ dann aufhören?
      Ich male mir in meiner Furchtsamkeit schon die Szenarien aus.
      Drei Geister, die mich heimsuchen werden: der Geist der Vergangenheit, der Geist der Gegenwart & der Geist der Zukunft. Sie würden mir meinen Lebenswandel vorhalten, an dem doch eigentlich nichts auszusetzen ist. Hat eigentlich Bartmann einen kränklichen Sohn, der in Gefahr ist sterben zu müssen? Einen Tiny Bartmann?

      Hach.
      Meine Nerven.

      Und noch etwas anderes beschäftigt meinen unruhigen Geist.
      Schweden.
      Angeregt durch wohldurchdachte Hinweise & Belehrungen von unwiderlegbarer weiblicher Brillanz *** bin ich doch ins Nachdenken gekommen.

      Mache ich in der ganzen Angelegenheit nicht den Fehler, den zweiten oder gar dritten Schritt vor dem ersten Schritt zu durchdenken?
      Sind es nicht nachrangige Fragen, wer die Kosten der Hochzeit tragen soll (m.E. allein die Eltern der Braut!), was ich mit Schweden zu machen gedenke, oder wie ich das Regieren organisieren soll ohne dabei meine beiden bestehenden Reiche zu vernachlässigen?
      Muss ich nicht erst einmal die Naheliegende Aufgabe in Angriff nehmen, nämlich das Herz der Prinzessin zu gewinnen?

      Ich habe mir das immer einfach vorgestellt, hatte mir gedacht, wenn die Zeit reif erscheinen würde, würde ich zur Schreibmaschine greifen & Prinzessin Madeleine einen Brief schreiben. Ich würde ihr meine unsterbliche Liebe gestehen, noch ein paar wohlfeile Worte drum herum anfügen & sie dann bitten doch gefälligst meine Frau zu werden. Ich würde vermutlich sogar eine Rose im Rosenspiel zukommen lassen.
      Den Gedanken, dass sie mir aber antworten könnte: „Smörebröd!“ ****, der ist mir nie gekommen. So unwahrscheinlich der Fall sein möge, so ist er doch vorstellbar.
      Was wäre also wenn Prinzessin Madeleine nun nicht aufgrund ein paar verschenkter Blumen & etwas guten Zuredens meinem Werben erliegt? Wenn sie meinem Charme widerstehen würde?
      Würde ich ihr Schmuck kaufen müssen? Sie zum Essen ausführen müssen?
      Mir graust.
      Allzu viel Geld wollte ich in die Sache eigentlich nicht investieren.
      Immerhin geht es um ehrliche Gefühle. Das sollte man nicht mit Geld vermischen & verwässern.

      Und was wäre wenn sie dann auf mein kostspieliges Werben dann immer noch antworten würde: „Smörebröd!“
      Werde ich mir dann die Frage stellen müssen, was für einen Grafen schwerer zu erobern ist, das Herz einer Frau oder ein ganzes Land?


      Damit grüßt dich, liebe Welt,
      ratlos in Liebesfragen,
      furchtsam unter dem Bett kauernd,
      von der Gefahr erfüllt ein besserer „Mensch“ werden zu müssen,
      & ohne vorerst auf die freudigen Begebenheiten einer vollzähligen Handelsflotte & der endlich gewonnen „Omi“-Morgaine-Freundschaft einzugehen,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Der Tipp noch, auch heute in Elfchen-Form:
      Blauwale,
      riesigengroße Tiere,
      Giganten der Ozeane,
      fressen nur kleinesten Plankton.
      Bescheidenheit!


      ---------------

      * … solltest du mit diesem Vorfall nichts anzufangen wissen, liebe Welt, weil du etwa meinen Kommentarthread nicht angemessen würdigst, so möchte ich dir gratulieren & dir gleichzeitig garantieren, dass es sich nicht lohnt die Einträge 238 bis 245 ebenjenes Threads zu lesen.
      Überspring sie einfach. :-)

      ** ... :schämen: ... Entschuldigung.
      *** ... zu finden, wie so viele kluge Ratschläge & amüsante Begebenheiten, in meinem Kommentarthread.
      **** .... Ich habe nicht den blassesten Schimmer, was „nein“ auf Schwedisch heißt. Ich vermute jedoch stark, dass es so ähnlich klingen würde wie „Smörebröd“.


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―


    • 33. Eintrag
      – im Zeichen der Dichtkunst

      Ich saß auf einem Baum allein,
      und grübelte dort hin und her:
      „Hasi, Hasi, wie kann das sein,
      das du sitzt auf einem Baum allein?“

      Hasen gehören nicht auf hohe Bäume!
      Das spricht aller Ordnung entgegen.
      Felder, Wiesen sind uns‘re Lebensräume.
      Wir Hasen, wir gehören nicht auf Bäume!

      Wie bin ich also auf den Baum gekommen?
      Wurd’ nicht gejagt, wurd’ nicht getrieben.
      Meine Erinnerung bleibt weiter verschwommen.
      Wie war ich bloß auf den Baum gekommen?

      Und wie sollt‘ ich vom Baume runtergelangen?
      Kletternd, fliegend, springend, schwimmend?
      Mir schwante, ich sei für immer festgehangen,
      würde nie mehr vom Baume runtergelangen!

      Ein Windstoß entschied die Frage, plumps,
      ich fiel herunter zum moosigen Boden.
      Der Aufprall machte mächtig rumps.
      Der Windstoß hatte entschieden. Plumps!

      Ratlos was auf dem Baum ich wollte,
      lief leidgeplagt und stumm ich heim,
      gewiss, dass Niemand je hiervon was hören sollte,
      und für immer ratlos was auf dem Baum ich wollte.

      Doch zu Haus’, welch’ Überraschung, welch’ Freude
      Gani, Gani, sie hat Geburtstag heute!
      Vergessen der Baum, denn hier sind so viele Leute!
      Alles Gute Gani! Geburtstag! Welch’ Freude!


      So.
      Pandas Gedichtecontest (angekündigt vom Reporter-Panda >>hier << im Zeta-Journal) kann kommen!
      Ich bin vorbereitet und aufgewärmt.
      Da kann sich die letztjährige Siegerin dieses Poesie-Wettstreits schon mal warm anziehen!
      Ja, die letztjährige Siegerin!
      Ich werde ihr nicht den Triumph gönnen sie hier beim Namen zu nennen *.

      Naja.
      Dichten ist auch gar nicht so schwer! Zumindest, wenn man sich nicht von Gefühlen der Scham hemmen lässt.
      Falsch verstanden Schamgefühl kann das Ende jedes Dichterfürstengrafen bedeuten.
      Reim dich oder ich fress dich!
      Survival of the Fittest!
      Wenn sich was nicht reimt, muss man's zum Reimen bringen! "Worte erfinden!" lautet die Maßgabe.
      So wie zum Beispiel "Rumps", das sich auf "plumps" reimt.
      Eine Verlegenheitslösung, aber ich höre die Kritiker schon jubeln über diesen, meinen Beitrag zum deutschen Sprachschatz, meine Fortentwicklung des altgermanischen Wortes "rumms".

      Sehr beliebt ist auch die Variante der Zeilenwiederholung, mit der man sich eine Menge Reimarbeit erspart indem man einfach eine Zeile wiederholt. So simpel, so easy!
      Wenn man die wiederholte Zeile noch dazu ein wenig variiert, wird's niemand mehr als Faulheit deuten, sondern als stilistisches Mittel, in bester Tradition der alten shakespearschen Sonette!

      Dichten ist so einfach.
      Auf den Punkt gebracht, hat's ja ein rothaariger Dichter, den ich erst vor Kurzem für mich entdeckt hatte **.
      In einem seiner Meisterwerke, das ich hier gern zum Abschluß zitieren möchte, hat er die höchstens auf moralischem Gebiet angreifbare Technik der Wortvariation (eine Unterart des Worteerfindens) pointiert auf die Spitze getrieben.
      Vielleicht kennst du ja das Werk, liebe Welt:
      Die Marken des Briefes
      sind nie etwas Schiefes.
      Sie haben vier Ecken,
      die nicht gut schmecken.
      Und vorn drauf ein Bild,
      das jedem gefillt.

      Ich kann doch nicht sagen:
      Und vorn drauf ein Bält,
      das jedem gefällt.

      Da hast du's, liebe Welt!
      Der Dichter darf nicht "Bält" sagen & muss sich dafür das Wörtchen "gefillt" aus dem Leibe reißen, neu erschaffen, nur um der aufrüttelnden Aussage seines Gedichtes eine würdigen Schlußpunkt geben zu können.
      Einen Schlußpunkt, so wie ich ihn jetzt setze, unter diesen Beitrag.

      Lieben Gruß, liebe Welt,
      dein Fan, der dir gefellt,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Ach, ich will mal nicht so sein.
      Wenn man lyrisch so talentiert ist, da finde ich, sollst du, liebe Welt, ruhig auch daran teilhaben dürfen:

      Wie wir vor Madagaskar lagen,
      da hört ich zwei Männer sagen:
      “Graf Plüsch in seinem fernen Reiche,
      der versteckt im Keller eine Leiche!“

      Wie ich mit meinem Ohr das hörte,
      ich gleich hin, geeilt, weil’s mich störte,
      Vor Wut ich stürmte, vor Angst ich spie,
      bis ich vor Ihnen stand und wie wild schrie.

      „Ihr, die ihr solch’ Reden schwingt,
      wenn ER’s vernimmt, das euer Ende bringt.
      Für euer Leben wär’s besser ihr schwiegt,
      bevor auch ihr, tot, in seinem Keller liegt!“



      P.P.S.:
      Und wie immer auch noch ein weiser Ratschlag am Ende.
      Eine Gelegenheit ein weiteres Mal diesen begnadeten rothaarigen Dichter zu Wort kommen zu lassen:
      Wenn du lernst,
      bist du ernst,
      und entfernst
      du den Ernst,
      bleibst du dumm
      rumsch rumbumm.


      --------------------

      * ... Nein, diesen Gefallen werde ich dem Neugiertier nicht tun! Und noch weniger werde ich an dieser Stelle gar zur letztjährigen Ausgabe von Pandas Gedichtcontests oder zu oder?s Siegesbeitrag verlinken! Nie & nimmer!
      ** ... Bei der Beschreibung des Dichters könnte möglicherweise der Eindruck entstehen, hier handele es sich um einen britsichen Dichter, weil doch jeder weiß, dass Briten allesamt rothaarig sind (mit Ausnahme von David Beckham (schwarze Haare), sowie Queen Elizabeth. Vor allem von Letzterer weiß man schließlich, dass sie graue Haare auf dem Kopf trägt ... Wobei ich unterstellen möchte, dass sie in den Zeiten des Schwarz-weiß-Fernsehens auch rote Haare hatte, und dass man heute auf den alten Schwerz-weiß-Filmen eben einen roten Haarfarbton für einen grauen Ton vorgemacht bekommt).
      Jedenfalls: Bei der Einschätzung des beschriebenen Dichters urteilt man vorschnell. Nur weil alle Briten rothaarig sind, heißt das nicht das alle Rothaarigen Briten sind.
      Der Dichter ist nämlich Bayer!
      Ja, auch die können mit Sprache umgehen!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―

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    • 34. Eintrag
      – Kunterbuntes Allerlei

      Was ist in den letzten Wochen nicht alles passiert, liebe Welt?
      - So viele Kriege, die nicht ausgebrochen sind.
      - Olympische Spiele & sogar eine Diskusswurf-WM, die nicht stattgefunden haben.
      - Es ist immer noch nicht Frühling. Weitere kostbare, düstere Tage werden wir alle auf den Frühlingseinbruch warten müssen. Geduldig. Machtlos.
      - Rosa Flusen sind weiterhin kein offizielles, anerkanntes Zahlungsmittel.
      - Immer noch nicht habe ich den Ehren-Friedensnobelpreis verliehen bekommen *. Und auch das Direktorium des Karlspreises zu Aachen, der Ausschuss des Büchnerpreises & die Jury der Goldenen Kamera die haben mich & mein Schaffen schamlos übergangen. Erneut!

      Es ist soviel nicht passiert!
      Mehr als ich hier, in der Begrenztheit meiner Zeilen, jemals zu berichten imstande wäre.
      Und wie schon die kleine, Auswahl an Ereignissen, die allesamt nicht alle passiert sind, zeigt: Es ist selbst für mich unmöglich auch nur eine halbwegs repräsentative Auswahl ebenjener nicht passierten Begebenheiten zusammenzustellen. Ich vergesse immer etwas. Oder gewichte falsch. Gebe den skandalträchtigen, aufsehen erregenden Nicht-Ereignissen einen deutlich höheren Stellenwert als ich den kleinen, unscheinbaren Nicht-Nachrichten oder gar den prozesshaften Vorgängen alltäglichen Wandels zugestehe.
      Ein höchst unvollständiges Bild des Welt- und Regionalgeschehens ist die Folge. Das kann ich nicht verantworten!
      Deswegen werde ich mich im Folgenden auf die Darlegung von Begebenheiten konzentrieren, die in den letzten Wochen tatsächlich passiert sind! Teilweise sogar mir!

      1.
      Die Obscure ist zurück! :freu:
      „Schön und gut“, mag man sagen, mag man beide Adjektive auch zurecht in den Mund nehmen, nicht nur auf die Situation ihrer Widerkehr bezogen, sondern auch auf die Obscure höchstselbst.
      Doch das wäre der Bedeutung des Ereignisses nicht angemessen.
      Was wäre Pittiplatsch ohne Schnatterinchen? Was Don Camillo ohne Peppone? Batman ohne Robin? Don Quijote ohne Sancho Panza? Und was ist Dick ohne Doof?
      Genau! Unvollständig! Stets würde etwas Wesentliches, etwas Essentielles fehlen.

      Seit Januar speicht die Obscure nun wieder putzmunter durch ihre Reiche, spendend, bauend & vor allem forschend.
      Sogar vor einer Kampfansage hat sie nicht zurückgeschreckt.
      Wie vermessen! Und wie niedlich!
      Aber so sympathisch! Und dann auch noch gereimt! Und zu anderen Gelegenheiten auch in ungereimter Form.
      So niedlich!

      Mit MadameObscures Rückkehr in die Herrscherfamilie der zeta-Welt habe ich meiner ersten Vorsatz des Jahres 2011 v. Chr. schon als „erfüllt“ abhaken können.
      Ich weiß zwar nicht wie ich es geschafft habe, sie zur Rückkehr zu bewegen, doch das Ergebnis lässt ja nicht den geringsten Zweifel zu, dass ich es geschafft habe!
      Ich hoffe mir werden die übrigen Vorsätze ebenso leicht von der Hand gehen.
      Weltherrschaft, ich komme!

      2.
      Rapunzel hatte Geburtstag! :bday:
      Alles Gute nachträglich!
      Ein Jahr alt ist diese Goldmarie des Allianzlebens , diese Bereicherung des ansonsten sicherlich ziemlich unwirtlichen Gamma-Quadranten, gestern, am 09.02. geworden.
      Die ersten Worte aus diesem noch immer unvollendeten Epos kommen mir ins Gedächtnis: „Das hab‘ ich nun davon.“ Welch großartiger Auftakt schon das. Inspirierend. Allein in diesen wenigen Worten bereits ausgedrückt, wofür andere, weniger Sprachmächtige ganze Absätze oder gar Seiten benötigen.
      Ich erinnere mich noch wie ich das Aschenputtel, diese Stieftochter einer gewissen Ganath **, für mich entdecken durfte. Das Oeuvre langsam, wie eine Zwiebel, literarisch mit freudestränenden Augen schälen durfte, Schicht um Schicht freilegte, bis hinunter zum Kern der Zwiebel, dem festen, widerspenstigen Inneren, dem Hauch von Wahrheit & Offenbarung. Ein erkenntnisreicher Prozess. Und recht flott & unterhaltsam geschrieben. Dabei trotzdem lehrreich. Ohne mit lehrerhaftem Dünkel versehen zu sein, dieser bloßen Besserwisserei des Langstudierten, Wissenden, Erhabenden.
      Man hatte mich erst drauf stoßen müssen. Chimi war’s. Wer weiß ob ich dieses Schatz jemals selber entdeckt hätte in meiner liebenswerten Trägheit & meinen freundlichen Vorbehalten gegen die Tagebuch-Schreiberei.
      Wie oft habe ich nicht so bei mir gedacht gehabt: „Ach! Was können die schon, diese Tagebuch-Schreiberlinge, diese Kreativ-Knechte!“ Oder, wenn ich mich ohne Frühstück ans Tagewerk gemacht hatte, einfach nur dachte: „Ach!“
      Doch ich wurde eines Besseren überzeugt. Dank dieses Schneeweißchens in Allianz- & Tagebuchform. Trotz meines anfänglichen Zweifels & der ein ums andere Mal aufgeschrienen Vermutung: „Das ist doch alles nur ausgedacht!“
      Und was habe ich nicht alles gelernt: Was es zum Beispiel heißt Mutter einer Tochter zu sein, anfangs mit vier Mitstreitern alleinerziehend. Den Prozess des Wuchses & des Gedeihens. Des Scheiterns & des Neuanfangs. Des „es sich manchmal etwas schwer tun“ & des "trotzdem darüber & sich selbst lachen könnens".
      Vorbildhaft! ***

      3.
      Das Neugiertier hat mich durchschaut. ;(
      Nie hätte ich es für möglich gehalten.
      Doch ihr giftiger Stachel hat sich tief in meine Seele gebohrt, dabei Dinge zutage gefördert von denen ich immer annahm, ich könnte sie verborgen halten.
      Lange Zeit ging das gut.
      So lange, bis das Neugiertier kam.

      Nicht genug, dass sie an vorderster Stelle beteiligt war, dem mörderischen Lebenswandel aufzudecken, dem ich in den Straßen von Jerusalem nachging, und schließlich den Anfang vom Ende meiner Lausbuben-Mörder-Streiche einläutete.
      Nein!
      Das reichte ihr nicht!
      Unbedingt musste sie mein Innerstes nach außen kehren, zu Tage fördern, um mich damit schließlich direkt konfrontieren.

      Deswegen gestehe ich es nun hier. Öffentlich!
      Ich, Graf von Plüsch, bin kein spontaner Typ! Meine Außendarstellung in der Hinsicht ist auf jeden Fall mängelbehaftet (wofür eindeutig meine zahlreichen PR-Berater die Verantwortung zu übernehmen haben!), wenngleich ich nicht so weit gehen würde, von direkter Täusch zu sprechen. Es heißt schließlich „Tagebuch eines weisen, gerechten & bescheidenen Herrschers“, nicht aber „Tagebuch eines weisen, gerechten, spontanen & bescheidenen Herrschers“. Das ist ein himmelweiter Unterschied!
      Ich bin also nicht spontan. Weil ich mir eben gern Gedanken mache. Auch schon weit im Voraus. Manchmal auch schon sehr weit im Voraus.
      Aber so bin ich nunmal!
      Wohldurchdacht.
      Denn ich trage schließlich ein enormes Maß an Verantwortung. An vorderster Stelle für mich, außerdem für meine Fans. Und nicht zuletzt auch für dich, liebe Welt.
      Auch wenn ich nun nicht mehr spontan bin, oder spontan rüber komme, mein lupenreines, menschenfreundliches Image unter Umständen gar einen kleinen Kratzer abbekommen hat: Ich bin trotzdem cool!


      An dieser Stelle muss ich die Aufzählung erst einmal unterbrechen.
      Aus zwei Gründen.
      1. Die Zeichenbegrenzung! X(
      2. Fällt mir auf, dass ich & mein Herrscherleben recht kurz gekommen sind in dem bisherigen Bericht. Es geht immer irgendwie nur darum was Andere gemacht haben. Aber was bei mir so los war, warum seit dem letzten Eintrag etwa so viel Zeit vergangen ist, das taucht nicht mal am Rande irgendwie auf. Dabei gibt es doch gute Gründe.
      Ein Versäumnis also.
      Ich werde das nachholen. Mit meinem nächsten Eintrag!


      Und solange grüße ich dich herzlichst, liebe Welt,
      Nicht ohne dir noch zugerufen zu haben, „Empört euch!“ (außer gegen mich),
      dein Fan, Graf von Plüsch


      P.S.:
      Randnotiz!
      Hah!

      P.P.S.:
      Der Tipp noch:
      Ja was g'scheits
      im Winter schneits
      ich tu was g'scheits
      aber niemand freit's.
      Wieder der rothaarige Dichter. "Undank ist der Welten Lohn." Eine einfache Erkenntnis, die in derartig poetischen Worten doch leuchtend hell erstrahlt. Wie die Sonne. Wie die Farbe seiner roten Haarpracht.



      --------------------

      * ... Diese Norweger! Die hegen doch bloß ihren Groll gegen mich, weil ich deren Königsfamilie die weitaus hübschere Königsfamilie ihres Nachbarlandes vorziehe! Aber Groll reimt sich ja nicht umsonst auf Troll & damit auf das norwegische Wappentier! Diese Norweger! :püh:
      * ... Ja. Damals nannte ich die Autorin der Fortsetzungsreihe noch bei ihrem vollen Namen: Ganath. Wie lange scheint mir diese Zeit doch her zu sein. So fern. Beinahe so fern wie der Mond. Dank unserer engen Freundschaft, die sich in den letzten Wochen & Monaten langsam, zaghaft zwischen mir & ebenjener Ganath entwickelt hat, ... hach ... erst von da an nannte ich sie auch in meiner Vorstellung bei ihrem Kosenamen ... Gani ... !
      * ... Ich hätte diese Lobpreisung sicher auch auf direkterem Wege der Autorin, meiner guten Kumpeline Gani zukommen lassen können, ihr es zum Beispiel in den Kommentarthread schreiben können. Doch dann hätte ich eine klaffende Lücke im heutigen Beitrag. Auch undenkbar.
      Und den Dornröschen-betreffenden Teil einfach kopieren & ihn ihr in den Kommentarthread doppelposten? Das würde sie garantiert merken.
      Obwohl es an mancher Stelle heißt, sie sei blond.
      :knirsch:


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      ― Taylor Swift ―

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    • 35. Eintrag – Kunterbuntes Allerlei; hier nun mit Teil Zwei


      Vorgestern war Valentinstag, liebe Welt.
      Hast du das gewusst?
      Und vor allem: Hast du etwas geschenkt bekommen?
      Von mir hast du sicher nichts erhalten, das weiß ich. Aber ich bin ja auch nicht in dich verliebt, finde dich höchstens so ganz okay, auf so eine Kumpelart. Ich mag dich auf jeden Fall nicht so sehr, dass ich dir irgendwelche Blumen kaufen würde.
      Das sind schließlich die Steuergelder meiner Untertanen!

      Valentinstag war bei mir ansonsten aber auch nicht allzu ertragsreich. Sieht man mal von einigen wenigen Ausnahmen ab *, war das doch ein Tag geprägt von „business as usual“.
      Okay, meine Untertanen haben eine große Volks- & Militärparade zu meinen Ehren abgehalten, mit vielen Luftballons in Herzform, bunten Kostümierungen, einer Menge roter Rosen & allerlei sonstigem Brimborium.
      Aber die Parade war zum Einen von mir selbst angeordnet & damit eigentlich eher ein Geschenk von mir an mich selber, und zum Anderen unterschied sie sich kaum von den anderen Paraden zu meinen Ehren, die ich aller zwei bis drei Wochen von dem beherrschten Pöbel verlange.

      Nun gut, widmen wir uns freudigeren Begebenheiten, liebe Welt:
      Die Fortsetzung dessen was mir in den letzten Wochen & Monaten alles Aufregende widerfahren ist.

      4.
      Alles Neue macht der Februar

      Schon oft habe ich meinen Allianz-Chefsessel in diesen Einträgen unter den Scheffel gestellt. Vermutlich ein Symptom meiner bewundernswerten & unnachahmlichen Bescheidenheit.
      Doch damit muss ich jetzt notgedrungen für einige Augenblicke Schluss machen.
      Ich bin primus inter pares in der Heiligen Allianz!
      Erster unter Gleichen!
      Fast schon so eine Art Chef. Nicht zuletzt weil ich zwei Botschaften habe, fällt mir diese Aufgabe in den Schoß.
      Die Verantwortung & die schweren Aufgaben, die mit dieser Position einhergehen, habe ich stets mit stolz geschwellter Herrscherbrust auf mich genommen, wurde ich doch jederzeit von fähigen, freundlichen Amtsträgern & Nichtamtsträgern aus unseren Reihen unterstützt.
      Doch dann, vor mittlerweile gut vier Wochen, zogen die ersten dunklen Wolken auf.
      Die Heilige Allianz, die in ihrem Selbstverständnis Zusammenhalt als eine ihrer wesentlichen Charaktereigenschaft sieht, lässt diese Eigenschaft nicht zum ersten Mal missen.
      Und das gerade bei unserem verdienten Diplomaten, Splash.
      In der darauffolgenden Woche verdunkelten sich die Wolken immer mehr, fast hätte man den Eindruck bekommen können es wäre Nacht geworden.
      Diplomat & Innenminister, zwei zentrale Stützen der Heiligen Allianz, erklären unter der Hand ihre Wechselabsicht, an der nichts mehr zu rütteln sei.
      Drama! Beinahe Tränen auf beiden Seiten! Endzeitstimmung!

      Und gleich darauf die Fragen: „Wie weiter mit der Heiligen Allianz? Mit mir? Überhaupt weiter?“
      Was tun? “, frug ich mich, so wie es sich später einmal Lenin fragen sollte.
      Nervenzerfetzende Überlegungen. Ich, als Primus, mittendrin. Verantwortlich!

      Bis dann ich mich mit meinem guten Herrscher-, Allianz- & Kumpelkollege Age zu dem Entschluss durchgerungen hatten, die Krisensymptome unserer geliebten, gemütlichen Herrschergemeinschaft nicht länger ignorieren oder hinnehmen zu wollen.

      Wie das dann alles weiter verlief, damit möchte ich dich an dieser Stelle nicht langweilen, liebe Welt.
      Nur so viel:
      Wir haben totaaalllll viel verändert, angefangen bei der schwierigsten Veränderung, der erzwungenen Mitgliederreduzierung.
      Gerade werden die Ämter neu gewählt, voll demokratisch, in unserem eigenen Allianzforum.
      Einige Änderungen stehen auch noch bevor, oder verlangen danach festgeschrieben zu werden.
      Noch ein wenig Arbeit, tatsächliche Arbeit, für mich Gräfliche Exzellenz, die mit diesem ganzen Themengebiet „ehrlicher Arbeit“ ja ansonsten eher auf Kriegsfuß steht.
      Doch wir sind auf einem guten Weg. Das merkt man.
      Und ich bedauere jeden, der uns entweder freiwillig verlassen hat oder uns aus welchen Gründen auch immer zwangsweise verlassen musste.
      Denn hey, sie sind nicht mehr in der gleichen Allianz wie Graf von Plüsch.

      5.
      Immer noch Heidi

      Den Umstrukturierungen meiner Heimatallianz ist sie einmal mehr entkommen. Bei ihr traue ich mich leider nicht sie vor die Tür zu setzen. Schon wenn ich Kritik zu äußern wage, ihr Vorhaltungen mache, dass ich in meinem Mittagsschlaf Vorrang vor diesem ganzen Diplomatie-Zeugs geben möchte, oder ihr mein Missfallen auseinander setze über diese andauernd laufende Seal-Musik in meinem Palast, dann guckt sie mich immer so streng an & ich fühle meine berechtigten Vorhaltungen plötzlich ziemlich abstrus.
      Ursprünglich hatte ich gehofft, ich würde nach der Übung an Allianzmitgliedern das mit der Kündigung auch bei ihr hinkriegen.
      Aber Satz mit X.
      Ob ich mal bei McDonalds nachfragen sollte, wie die das gemacht haben sie loszuwerden?

      Als Ersatz hätte ich auch schon jemanden im Fokus.
      Dr. Adolf Klenk.

      Ein Schwergewicht der Rhetorik & der Lockerheit.
      Noch dazu kann er selbst schwierige Analysen in den meisten Fällen auf ein für das Allgemeinverständnis akzeptables Niveau runterbrechen.
      Anhand leichtverständlicher Grafiken & stets unter dem Eindruck absolut kompetent & unbestechlich zu wirken.


      6.
      Ich werde zum Hochforschen gezwungen

      Die Obscure mal wieder.
      Auf Punktejagd.
      Schon an mir vorbei gewesen, trotz ihrer langen Abwesenheit.
      Ich wütend geworden, in den Ruheräumen meiner Dienerschaft randaliert, dabei einiges falsches Porzellan (das sog. „Plaste“) zerbrochen (weswegen meine Dienerschaft nun überwiegend mit den Händen essen muss, weil keine Teller mehr da sind: eindeutig die Schuld der Obscure, weil sie mich so wütend gemacht hatte).
      Ich umher geschrien. Sogar wieder meine Lieblingspeitsche „Sybille“ hervorgeholt & wahllos umhergepeitscht.
      Das hatte mich schließlich ein wenig beruhigt.

      Ich war bereit für die Lösung des Problems.
      Und dachte dabei zuerst an Sabotage. Ließ mich jedoch davon abbringen, durch den Verweis dass die Obscure selbst recht verschlagen ist & auch einiges an Einfluss auf meinen Welten besitzt.
      So weh mir das tat, doch das hieß, dass ich mich ihr auf ehrliche Weise stellen musste.
      Auf ehrliche Weise! Fair!
      Jeder, der mich kennt, weiß wie ich zu Ehrlichkeit & Fairness stehe, vor allem wenn ich sie von Anderen verlange.
      Ich bin ein großer Freund von Beidem.
      Doch der Obscure kommt man auf derart nicht bei. Keine Chance!
      Und wenn dann aber Sabotage oder Intrigen gezwungenermaßen aus den Handlungsoptionen rausfallen, da steht man dann recht nackt in den Möhren.
      In diesem Notfall auf die Forschungsarbeit zurück zu greifen, das ist mir als Entscheidung nicht leicht gefallen.
      Doch die Lage war aussichtslos. Gefährlich. Und ich, ich kann doch nicht immer gegen Mädchen verlieren **.
      In meiner Situation hätte jeder so entschieden, wie ich entschieden habe.
      Ich habe meine gesammelten Forschungspunkte ...
      ... ja! Eingesetzt. Mehr als eine Million.
      Ich schäme mich schon dafür.
      Doch noch mehr schäme ich mich für das, was darauf folgte.
      Kristall. 300.000. Umgewandelt.
      Welch hoher Preis, nur um endlich jene 1,5 Mio. Forschungspunkte erreicht zu haben, die letztlich nötig sein werden um diese eifrige, schwäbische Punktebiene MadameObscure in die Schranken verweisen zu können, sobald sie wieder Anstalten macht an mir vorbei zu ziehen.


      Wie ich das gerade so bemerke.
      Allzu gut komme ich in meinem heutigen Eintrag auch wieder nicht weg.
      - Allianzprobleme, die man als guter Primus gar nicht erst soweit kommen lässt.
      - Eine Diplomatieberaterin, die man sich nicht traut loszuwerden.
      - Hochforschen.

      Ich denke angesichts dieses bescheidenen Gesamteindrucks verzichte ich darauf weitere Punkte an dieser Stelle anzusprechen.
      Außen vor lasse ich deswegen die unrühmlichen Tatsachen, dass ich andauernd verklagt werde; dass ich das Spionage-System & einige andere Phänomene unserer Zeit 0.4.2. v.Chr., die man als weiser Herrscher eigentlich beherrschen sollte, immer noch nicht verstehe; oder dass ich Selbstversuche im Lyrischen unternommen habe, dabei im Gedichtecontest allerdings gegen mittlerweile zwei Häschengedichte konkurrieren muss (was mir angesichts der gerechtfertigten Popularität von Häschen unmöglich erscheint).


      So grüßt dich erneut, liebe Welt,
      trotz seiner negativen Gesamtdarstellung immer noch weise, gerecht & bescheiden,
      Graf von Plüsch


      P.S.:
      Nicht verpassen!
      Das große Special zur neuen „Tagebuch“-Seite: Graf von Plüsch im exklusiven Interview!
      Was hat er noch alles zu sagen hat, bevor er längere Zeit im Urlaubsmodus verschwindet. Weltexklusiv, nur hier zu erfahren!

      P.P.S.:
      Wie stets, auch heute noch zum Abschluss der Tipp:



      --------------------
      * ... Gani :kuss: , Gani :love1:
      ** ... wie damals zum Beispiel, beim Sackhüpfen in der Vorschule. Später beim Kopfrechnen in der Grundschule. Oder dann, in der Zeit der Volljährigkeit beim Armdrücken, im Fußball, im Auto-Quartett, beim im-Stehen-puschern & beim Rückwärts mit dem Pferdegespann einparken.
      Da fällt mir gerade ein: The Who - I'm a Boy !!!


      “The lesson I've learned the most often in life is that you're always going to know more in the future than you know now.”
      ― Taylor Swift ―